Anzeige
20. Juni 2018, 13:42
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

LVRG: “Evaluation blendet katastrophale Folgen aus”

Der Bund der Versicherten e.V. (BdV) hat den Entwurf zur Evaluierung des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) unter die Lupe genommen. Dabei zeigen sich die Verbraucherschützer enttäuscht.

LVRG: Evaluation blendet katastrophale Folgen aus

Axel Kleinlein, BdV: “Die Branche hat es versäumt, von sich aus dem Willen des Gesetzgebers zu folgen.”

Dem Entwurf zufolge sieht die Bundesregierung acht dringende Handlungsbedarfe – unter anderem im Bereich der Zinszusatzreserve, der Provisionsdeckelung und der Bewertungsreserve.

“Insgesamt stehen damit 60 Prozent des Lebensversicherungsreformgesetzes zur Disposition und müssen überarbeitet werden”, stellt BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein fest.

Wer sich durch die Evaluierung Besserungen erhofft habe, der werde jedoch erneut schwer enttäuscht: “Die Evaluation blendet die katastrophalen Folgen des LVRG in Sachen Überschussbeteiligung und Beteiligung an Bewertungsreserven gezielt aus.”

Verbraucher werden betrogen

Das scheint politisch auch so gewollt zu sein, da eine sachgerechte, vollumfängliche und ehrliche Evaluation die Regierung laut BdV zwingen würde zu offenbaren, dass die Kunden und Kundinnen um Milliarden von Euro an Bewertungsreserven enteignet wurden.

Kleinlein erläutert: “Der Skandal ist das, was offenkundig nicht Gegenstand der Evaluation ist, nämlich eine Analyse, wie viele Milliarden Euro an Bewertungsreserven bei der Überschussbeteiligung nicht mehr eingerechnet werden.” Somit würden die Verbraucher nach wie vor um ihre Vermögenswerte betrogen.

Die Einführung eines gesetzlichen “Provisionsdeckels”, um weiterhin Fehlanreize zu vermeiden, sei mehr als überfällig, denn der gewünschten – und von Politik und Versicherungsaufsicht angemahnten – nachhaltigen Senkung der Abschluss- und Vertriebskosten habe sich die Versicherungswirtschaft verweigert.

Anpassungsbedarf bei Zinszusatzreserve

“Die Branche hat es versäumt, von sich aus dem Willen des Gesetzgebers zu folgen und die Abschlusskosten zu senken. Jetzt ist es nur folgerichtig, wenn der Gesetzgeber reagiert”, so Kleinlein.

Ihm zufolge sieht der BdV schon seit Langem dringenden und umgehenden Anpassungsbedarf bei der Zinszusatzreserve (ZZR), denn durch die ZZR werden dem Überschusssystem Milliarden entzogen, den Verbrauchern vorenthalten und somit eine rentable private Altersvorsorge verhindert.

Zwar sei es richtig, bei der Zinszusatzreserve nachzubessern damit überbordende Reserveanforderungen nicht die Unternehmen erdrücken, jedoch müssen bei dieser Hilfestellung die Belange der Versicherten an erster Stelle stehen.

Bundesregierung muss “Tacheles reden”

Aufgrund des Papiers sehe sich der BdV zudem darin bestätigt, dass die Regierung Vorbereitungen treffen wolle, damit im Falle der Insolvenz eines Versicherers ein Lebensversicherungsbestand noch schneller und effizienter auf den Notfallpool übertragen werden könne.

“Ausdrücklich sollen Maßnahmen ergriffen werden, damit bei einer Versicherungspleite schneller reagiert werden kann. Unklar ist, warum sich die Bundesregierung jetzt auf das Schlimmste vorbereiten möchte”, so Kleinlein.

Der Verbraucherschützer fordert: “Da sollte sich die Bundesregierung zum Wohle aller Versicherten, die sich in puncto Altersvorsorge auf eine Lebensversicherung verlassen haben, aus der Deckung wagen und endlich Tacheles reden.” (bm)

Foto: BdV

 

Mehr Beiträge zum Thema Lebensversicherung:

Map-Report: Solvabilität im Vergleich 2008 bis 2017

Lebensversicherungen: Interne Abwicklung oder Verkauf?

BGH urteilt am 27. Juni zu Einschnitten bei der Lebensversicherung

Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Megatrend Demografie – Indizes – Naturgefahren – Maklerpools

Ab dem 16. Oktober im Handel.

Cash.Special 3/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Riester-Rente – bAV – PKV – Bedarfsanalyse

Ab dem 22. Oktober im Handel.

Versicherungen

Weggebrochen: Großschäden vermasseln Talanx die Bilanz

Hohe Schäden durchkreuzen erneut die Gewinnpläne des Versicherungskonzerns Talanx (HDI). Nachdem im vergangenen Jahr die Hurrikan-Serie in den USA am Gewinn zehrte, waren es diesmal der Zwischenfall bei einem Staudamm-Projekt in Kolumbien und der Zusammenbruch der Autobahnbrücke in Genua.

mehr ...

Immobilien

BGH verhandelt Widerruf von Zustimmung zu Mieterhöhung

Ist eine Mieterhöhung rechtlich mit dem Abschluss eines Handy-Vertrags am Telefon vergleichbar? Der Bundesgerichtshof (BGH) befasst sich an diesem Mittwoch mit der Frage, ob ein Mieter seine Zustimmung zu einer Mieterhöhung widerrufen kann.

mehr ...

Investmentfonds

Dollar hat Leidensweg noch vor sich

Die Eurozone könnte die US-Wirtschaft überholen. Die US-Wirtschaft schwächt sich ab, während sich die Eurozone stabilisiert. Darauf werden auch die Zentralbanken reagieren und somit die Renditen von Staatsanleihen und die Wechselkurse beeinflussen.

mehr ...

Berater

Keine Angst trotz Provisionsdeckel

Das nennt man wohl ein Remis: 47,2 Prozent der Mitgliedsunternehmen des Bundesverbands Deutscher Versicherungsmakler (BDVM) gehen davon aus, dass die Auswirkungen eines Provisionsdeckels sie kaum treffen würde. Dagegen erwarten 30,3 Prozent spürbare Auswirkungen, für 22,5 Prozent wäre es hart oder sehr hart. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage des Verbands.

mehr ...

Sachwertanlagen

Neuer Spezial-AIF von d.i.i.

Die d.i.i. Investment GmbH hat mit dem “d.i.i. 10” einen weiteren geschlossenen Immobilien-Spezial-AIF aufgelegt. Der neue Fonds richtet sich an Family Offices, vermögende private Investoren und Stiftungen.

mehr ...

Recht

Mietrecht: Was da ist, muss bleiben

Sind bei der Besichtigung einer Mietwohnung noch Gegenstände oder Einbauten des bereits ausgezogenen Vormieters vorhanden, kann der neue Mieter verlangen, dass diese auch bleiben. Macht der Vermieter den Mieter nicht ausdrücklich darauf aufmerksam, dass ein Gegenstand nicht zur Wohnungsausstattung gehört, schließt ihn der Mietvertrag automatisch mit ein. So entschied laut D.A.S. Rechtsschutz Leistungs-GmbH das Amtsgericht Nürnberg hinsichtlich einer vom Vormieter zurückgelassenen Markise.

mehr ...