„Wir sind ein Start-up mit 111-jähriger Erfahrung“

Und wo liegen Ihre Schwerpunkte?

Coenen: Bisher lag unser Schwerpunkt sehr stark im Cluster der Land- und Forstwirtschaft. Zukünftig werden wir uns im Segment der grünen Berufe, ganze 14 an der Zahl, breiter aufstellen. Unser Know- How und die langjährige Erfahrung aus der Nutztierversicherung und der Absicherung von Reitbetrieben werden wir für Versicherungslösungen für private Tierhalter nutzen und schon bald entsprechende Produkte anbieten.

Woher stammt die Fokussierung auf die Land- und Forstwirtschaft sowie Weinanbau?

Coenen: Diese starke Ausrichtung begründet sich in unserem Ursprung. Die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft – damals des Großherzogtums Hessens – erkannte, dass die gesetzliche Unfallversicherung für ihre Landwirte zur Existenzsicherung nicht genügte. Deshalb gründete sie 1907 einen gemeinnützigen Haftpflichtversicherer, der den Landwirten speziellen, bezahlbaren Versicherungsschutz ermöglichte, die GHV Darmstadt.

Diesem Grundsatz sind wir treu geblieben. Erst mit der Lösung von der Berufsgenossenschaft in den 2000ern war die Erweiterung unseres Angebots überhaupt möglich, das wir seitdem kontinuierlich ausbauen.

Was macht das Geschäft in dem Segment so speziell?

Coenen: Das hat zwei wesentliche Gründe: Der Landwirt an sich und der tiefgreifende Strukturwandel innerhalb der letzten zehn Jahre in der Landwirtschaft. Die versicherten Flächen werden immer größer, der Fuhrpark technisch ausgefeilter und damit teurer. Schaut man in die Zukunft, werden selbstfahrende Arbeitsmaschinen bald keine Seltenheit mehr sein. Die Vollkasko spielt hier bald keine Rolle mehr, dafür aber die Maschinenbruchversicherung.

Betriebe spezialisieren sich zum einen auf wenige Produkte, werden zum anderen aber immer mehr Allrounder. Bisher reine Familienbetriebe wandeln sich zu Unternehmen mit Arbeitnehmern. Nebenerwerbszeige wie das Betreiben eines Hofladens oder die Übernahme von Winterdiensten sind zum Überleben notwendig. Gesetzliche Auflagen wie etwa der Umweltschutz und das Tierwohl beeinflussen die Branche. Auch die Ausrichtung der Betriebe – konventionell oder bio – wirkt sich auf den Versicherungsbedarf aus.

Ohne entsprechendes Know How ist man hier schnell am Ende. Fachwissen fordert auch der Landwirt ein. Er ist heute sehr gut – oft auch akademisch – ausgebildet. Da er am Ende nicht nur Produzent, sondern auch Händler ist, dessen Ware extremen Preisschwankungen unterliegen, ist er sehr preissensibel. Schnelle, einfache, und handfeste Lösungen müssen für ihn her, da der Tag in der Landwirtschaft oft mehr als 24 Stunden haben müsste. (dr)

Foto: GHV Darmstadt

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