Die private Krankenversicherung (PKV) drängt auf eine klarere Aufgabenverteilung im deutschen Gesundheitssystem. Thomas Brahm, Vorstandsvorsitzender der Debeka und Vorsitzender des PKV-Verbandes, sieht die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) laut „Süddeutscher Zeitung“ (SZ) überlastet durch zusätzliche Leistungen. „Den gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen wird viel aufgebürdet, das versicherungsfremd ist und nicht zum Leistungsspektrum gehört.“
Aus Sicht Brahms müsse die GKV finanziell stabilisiert werden, um eine verlässliche Grundversorgung zu sichern. Insbesondere die Ausweitung der Pflegeleistungen habe die Finanzierungsbasis belastet. Insgesamt sind rund 75 Millionen Menschen gesetzlich versichert, während 8,8 Millionen eine Vollversicherung in der PKV haben.
Steigende Ausgaben prägen beide Systeme. Fortschritte in der Medizin verbesserten die Versorgung, erhöhten jedoch die Kosten. „Diese Entwicklung wird viele Leben retten, die früher nicht zu retten waren, aber die beste medizinische Versorgung kostet auch viel Geld.“ Gleichzeitig beobachtet Brahm höhere Abrechnungssätze bei Ärzten.
Bei der Debeka stiegen die Beiträge 2025 im Schnitt um 18 Prozent, 2026 um 6,2 Prozent. Die Leistungsausgaben erhöhten sich zuletzt auf sieben Milliarden Euro. Zusätzliche Effekte erwartet die Branche durch die geplante Reform der Gebührenordnung für Ärzte.
Beim Thema Prävention sieht die PKV Potenzial, stößt jedoch auf rechtliche Grenzen. Ein Gericht untersagte der Debeka die Nutzung von Abrechnungsdaten für gezielte Gesundheitsangebote. „Wir müssen von allen 2,2 Millionen Vollversicherten eine umfangreiche Erklärung haben, damit wir ihnen überhaupt nur ein Angebot machen dürfen“, so Brahm im Interview mit der „SZ“.
In der Diskussion über Facharzttermine weist er die Verantwortung der PKV zurück. „Das ist nicht unser Problem, sondern das der Krankenkassen.“ Brahm verweist auf strukturelle Probleme in der Vergütung innerhalb der GKV und betont zugleich die in der PKV geltende freie Arztwahl.















