1.000 ausbezahlte LV-Verträge im Test: Was am Ende wirklich blieb

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Lohnt sich ein Lebensversicherungsvertrag. Frau stützt Kopf auf die Hände und blickt fragend nach oben.
Foto: AdobeStock/deagreeze
Lebensversicherungen gelten als solide, aber renditearme Altersvorsorge. Oder doch nicht?

Eine neue Studie der Gutachtergesellschaft Snow Analytics wertet 1.000 real ausbezahlte Lebens- und Rentenversicherungsverträge aus 52 Gesellschaften aus. 83,55 Prozent erzielten einen positiven Bruttoertrag, die jährliche Rendite (IRR) lag im Schnitt dennoch bei minus 0,077 Prozent, real über die Laufzeit deutlich im Minus.

Lebensversicherungen gelten als solide, aber renditearme Altersvorsorge. Eine neue Studie der Gutachtergesellschaft Snow Analytics stellt diesen Ruf nun anhand realer Vertragsdaten auf die Probe und kommt zu einem vielschichtigen Ergebnis: Je nachdem, welche Kennzahl man heranzieht, fällt das wirtschaftliche Urteil über denselben Vertragsbestand völlig unterschiedlich aus.


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Für die Erhebung wertete das Heidelberger Unternehmen 1.000 tatsächlich ausbezahlte Lebens- und Rentenversicherungsverträge aus 52 Gesellschaften aus. Grundlage waren ausschließlich geschwärzte Originaldokumente wie Versicherungsscheine, Standmitteilungen und Endabrechnungen. Anders als viele Marktbetrachtungen stützt sich die Studie damit nicht auf Modellrechnungen, sondern auf real abgewickelte Policen.

Snow Analytics betont, bewusst kein vorgefertigtes Urteil gefällt zu haben, weder für noch gegen die These, Lebensversicherungen seien grundsätzlich unwirtschaftlich. Zudem sei die Stichprobe keine Zufallsstichprobe des deutschen Lebensversicherungsbestands, ein Punkt für die Einordnung.

Die untersuchten Verträge laufen im Schnitt 21,65 Jahre, die Stichprobe setzt auf mittlere bis lange Laufzeiten: 382 Verträge laufen zwischen zehn und 20 Jahren, 266 zwischen 20 und 25, nur 51 unter zehn Jahren. Auch die Beitragshöhen streuen stark, von rund 2.760 bis über 831.000 Euro Einzahlung.

Positiver Ertrag, ernüchternde Rendite

Im Mittel zahlten die Versicherten 43.543,96 Euro ein und erhielten am Ende 46.289,67 Euro ausgezahlt. Daraus ergibt sich ein durchschnittlicher absoluter Bruttoertrag von 2.745,71 Euro, wobei der Median mit 785,27 Euro deutlich niedriger liegt. Der Unterschied zeigt, dass einzelne stark positive Verträge den Mittelwert nach oben ziehen, während der typische Vertrag deutlich bescheidener abschneidet.

Wie groß die Streuung ausfällt, macht die Spannweite deutlich: Sie reicht von einem Verlust von 164.889,31 Euro bis zu einem Gewinn von 143.419,37 Euro. Immerhin 83,55 Prozent der untersuchten Verträge schlossen mit einem positiven Bruttoertrag ab, ein Anteil, den Snow Analytics ausdrücklich nicht als abschließendes Werturteil verstanden wissen will.

Entscheidend wird die Studie bei der Frage nach der tatsächlichen, zeitbezogenen Rendite. Die durchschnittliche jährliche Rendite, von Snow Analytics als IRR bezeichnet, liegt bei minus 0,077 Prozent, der Median bei minus 0,05 Prozent. Die Studie setzt dabei den Auszahlungsbetrag ins Verhältnis zu den mit der Durchschnittsinflation hochgerechneten Beiträgen und zieht daraus über die Vertragsjahre die Wurzel.

Ganz anders liest sich die nominale Rendite, die schlicht Auszahlung zu Einzahlung ins Verhältnis setzt, ohne Zeitachse und ohne Inflation. Sie liegt im Mittel bei 10,23 Prozent, im Median bei 7,42 Prozent, bezogen auf die gesamte Laufzeit. Dass eine zweistellige Zahl neben einer nahezu bei null liegenden Jahresrendite steht, folgt aus unterschiedlichen Berechnungslogiken.

Warum „CAGR“ hier keine Jahresrendite ist

Noch deutlicher wird der Unterschied bei der realen, inflationsbereinigten Betrachtung. Die durchschnittliche Inflation über die untersuchten Vertragslaufzeiten lag bei 1,8893 Prozent pro Jahr. Bezieht man diese ein, weist die Studie eine reale Rendite von minus 29,81 Prozent im Mittel aus, im Median minus 26,72 Prozent, eine Zahl, die auf den ersten Blick dramatisch wirkt.

Wichtig für die Einordnung: Anders als der Name vermuten lässt, ist diese als CAGR bezeichnete Kennzahl laut der im Studienanhang dokumentierten Formel kein jährlicher, sondern ein kumulierter Wert über die gesamte Vertragslaufzeit. Berechnet wird sie als nominale Gesamtrendite geteilt durch die über die Laufzeit aufgezinste Durchschnittsinflation, minus eins.

Das Ergebnis zeigt damit den realen Kaufkraftverlust am Laufzeitende, nicht pro Jahr. Wer die minus 29,81 Prozent unkommentiert als Jahresrendite zitiert, würde die Zahl missverstehen und ihre Aussage dramatisch überzeichnen. Die tatsächlich annualisierte Kennzahl der Studie bleibt die IRR mit minus 0,077 Prozent im Mittel.

Passend dazu weist die Studie einen durchschnittlichen Kaufkraftverlust von 9,37 Prozent aus, im Median 11,63 Prozent, ebenfalls über die gesamte Laufzeit. SNOW Analytics selbst betont, diese gegenläufigen Werte seien kein Widerspruch, sondern das Kernergebnis: Derselbe Vertragsbestand ergebe je nach Betrachtungsebene ein grundlegend anderes wirtschaftliches Bild.

Unterschiede nach Laufzeit und Gesellschaft

Nach Laufzeitgruppen zeigt sich kein einheitliches Bild. Der jährliche Bruttoertrag steigt von minus 4,65 Prozent bei Verträgen mit null bis zehn Jahren Laufzeit stetig auf plus 2,14 Prozent bei Verträgen über 30 Jahre. Die IRR bleibt dagegen in allen fünf Gruppen negativ, verbessert sich aber von minus 0,28 auf minus 0,02 Prozent.

Die reale Rendite folgt keinem vergleichbar linearen Muster: Sie reicht von minus 23,67 Prozent in der Gruppe 25 bis 30 Jahre bis zu minus 36,50 Prozent in der Gruppe 10 bis 20 Jahre. Die Autoren folgern, dass die Laufzeit allein kein hinreichender Erklärungsfaktor für das wirtschaftliche Ergebnis eines Vertrags ist.

Auch nach Gesellschaften unterscheiden sich die Ergebnisse deutlich, wobei das Snow Analytics auf ein Ranking verzichtet und auf unterschiedliche Stichprobengrößen verweist. Im Detail betrachtet werden die fünf am stärksten vertretenen Gesellschaften: Allianz (132 Verträge), Generali Deutschland (83), Ergo Vorsorge (72), HDI (55) und Debeka (50).

Die Bandbreite dabe ist beachtlich: Bei der Allianz liegt die reale Rendite im Schnitt bei minus 25,22 Prozent, bei Generali bei minus 32,13 Prozent, bei einer nominalen Rendite von 12,91 respektive nur 1,27 Prozent. HDI und Debeka liegen mit minus 26,22 und minus 25,62 Prozent real dazwischen. Snow Analytics warnt jedoch davor, aus diesen Durchschnittswerten ein allgemeines Urteil über einzelne Versicherer abzuleiten.

Was die Studie zeigt, und was nicht

Im Fazit unterstreicht Snow Analytics, dass sich die Frage „Hat sich mein Vertrag gelohnt?“ nicht mit einer einzigen Kennzahl beantworten lasse. Erst der gemeinsame Blick auf absoluten Ertrag, zeitbezogene Rendite und reale Entwicklung ergebe ein belastbares Bild, jede Ebene für sich beantworte nur einen Teil der Frage.

Ein pauschales Urteil über die Produktgattung Lebensversicherung oder ein Ranking der beteiligten Gesellschaften liefert die Studie ausdrücklich nicht. Für die Bewertung der Kapitalanlagekomponente verweisen die Autoren zusätzlich auf die Bedeutung eines Vergleichs mit alternativen Anlageformen, ohne ihn selbst vorzunehmen.

Die vollständige Studie mit Methodik, Datengrundlage und weiteren Auswertungen nach Laufzeit, Abschlussjahrgang und Gesellschaft stellt SnowAnalytics frei zur Verfügung. Medien dürfen die Ergebnisse unter Nennung der Gesellschaft als Urheber nutzen.


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