Der Arbeitsmarkt in der Immobilien- und Bauwirtschaft zeigt sich im ersten Halbjahr 2026 differenziert. Nach Angaben der Personalberatung Cobalt suchen Unternehmen weiterhin gezielt Fachkräfte für Bestandsoptimierung, technisches Management und Rechnungswesen. Dagegen bleibt die Nachfrage nach klassischen Projektentwicklern gering. Grundlage der Einschätzung sind aktuelle Marktbeobachtungen von Cobalt sowie die laufende Markt- und Karrieretrendumfrage 2026.
„Wir erleben einen deutlich selektiveren Markt. Unternehmen besetzen Stellen sehr gezielt und investieren vor allem dort, wo unmittelbare Wertschöpfung oder operative Relevanz gegeben sind“, sagt Doreen von Bodecker, Geschäftsführerin von Cobalt.
Vor allem im Segment der Führungskräfte beobachtet das Unternehmen eine veränderte Marktlage. Die Zahl erfahrener Kandidaten, die sich aktiv bewerben oder bereits in Auswahlverfahren befinden, sei deutlich gestiegen. Gleichzeitig entstünden derzeit nur wenige zusätzliche Führungspositionen. Zudem dauerten Recruiting-Prozesse länger als noch vor wenigen Jahren. Drei bis vier Interviewrunden seien inzwischen keine Seltenheit. Neben der fachlichen Qualifikation achteten Unternehmen zunehmend auf Persönlichkeit, Werte und langfristige Passung.
Fokus liegt auf Bestandsimmobilien
Der Neubau entwickelt sich nach Angaben von Cobalt in vielen Marktsegmenten weiterhin verhalten. Investitionen und Personalaufbau konzentrieren sich deshalb verstärkt auf die Optimierung bestehender Immobilienbestände. Besonders gefragt seien technische Fachkräfte, TGA-Experten sowie Projektleiter und Projektmanager für Sanierungs-, Revitalisierungs- und Umnutzungsvorhaben, insbesondere im Bereich Wohnen und Beherbergung.
Institutionelle Investoren bauen der Mitteilung zufolge ihre Teams vor allem für Boarding Houses, studentisches Wohnen, Micro Living und Seniorenwohnkonzepte aus. Die Nachfrage nach klassischen Projektentwicklern bleibe dagegen niedrig. Viele Unternehmen versuchten stattdessen, vorhandene Kompetenzen zu sichern und Projektentwickler verstärkt im Asset Management einzusetzen.
Auch kommunale Wohnungsunternehmen suchen laut Cobalt weiterhin qualifizierte Mitarbeiter, insbesondere für das Bestandsmanagement und Neubauprojekte. Im Wettbewerb um Fachkräfte stoßen öffentliche Arbeitgeber jedoch häufig an finanzielle Grenzen, da sie die Gehälter der Privatwirtschaft oft nicht erreichen. Angespannt bleibt die Situation außerdem im Property Management und Rechnungswesen. Vor allem Buchhalter sowie WEG- und Mietverwalter zählen weiterhin zu den gefragtesten Berufsprofilen.
KI verändert Kompetenzanforderungen
Bei den Anforderungen an Bewerber gewinnen neben fachlichen Qualifikationen auch sogenannte Future Skills an Bedeutung. Gleichzeitig handele es sich vielfach um Eigenschaften, die seit Langem gefragt seien. „Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Verantwortungsbewusstsein waren früher wichtig und werden es auch in Zukunft bleiben. Ergänzt werden sie durch neue Kompetenzen wie Prozessverständnis, Lernfähigkeit, Kommunikationsstärke und den souveränen Umgang mit KI“, erklären Jan Schwill, Geschäftsführer der Concord Cobalt Recruitment GmbH, und Patrick Bierhals, Executive Director AI & Technology sowie Niederlassungsleiter Berlin bei Cobalt.
Den Angaben zufolge verschiebt sich der Fokus zunehmend von der Ausführung einzelner Aufgaben hin zur Steuerung von Arbeitsprozessen, die teilweise von KI-Systemen übernommen werden.
Transparente Vergütung rückt in den Fokus
Neben den Anforderungen an Bewerber gewinnt auch das Thema Vergütung an Bedeutung. Obwohl sich die Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie in Deutschland voraussichtlich bis Anfang 2027 verzögert, steigen laut Cobalt die Erwartungen von Bewerbern und Beschäftigten bereits heute.
„Es geht längst nicht mehr nur um die Höhe des Gehalts, sondern um die Frage, wie Vergütung zustande kommt und ob sie nachvollziehbar ist“, sagt Nicole Schwan, Geschäftsführerin von Cobalt. Unternehmen sollten die verbleibende Zeit nutzen, um Vergütungsstrukturen zu analysieren, Gehaltsbänder zu überprüfen und Führungskräfte auf transparente Gespräche vorzubereiten, so die Empfehlung.
















