Stablecoins vor der nächsten Machtprobe: Wer kontrolliert die digitalen Dollar?

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Digitaler Dollar
Bild: KI-generiert mit ChatGPT / DALL·E
Machtkampf Digitaler Dollar

Nach zwei Jahren starken Wachstums konsolidiert sich der Stablecoin-Markt bei rund 300 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig nehmen Transaktionsvolumen und Wettbewerb zu. Entscheidend wird nun, wer Vertrieb, Governance und Milliardenerträge kontrolliert.

Der Stablecoin-Markt steht zu Beginn des zweiten Halbjahres 2026 an einem Wendepunkt. Nach zwei Jahren nahezu senkrechten Wachstums stagniert das Angebot rund um die Marke von 300 Milliarden US-Dollar. Das Transaktionsgeschäft wächst dagegen weiter und gewinnt im Zahlungsverkehr an Bedeutung.

Die Marktkapitalisierung aller Stablecoins liegt seit Jahresbeginn nahezu unverändert bei rund 300 Milliarden US-Dollar. 2024 war der Markt noch um 58 Prozent gewachsen, 2025 um 49 Prozent. Das aktuelle Plateau spricht damit eher für eine Konsolidierung als für eine Abkehr von digitalen Dollar-Token.


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Gleichzeitig bleibt der Markt stark konzentriert. Tether und Circle vereinen weiterhin den weitaus größten Teil des Stablecoin-Volumens auf sich. Herausforderer wie USDS, USDe, USD1, PYUSD und RLUSD setzen die beiden Marktführer jedoch zunehmend unter Druck. Tether und Circle besetzen dabei immer stärker unterschiedliche Marktsegmente.

Open USD greift das bisherige Geschäftsmodell an

Die im Juni 2026 angekündigte Einführung von Open USD hat den Wettbewerb grundlegend verändert. Statt einzelner Emittenten treten zunehmend ganze Ökosysteme gegeneinander an. Mehr als 140 Unternehmen und Institute aus Zahlungsverkehr, Bankwesen und Technologie unterstützen das von einem Konsortium gesteuerte Modell.

Open USD greift vor allem die wirtschaftliche Grundlage etablierter Stablecoin-Anbieter an: die Erträge aus den Reserven. Während klassische Emittenten die hinterlegten Mittel überwiegend in verzinsliche Anlagen investieren und die Einnahmen selbst vereinnahmen, sollen die Erträge bei Open USD mit den Vertriebspartnern geteilt werden.

Damit verlagert sich der Wettbewerb vom Token auf die Distribution. Banken, Zahlungsdienstleister und Technologieunternehmen erhalten einen stärkeren Anreiz, einen Stablecoin zu unterstützen, dessen Reserveerträge ihnen teilweise zufließen. Für etablierte Anbieter entsteht daraus eine strategische Bedrohung.

Circle wächst trotz schwächerem Kryptomarkt

Circle meldete für das zweite Quartal 2026 ein deutliches Wachstum und erhielt zugleich die Zulassung als bundesweit regulierte Trust Bank. Das Unternehmen ist der einzige börsennotierte Emittent, dessen Geschäftsmodell ausschließlich auf Stablecoins ausgerichtet ist. Die Aktie blieb dennoch unter Druck.

Der Umlauf des von Circle ausgegebenen USDC stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 19 Prozent auf 73,3 Milliarden US-Dollar. Das On-Chain-Transaktionsvolumen legte sogar um 151 Prozent zu. Im selben Zeitraum schrumpfte der Gesamtmarkt für digitale Assets um rund 40 Prozent.

USDC entwickelt sich damit zunehmend unabhängig von der allgemeinen Lage am Kryptomarkt. Das zentrale Risiko für Circle bleibt jedoch die Verzinsung der Reserven. Sinkende Leitzinsen würden die Einnahmen aus den hinterlegten Vermögenswerten belasten und könnten die Margen des Emittenten unter Druck setzen.

CLARITY Act hängt an der Zinsfrage

Den regulatorischen Rahmen für Zahlungs-Stablecoins bildet bereits der GENIUS Act. Der CLARITY Act soll die US-Marktstruktur für die übrigen digitalen Assets ordnen und Zuständigkeiten sowie Anforderungen an Marktteilnehmer festlegen. Vor der Sommerpause stand das Gesetz kurz vor einer Abstimmung im Senat.

Der weitere Verlauf hängt maßgeblich an der Frage, ob Stablecoins ihren Inhabern eine Verzinsung bieten dürfen. Eine solche Regelung könnte das Wettbewerbsgefüge erheblich verändern, weil Emittenten oder Vertriebspartner einen Teil der Reserveerträge an Kunden weitergeben könnten.

Der Weg zur Abstimmung im Plenum stockt deshalb. Bis zu einer Entscheidung bleiben die Bedingungen für Anbieter, Vertriebspartner und Investoren unsicher, obwohl der regulatorische Kurs in Washington grundsätzlich auf einen verbindlicheren Rahmen für digitale Vermögenswerte ausgerichtet ist.


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