Gefühlt ist die Rentendebatte ein Dauerbrenner und man wünscht sich fast in die Zeit zurück als Norbert Blüm noch stolz verkündete: „Die Rente ist sicher!“ Das war im Jahr 1986, also vor 40 Jahren und scheint doch zu einer ganz anderen Zeit zu gehören. Immerhin gibt es mit dem Beschluss zum Altersvorsorgedepot nun eine Neuerung, die wenigstens einen Teil der Rentenproblematik angehen soll. Andere Möglichkeiten verdienen allerdings genauso viel Aufmerksamkeit, allen voran die bAV.
Rente- die Mischung machts
Bereits in der Vergangenheit hatte ich von der Cappuccino-Rente am Beispiel der Niederlande gesprochen:
- die gesetzliche Rente ist wie ein guter Single Espresso. Eine solide Grundlage, die aber den gewohnten Lebensstandard nicht unbedingt ermöglichen wird.
- Betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist dann die Milch- unverzichtbar und oft unterschätzt.
- obendrauf der Milchschaum: die private Vorsorge. Hier hat man viel Gestaltungsspielraum und kann ganz nach persönlicher Präferenz agieren.
Nur im Zusammenspiel entsteht ein stimmiger Gesamtmix. Die Kunst liegt im Verhältnis der Komponenten und in einer klugen Risikostreuung: Auf der einen Seite die umlagefinanzierte gesetzliche Rente, auf der anderen Seite kapitalgedeckte betriebliche und private Vorsorge. Jede Säule hat spezifische Vorzüge und Risiken. Entscheidend ist die Kombination.
Die „Milch“ im System: betriebliche Altersversorgung
Die bAV ist ein zentrales Gestaltungsinstrument. Über die Entgeltumwandlung können Teile des Bruttogehalts in eine zusätzliche Rentenversorgung überführt werden. Ein wesentlicher Vorteil aus Kundensicht: Es wird „im Hintergrund“ gespart. Die bAV läuft automatisiert über die Gehaltsabrechnung, ohne dass der Mitarbeitende ständig aktiv werden muss. Viele Arbeitgeber bieten darüber hinaus die Möglichkeit, den Eigenanteil über vermögenswirksame Leistungen zu ergänzen oder diesen Anteil sogar vollständig zu übernehmen. In diesen Konstellationen entsteht für die Beschäftigten eine nahezu „kostenneutrale“ betriebliche Altersversorgung, da der Nettoaufwand im Verhältnis zum Versorgungseffekt sehr gering ist.
Selbstverständlich gibt es Punkte, die beachtet werden müssen, insbesondere bei Arbeitgeberwechseln. Hier sind Übertragbarkeit, Portabilität und die Behandlung bestehender Anwartschaften im Fokus. Genau an dieser Stelle zeigt sich der Mehrwert von Beratung: Wer ein attraktives bAV-Angebot mit Arbeitgeberzuschuss ignoriert, lässt oft das sprichwörtliche Geld auf dem Tisch liegen.
Altersvorsorge als System, nicht als Einzelprodukt
Kein Vorsorgesystem ist komplett frei von Schwächen. Weder die gesetzliche Rente, noch die bAV, noch die private Schicht sind für sich genommen perfekt. Die Stärke moderner Altersvorsorgekonzepte liegt in der effektiven Kombination:
- Die gesetzliche Rente liefert eine lebenslange Grundabsicherung und Einkommensersatzfunktion.
- Die betriebliche Altersversorgung nutzt arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen, Steuer- und Sozialabgabenvorteile sowie Arbeitgeberbeteiligung, um eine effiziente Zusatzrente aufzubauen.
- Die private Vorsorge ergänzt diese beiden Schichten um individuelle Flexibilität, zusätzliche Renditeoptionen und Liquiditätssteuerung.
Die beste Altersvorsorge ist nicht „staatlich vs. privat“, sondern staatlich und betrieblich und privat. Die richtige Mischung dieser drei Komponenten, schafft Stabilität, nutzt Förderungen und Steuervorteile effizient und reduziert Klumpenrisiken. Und eine gute Beratung hilft den Kunden dabei, den für sie perfekten Cappuccino zu machen.
Autor Dr. Frederick Krummet ist Chief Distribution Officer (CDO) Canada Life Assurance Europe.












