Bitkom-Studie: Geheimdienste hinter jedem dritten Angriff auf deutsche Firmen

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Cyberschutz
Foto: adobe.stock.com/Blende11.Photo
Ausländische Geheimdienste rücken als Urheber von Wirtschaftskriminalität gegen deutsche Unternehmen immer stärker in den Vordergrund.

96 Prozent aller deutschen Unternehmen waren zuletzt von Datendiebstahl, Industriespionage oder Sabotage betroffen oder vermuten es. Besonders alarmierend: Ausländische Nachrichtendienste sind häufiger als je zuvor die Urheber. Künstliche Intelligenz macht Angriffe immer schwerer erkennbar.

Ausländische Geheimdienste rücken als Urheber von Wirtschaftskriminalität gegen deutsche Unternehmen immer stärker in den Vordergrund. 37 Prozent der Unternehmen, die in den vergangenen zwölf Monaten von Datendiebstahl, Industriespionage oder Sabotage betroffen waren, konnten mindestens einen Angriff einem fremden Nachrichtendienst zuordnen. 2025 lag dieser Wert noch bei 28 Prozent, 2023 bei lediglich sieben Prozent. Das ergibt eine neue repräsentative Befragung von 1.003 Unternehmen ab zehn Beschäftigten, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat.


Das könnte Sie auch interessieren:

Alarmierend: Insgesamt waren 96 Prozent aller befragten Unternehmen von Datendiebstahl, Industriespionage oder Sabotage betroffen oder vermuten dies. Im Vorjahr lag das Niveau mit 97 Prozent ähnlich hoch. Gleichzeitig wächst die Ungewissheit: Nur noch 67 Prozent der Unternehmen konnten einen erfolgreichen Angriff mit Sicherheit feststellen, gegenüber 87 Prozent im Vorjahr. Der Anteil derer, die einen Angriff lediglich vermuten, stieg von zehn auf 29 Prozent. Auch dieser Wert ist alarmierend.

Die Schäden durch Datendiebstahl, Industriespionage und Sabotage beziffert Bitkom auf 211 bis 270,8 Milliarden Euro. Die Bandbreite erklärt sich aus der wachsenden Unsicherheit bei der Schadensermittlung: Das untere Ende des Korridors basiert auf verifizierten Fällen, das obere bezieht auch die vermutlich betroffenen Unternehmen ein. Die Schadenssumme umfasst direkte Kosten für Betriebsausfälle, Ermittlungen, Rechtsstreitigkeiten und Erpressung sowie Umsatzeinbußen durch Plagiate und den Verlust von Wettbewerbsvorteilen.

China und Russland als Hauptursprungsländer

Bei der geografischen Zuordnung der Angriffe führt China: 52 Prozent der sicher betroffenen Unternehmen konnten mindestens einen Angriff dorthin zurückverfolgen (2025: 46 Prozent), gefolgt von Russland mit 49 Prozent (2025: 46 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Osteuropa außerhalb der EU (34 Prozent), die USA (27 Prozent) sowie EU-Länder ohne Deutschland (26 Prozent) und Deutschland selbst (12 Prozent). Neu im Kreis der relevanten Akteure: der Iran. Rund jedes zehnte Unternehmen (neun Prozent) konnte Angriffe dorthin zurückverfolgen – im Vorjahr waren es lediglich vier Prozent.

Die Angriffe kommen vorwiegend aus Russland und China

Die wichtigste Tätergruppe bleibt die Organisierte Kriminalität: 62 Prozent der betroffenen Unternehmen konnten mindestens einen Angriff auf dieses Milieu zurückführen, nach 68 Prozent im Vorjahr. Erstmals rangieren ausländische Nachrichtendienste mit 37 Prozent direkt dahinter. „Die Grenzen zwischen Organisierter Kriminalität und den Geheimdiensten sind in vielen Ländern fließend. Nachrichtendienste bedienen sich krimineller Strukturen, umgekehrt wird Kriminellen freie Hand gelassen, solange sie ihre Ziele den politischen Vorgaben entsprechend wählen“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst.

Privatpersonen folgen als Tätergruppe mit 35 Prozent (2025: 42 Prozent), unabsichtlich handelnde aktuelle oder frühere Beschäftigte mit 23 Prozent (2025: 25 Prozent), vorsätzlich handelnde Mitarbeiter mit 19 Prozent (2025: 23 Prozent). Nur noch neun Prozent der Unternehmen wurden von Wettbewerbern angegriffen (2025: 22 Prozent).

Cyberangriffe verursachen drei Viertel der Schäden

Auf Cyberattacken entfallen inzwischen 76 Prozent der Gesamtschäden – vor einem Jahr waren es 70 Prozent, vor fünf Jahren 59 Prozent. Die daraus resultierenden Schäden summieren sich auf 160,4 bis 205,8 Milliarden Euro. Fast zwei Drittel (63 Prozent) aller Unternehmen haben in den vergangenen zwölf Monaten eine Zunahme von Cyberangriffen registriert; 69 Prozent erwarten eine weitere Zunahme in den kommenden zwölf Monaten. Kein einziges der befragten Unternehmen rechnet mit einem Rückgang.

Ransomware bleibt die häufigste Schadenursache: Bei 25 Prozent aller Unternehmen verschlüsselten Angreifer Daten und forderten Lösegeld – ein deutlicher Rückgang gegenüber 34 Prozent im Vorjahr. Daneben sind Angriffe auf Passwörter (18 Prozent), Phishing (16 Prozent), DDoS-Attacken (15 Prozent) sowie Infizierung mit Schadsoftware und Spoofing (je elf Prozent) weit verbreitet. Sichtbar auf dem Vormarsch sind KI-gestützte Methoden: Schäden durch automatisierte Robo Calls stiegen von drei auf 14 Prozent, Deepfakes von vier auf acht Prozent.

82 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass Angreifer verstärkt Künstliche Intelligenz einsetzen – allerdings sind sich nur 31 Prozent dessen sicher, 51 Prozent vermuten es lediglich. Als Indizien nennen Unternehmen vor allem die automatisierte Anpassung von Angriffsversuchen (53 Prozent), die hohe Qualität gefälschter Audio- und Videoaufnahmen (48 Prozent) sowie täuschend echte Textnachrichten und E-Mails (38 Prozent). „Künstliche Intelligenz verändert das Angriffsgeschehen grundlegend. Leistungsfähige Modelle können Schadcode generieren und werden künftig auch für autonome Angriffsarten verwendet werden. Deepfakes oder täuschend echte Anrufe und Mails mit sehr persönlichem Bezug machen Betrug einfacher und Angriffe schwerer erkennbar. Künstliche Intelligenz kann aber auch eingesetzt werden, um Angriffe schneller aufzudecken und zu verhindern – diese Chance müssen Unternehmen nutzen“, sagt Wintergerst.

Sicherheitsinvestitionen stagnieren trotz wachsender Bedrohung

Als häufigste Ursache dafür, dass ein Angriff auch zu einem Schaden führte, nennen 59 Prozent der geschädigten Unternehmen die unzureichende Erkennung von Sicherheitsvorfällen. Es folgen Fehlkonfigurationen von IT-Systemen (57 Prozent) und unzureichendes Identitäts- und Zugriffsmanagement (55 Prozent), erst danach technische Schwachstellen (50 Prozent) und veraltete Hard- oder Software (43 Prozent). Insgesamt erlitten sechs von zehn Unternehmen (58 Prozent) in den vergangenen zwölf Monaten einen Schaden durch Cyberangriffe.

Der Anteil der IT-Sicherheit am gesamten IT-Budget stagniert wie im Vorjahr bei 18 Prozent. BSI und Bitkom empfehlen, mindestens 20 Prozent des IT-Budgets für Sicherheit aufzuwenden. Immerhin 45 Prozent der Unternehmen erreichen oder übertreffen diesen Wert (2025: 41 Prozent). 40 Prozent geben zwischen zehn und unter 20 Prozent ihres IT-Budgets für Sicherheit aus.

Zugleich beschäftigt Unternehmen die Frage der digitalen Souveränität: 59 Prozent sehen sich abhängig von Sicherheitslösungen aus den USA, 70 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Behörden und Unternehmen in Deutschland auf deutsche und europäische Lösungen setzen sollten. Bei der Aufklärung von Angriffen spielt der Staat eine wachsende Rolle: Jedes zweite Unternehmen (50 Prozent), das Täter oder Herkunft ermitteln konnte, erhielt dafür Hinweise von Behörden – vor zwei Jahren waren es erst 24 Prozent.


Top-Ergebnisse bei Markt-Mediastudien


Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments