Trotz Ifo-Aufschwung: Warum die Zinsen in Deutschland weiter steigen

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Geschäftsmann im Anzug hält eine Karte mit dem Schriftzug „ifo Geschäftsklimaindex“ vor blauem Hintergrund
Bild: MQ-Illustrations – stock.adobe.com
Seit Juni 2026 hebt die EZB ihre Leitzinsen wieder an – nach zwei Jahren ununterbrochener Senkungen.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im August 2026 so kräftig gestiegen wie von kaum einem Ökonomen erwartet – zum vierten Mal in Folge. Für Berater fällt die gute Nachricht jedoch mitten in eine EZB-Leitzinserhöhung: Seit Juni hebt die Notenbank die Zinsen wieder an. Was das für Rentenfonds, Bauzinsen und Anschlussfinanzierungen bedeutet.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im August 2026 so kräftig gestiegen wie von kaum einem Ökonomen erwartet – zum vierten Mal in Folge. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hellt sich damit spürbar auf. Für Finanzberater und Vermögensverwalter fällt diese gute Nachricht jedoch mitten in eine EZB-Leitzinserhöhung: Seit Juni hebt die Notenbank ihre Zinsen wieder an, nach zwei Jahren kontinuierlicher Senkungen. Rentenfonds, Bauzinsen und Anschlussfinanzierungen müssen Berater deshalb neu bewerten.

Ifo-Index steigt auf 88,8 Punkte – vierter Anstieg in Folge

Das Ifo-Institut meldete am 25. August 2026 einen Anstieg des Geschäftsklimaindex von 86,7 auf 88,8 Punkte. Ökonomen hatten im Konsens lediglich mit 87,1 Punkten gerechnet. Beide Teilindizes zogen an: Die Lagebeurteilung stieg von 86,5 auf 88,5 Punkte, die Erwartungen kletterten von 86,8 auf 89,1 Punkte. Damit hellt sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft bereits seit Mai ununterbrochen auf.

Ifo-Präsident Clemens Fuest kommentierte: „Die Unsicherheit ist weiter gesunken. Trotz erneuter Energiepreisanstiege erholt sich die deutsche Wirtschaft.“ Bemerkenswert ist dabei der Hinweis auf die Energiepreise – er verweist bereits auf den eigentlichen Grund, warum die Zinsdebatte gerade jetzt an Fahrt gewinnt.

Der Blick in die Branchen zeigt ein differenziertes Bild. Im verarbeitenden Gewerbe verbesserten sich sowohl die Lagebeurteilung als auch die Erwartungen spürbar, wenngleich die Auftragsbestände laut Ifo weiter ein Problem bleiben. Im Dienstleistungssektor hellten sich vor allem die Erwartungen auf: IT-Dienstleister zeigten sich optimistischer, während Transport und Logistik weiterhin schwierig bleiben. Der Handel profitierte insbesondere im Großhandel von einer spürbar besseren Stimmung. Im Bauhauptgewerbe stieg der Index zwar ebenfalls, das lag jedoch allein an weniger pessimistischen Erwartungen – die aktuelle Lage beurteilten die befragten Unternehmen sogar etwas schlechter als im Vormonat.

EZB-Leitzinserhöhung: Vom Lockerungs- zum Straffungskurs

Wer aus dem Ifo-Anstieg ableitet, die EZB werde ihre Geldpolitik nun wieder lockern, verkennt die aktuelle Lage. Der Lockerungszyklus ist bereits seit Juni 2026 vorbei, seither strafft die Notenbank ihre Geldpolitik. Zwischen Mitte 2024 und April 2026 hatte der EZB-Rat den Einlagensatz in acht Schritten von 4,00 auf 2,00 Prozent gesenkt. Am 11. Juni 2026 kehrte er diese Richtung um und erhöhte alle drei Leitzinsen um jeweils 25 Basispunkte, den Einlagensatz damit auf 2,25 Prozent. Es war die erste Zinserhöhung seit Beginn des Senkungszyklus.

Auslöser der EZB-Leitzinserhöhung ist ein Energiepreisschock: Ein militärischer Konflikt am Persischen Golf blockierte zeitweise die Straße von Hormus, durch die nach Marktschätzungen rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und LNG-Produktion transportiert wird. Der Brent-Ölpreis stieg von rund 65 US-Dollar im Januar auf über 100 US-Dollar, der europäische Gaspreis Dutch TTF verdoppelte sich zeitweise auf rund 60 Euro je Megawattstunde. Die Inflation in der Eurozone kletterte in der Folge auf 3,2 Prozent im Mai, bevor sie im Juni auf 2,8 Prozent zurückging. Die Energieinflation fiel im selben Zeitraum von 10,8 auf 8,5 Prozent, blieb damit aber deutlich erhöht.


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Bei der Ratssitzung am 23. Juli 2026 beließ die EZB die Zinsen unverändert bei 2,25 Prozent. In ihrer geldpolitischen Erklärung verwies sie darauf, dass die Inflation „bis in die erste Hälfte 2027 deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel“ bleiben dürfte, betonte zugleich aber, sich nicht auf einen bestimmten weiteren Pfad festzulegen. Der Rat werde „von Sitzung zu Sitzung“ entscheiden.

September-Sitzung: Ökonomen erwarten weitere EZB-Leitzinserhöhung

Die nächste EZB-Ratssitzung mit Zinsentscheid findet am 10. September 2026 statt, weitere Termine folgen am 29. Oktober und am 17. Dezember. Eine Reuters-Umfrage unter 69 Ökonomen von Mitte August zeigt eine klare Erwartungshaltung: 57 der Befragten rechnen im September mit einer weiteren Anhebung um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent. 55 der 69 Ökonomen gehen zudem davon aus, dass der Einlagensatz bis Jahresende auf diesem Niveau verharrt. Im Juli hatten das lediglich 49 von damals 74 Befragten erwartet – der Anteil derjenigen, die mit weiterer geldpolitischer Straffung rechnen, ist damit spürbar gewachsen.

Wie belastbar diese Konsenserwartung ist, hängt maßgeblich vom weiteren Verlauf des Energiepreisschocks ab. Die EZB selbst hat das in ihrer Juli-Erklärung offengelassen und ausdrücklich vor dem Risiko gewarnt, dass Lieferstörungen die Preise „stärker und dauerhafter als aktuell angenommen“ steigen lassen könnten. Ökonomenprognosen sind keine Tatsachen – gerade in dieser datenabhängigen Phase kann sich das Bild von Sitzung zu Sitzung ändern.

SitzungEntscheidungEinlagensatz danach
5. Februarunverändert2,00 Prozent
19. Märzunverändert2,00 Prozent
30. Aprilunverändert2,00 Prozent
11. Juniplus 25 Basispunkte2,25 Prozent
23. Juliunverändert2,25 Prozent
10. SeptemberKonsens: plus 25 Basispunkteerwartet 2,50 Prozent
29. Oktoberoffen
17. Dezemberoffen

Nächster EZB-Zinstermin: Die EZB entscheidet 2026 an acht Terminen im rund sechswöchigen Rhythmus über die Leitzinsen. Nächster Termin ist der 10. September 2026, gefolgt vom 29. Oktober und vom 17. Dezember. Laut der Reuters-Umfrage von Mitte August unter 69 Ökonomen erwartet eine klare Mehrheit im September eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent.

Rentenfonds und Anleihen: Kursrisiko bei langen Laufzeiten

Für Rentenfonds und festverzinsliche Portfolios ist die EZB-Leitzinserhöhung die zentrale Stellschraube. Ein erneuter Zinsanstieg drückt tendenziell auf die Kurse länger laufender Anleihen, während er bei Geldmarktfonds und kurzlaufenden Instrumenten die laufende Verzinsung stützt. Berater, die ihre Kunden in den vergangenen zwei Jahren auf sinkende Zinsen und damit verbundene Kursgewinne bei Anleihen vorbereitet haben, sollten diese Erwartung jetzt aktiv korrigieren. Entsprechend lohnt sich ein Blick auf die Duration bestehender Rentenfondspositionen, bevor die EZB im September über die nächste Zinserhöhung entscheidet.

Bauzinsen: Anschlussfinanzierungen frühzeitig planen

Am Immobilienfinanzierungsmarkt ist die Reaktion auf die veränderte Zinslage bereits sichtbar. Bauzinsen für zehnjährige Darlehen lagen Anfang August bei rund 3,71 Prozent in der Spitzenkondition, nachdem sie im Juli infolge der Nahost-Spannungen um etwa 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte gestiegen waren. Für die zweite Jahreshälfte rechnen Finanzierungsexperten mit einer Seitwärtsbewegung mit leichtem Aufwärtstrend in einer Bandbreite von etwa 3,3 bis 3,9 Prozent. Anschlussfinanzierungen, die in den kommenden Monaten anstehen, sollten Berater deshalb früh und mit realistischen Zinsszenarien vorbereiten – die Zeiten, in denen niedrigere Zinsen die Regel waren, sind vorerst vorbei.

Tagesgeld und Festgeld: Verzinsung stagniert erstmals

Bei Tagesgeld und Festgeld fällt die Bewegung gedämpfter aus, ist aber ebenfalls spürbar. Die Durchschnittsverzinsung bei Tagesgeld stagnierte Anfang August bei rund 1,95 Prozent – nach elf Monaten mit kontinuierlichen Anstiegen der erste Monat ohne weitere Erhöhung. Festgeldangebote zogen dagegen über die meisten Laufzeiten leicht an, getrieben auch durch steigende Bundrenditen. Der Wettbewerbsdruck zwischen den Banken dürfte diese Bewegung in den kommenden Monaten mitbestimmen, unabhängig davon, wie die EZB-Leitzinserhöhung im September konkret ausfällt.


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