Die Deutsche Bundesbank rechnet in ihrer aktuellen Bundesbank-Inflationsprognose damit, dass sich die Teuerung in Deutschland bis weit in das Jahr 2027 hinein auf einem spürbar erhöhten Niveau hält. Hintergrund ist ein Preisschub, der die Inflationsrate in Deutschland im September 2026 nach Angaben des Statistischen Bundesamts auf 3,3 Prozent trieb - den höchsten Wert seit Dezember 2023. Als Grund führt die Bundesbank den Konflikt im Nahen Osten sowie Beeinträchtigungen an der Straße von Hormus an. Durch die Meerenge flossen vor der Krise nach Angaben des DIW Berlin rund 20 Millionen Barrel Öl pro Tag, das entsprach etwa 20 Prozent der weltweiten Ölnachfrage.
Deutsche Inflationsrate steigt seit Sommer merklich
Laut Statistischem Bundesamt zog die Teuerungsrate seit dem Sommer merklich an. Im Juli 2026 betrug sie 2,8 Prozent, im August 2,9 Prozent und im September schließlich 3,3 Prozent. Ohne Energie und Nahrungsmittel verharrte die Kerninflation bei 2,4 Prozent und damit auf dem Stand der beiden Vormonate. Der Schub geht damit vor allem auf die Energiepreise zurück.
Besonders deutlich fällt der Anstieg bei Kraftstoffen und Heizöl aus: Im September lagen die Kraftstoffpreise um 37,1 Prozent über dem Vorjahreswert, leichtes Heizöl verteuerte sich um 74,9 Prozent. Dagegen sanken die Preise für Strom um 5,5 Prozent und für Erdgas um 2,8 Prozent. Energieprodukte insgesamt kosteten 14,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.
| Monat 2026 | Inflationsrate (VPI, Jahresvergleich) |
|---|---|
| Juli | 2,8 Prozent |
| August | 2,9 Prozent |
| September | 3,3 Prozent |
| Kerninflation September | 2,4 Prozent |
Warum der aktuelle Preisschock anders ist als 2021/22
Im Monatsbericht zieht die Bundesbank einen Vergleich zwischen dem aktuellen Preisschub und der Hochinflationsphase 2021/22. Dieses Mal treffen die Preissteigerungen in erster Linie Rohöl und raffinierte Produkte, während damals vor allem Gas und Strom teurer wurden. Zudem fehlen derzeit gleichzeitige Schocks bei Nahrungsmittelrohstoffen oder beim Wechselkurs. Außerdem fällt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach Einschätzung der Notenbank geringer aus als in der Erholungsphase nach der Pandemie. Eine Wiederholung der Hochinflationsphase hält die Bundesbank deshalb derzeit für unwahrscheinlich.
„Der aktuelle Schock ist also nicht einfach kleiner, sondern anders zusammengesetzt“, heißt es im Monatsbericht.
Bundesbank sieht Inflationsrisiken klar aufwärtsgerichtet
Trotz der Unterschiede zu 2021/22 nennt die Notenbank weitere Preistreiber. Spitzt sich der Konflikt im Nahen Osten weiter zu, könnten die Ölpreise erneut steigen. Zudem hält die Bundesbank eine schnellere Weitergabe der Energiepreise an Nahrungsmittel für möglich. Hinzu kommen steigende Inflationserwartungen und eine anhaltend hohe Dienstleistungsinflation durch Lohnauftrieb.
„Die Inflationsrisiken sind jedoch klar aufwärtsgerichtet“, schreibt die Bundesbank.
EZB hob den Leitzins bereits im September an
Der EZB-Rat erhöhte am 10. September 2026 die drei Leitzinssätze um jeweils 25 Basispunkte. Der Einlagesatz beträgt seit dem 16. September 2026 2,50 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz 2,65 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz 2,90 Prozent. In den September-Projektionen der EZB wird dabei von einer Teuerungsrate in Höhe von 3,0 Prozent für 2026, 2,5 Prozent für 2027 und 2,1 Prozent für 2028 ausgegangen.
| Leitzins | Satz seit 16. September 2026 |
|---|---|
| Einlagesatz | 2,50 Prozent |
| Hauptrefinanzierungssatz | 2,65 Prozent |
| Spitzenrefinanzierungssatz | 2,90 Prozent |
Nächster EZB-Zinsentscheid am 29. Oktober
Die nächste reguläre Sitzung des EZB-Rats findet am 28. und 29. Oktober 2026 in Frankfurt statt. Nach dem öffentlich bekannten Sitzungskalender soll die Zinsentscheidung am 29. Oktober um 14:15 Uhr veröffentlicht werden.
Bundesbank-Inflationsprognose vom Juni sieht 2,9 Prozent für 2026
Die Bundesbank-Inflationsprognose vom 12. Juni 2026 erwartete für das Gesamtjahr 2026 eine HVPI-Inflation von 2,9 Prozent, gefolgt von 2,7 Prozent 2027 sowie 1,9 Prozent 2028. Beim kalenderbereinigten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts rechnete die Notenbank mit 0,5 Prozent im Jahr 2026, 0,8 Prozent im Jahr 2027 und 1,4 Prozent im Jahr 2028.
Auf die Unsicherheit der Bundesbank-Inflationsprognose wies die Notenbank bereits damals hin: Angesichts der geopolitischen Lage sei die Vorhersage mit besonders großer Unsicherheit behaftet. Der Krieg im Nahen Osten belaste die deutsche Wirtschaft und bremse die im Winterhalbjahr begonnene Erholung vorerst aus.














