Nach dem stärksten Goldpreis-Einbruch in einem September seit 2013 greifen Privatanleger kräftig zu. Beim Online-Marktplatz BullionVault flossen im September 2026 netto so viele Mittel in physisches Kundengold wie seit fünf Jahren nicht mehr. Nach Unternehmensangaben kauften Nutzer der Plattform per saldo 389 Kilogramm Gold mehr, als sie verkauften. Wertmäßig entspricht das rund 47 Millionen Euro. Das ist der stärkste monatliche Zuwachs der physischen Bestände seit Juni 2021 und zugleich der größte wertmäßige Zufluss seit April 2020. Der Goldpreis-Einbruch im September hat damit eher Kauf- als Verkaufsreflexe ausgelöst.
BullionVault bezeichnet sich selbst als weltweit größten Online-Marktplatz für den Kauf physischen Anlagegolds. Zum Jahreswechsel 2025/2026 verwaltete das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 7,5 Milliarden Euro für über 125.000 Nutzer aus 175 Ländern.
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt dieser Käufe. Im September 2026 fiel der Goldpreis so stark wie in keinem September seit 2013. In Euro gab er je nach Datenquelle zwischen 4,2 und 6,5 Prozent nach. In US-Dollar lag der Rückgang zwischen 6,57 und 8,5 Prozent. Zuvor war der Preis im August um 13,3 Prozent auf 4.562 US-Dollar je Feinunze gestiegen. Nach BullionVault-Daten war das der drittstärkste Monatsanstieg des 21. Jahrhunderts. Wie tragfähig diese Entwicklung insgesamt ist, beleuchtet die Analyse Gold zwischen Zinsdruck und Krisenschutz: Wie tragfähig ist die Gold-Rally?.
„Während das ‚Kryptonit‘ stark steigender Anleiherenditen den Goldpreis schwächt, kurbelt es die Investitionsnachfrage nach dem Edelmetall nur weiter an“, so beschreibt es Adrian Ash, der als Director of Research bei BullionVault tätig ist. „Ähnlich wie die Zentralbanken als Gruppe akkumulieren auch Privatanleger Gold zur Diversifizierung und als Absicherung gegen die heutigen gewaltigen Regierungsdefizite und Staatsschulden, die zu einer Währungsentwertung führen.“
Steigende Anleiherenditen als Auslöser für den Goldpreis-Rückgang
Hintergrund des Rückgangs sind die kräftig gestiegenen Zinsen am Anleihemarkt. Am 7. Oktober 2026 stieg die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bis auf 5,35 Prozent – ein Niveau, das seit rund 24 Jahren nicht mehr erreicht wurde. 30-jährige US-Anleihen rentierten zeitgleich mit 5,724 Prozent. Steigende Anleiherenditen machen zinslos gehaltenes Gold gegenüber verzinsten Anlagen unattraktiver. Entsprechend trennen sich Anleger bei steigenden Zinsen tendenziell häufiger von dem Edelmetall. Welche Rolle die gewaltige US-Verschuldung dabei spielt, zeigt der Beitrag 40-Billionen-Marke geknackt: US-Schulden halten Anleiherenditen unter Druck.
„Es ist völlig natürlich, dass Goldpreise nachgeben, wenn die Anleiherenditen steigen“, so Ash. „Höhere Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten für den Besitz von physischem Gold im Vergleich zu Bargeld auf der Bank oder Anleihen.“
Zudem bremsten höhere Kreditkosten laut Ash spekulative Wetten am Derivatemarkt. Gold werde derzeit auf Niveaus gehandelt, die vor einem Jahr noch neue Rekordpreise darstellten. Gleichzeitig bewegen sich die langfristigen Zinsen auf ein Niveau, wie es seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr zu beobachten war.
Deutsche Privatanleger kaufen nach dem Goldpreis-Rückgang zu
Auch unter deutschen Anlegern zeigt sich dasselbe Muster. Die Zahl der deutschen BullionVault-Kunden, die im September Gold erwarben, nahm gegenüber dem Vormonat um 2,9 Prozent zu. Die Anzahl der Verkäufer ging dagegen um 30,2 Prozent zurück und erreichte damit ihren niedrigsten Stand seit Juli 2025. Dementsprechend stieg der Gold-Investor-Index Deutschland (GII DE) um 1,1 Punkte auf einen Stand von 57,6 – das höchste Niveau seit Juni 2026. Damit nutzten auch deutsche Anleger den Goldpreis-Einbruch eher zum Nachkauf als zum Ausstieg.
Der GII DE stellt monatlich dar, wie sich Netto-Käufer und Netto-Verkäufer unter den deutschen BullionVault-Kunden zueinander verhalten. Liegt der Indexwert bei 50, halten sich Käufe und Verkäufe die Waage; Werte darüber zeigen ein Übergewicht der Käufer an. Über einen Zeitraum von fünf Jahren betrachtet liegt der Durchschnitt des Index bei 55,9 Punkten. Aktuell notiert er also leicht darüber.
| Datum | GII Deutschland | Kommentar |
|---|---|---|
| März 2026 | 62,6 | Höchster Wert der letzten fünf Jahre |
| Juni 2026 | 58,6 | 0,3 Punkte höher als im Vormonat Mai |
| September 2026 | 57,6 | 1,1 Punkte über dem Augustwert, damit höchster Stand seit Juni 2026 |
| Fünfjahresdurchschnitt | 55,9 | Referenzwert über rollierende fünf Jahre |
Auch Zentralbanken greifen so stark nach Gold zu wie seit Langem nicht mehr
Private Anleger schließen sich damit einer Entwicklung an, die von den Notenbanken bereits seit Monaten getrieben wird. Nach Angaben des World Gold Council erwarben Notenbanken weltweit im zweiten Quartal 2026 per saldo 289 Tonnen Gold. Das entspricht einem Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und markiert den höchsten je für ein zweites Quartal verzeichneten Wert. Allein die polnische Notenbank erwarb 51 Tonnen und baute ihre Bestände damit auf 632 Tonnen aus. Die chinesische Zentralbank kaufte 33 Tonnen – der größte Einzelquartalszukauf seit dem vierten Quartal 2023 – und hält inzwischen 2.346 Tonnen. Auch bei der Lagerung ihrer Bestände sind Notenbanken aktiv, wie das Beispiel Niederlande verlagern 86 Tonnen Gold nach London zeigt. Trotz des Preisrückgangs im September kaufen die Notenbanken also weiter zu.
Was der Goldpreis-Einbruch für Berater und Anleger bedeutet
Für Vermittler und Vermögensverwalter ist vor allem das Verhaltensmuster bemerkenswert: Privatanleger nutzten den September-Rückgang offenkundig zum Nachkauf statt zum Ausstieg. Ash verweist darauf, dass Edelmetalle im bisherigen 21. Jahrhundert die Anlageklasse mit der besten Wertentwicklung seien. Im vergangenen Jahr hätten sie alle anderen Investitionen weit hinter sich gelassen.
Gleichzeitig sind die Opportunitätskosten für zinslos gehaltenes Gold messbar gestiegen. Das aktuelle Preisniveau galt vor einem Jahr noch als Rekord, während die langfristigen US-Zinsen inzwischen Höchststände seit einem Vierteljahrhundert erreichen. Am 8. Oktober 2026 notierte der Goldpreis bei rund 4.118 US-Dollar beziehungsweise 3.677 Euro pro Feinunze.














