Colliers-Studie: Homeoffice dampft Büroflächenbedarf deutlich ein

Innenraum eines leeren modernen Büros mit Schreibtischen und Computern
Foto: PantherMedia
Volle Büros waren gestern: Das Homeoffice zwingt den Büroimmobilienmarkt in ein neues Korsett

Der Büroimmobilienmarkt in Deutschland dürfte in den kommenden sechs Jahren vor einem großen Stresstest stehen. Bis 2030 soll der Bedarf an Büroflächen um über zehn Prozent sinken.

Seit der Corona-Pandemie sind die Büros deutlich leerer. Stichwort Homeoffice. Nun machen Zahlen einer neuen Ifo-Colliers-Studie aber deutlich, dass der Trend zum Homeoffice den Büroimmobilienmarkt nachhaltiger verändern dürfte, als erwartet. Demanch soll der Bedarf an Büroflächen in den deutschen Metropolen bis 2030 um über ein Zehntel sinken. Das ist das Ergebnis neuen Studie des Ifo-Instituts und des Immobilienberaters Colliers für die Großstädte Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf.


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„Die regelmäßige Arbeit im Homeoffice ist für etwa 25 Prozent der Beschäftigten und 69 Prozent
der Unternehmen zur neuen Normalität geworden“, erklärt Ifo-Forscher Simon Krause. „Vor allem in Großunternehmen und in Branchen mit starker Homeoffice-Nutzung führt dies zu einem Rückgang der Nachfrage nach Büros.“

Den Minderbedarf bis 2030 schätzt der Ifo-Forscher auf rund zwölf Prozent. Umgerechnet bedeutet das: Künftig werden etwa 11,5 Millionen Quadratmeter weniger Bürofläche in den sieben Metropolen benötigt. Die neue Arbeitswelt sei ein „Stresstest für den Büroimmobilienmarkt“, so Krause. Für die Studie wurden erstmals Daten der Homeoffice-Umfragen des Ifo unter 9.000 Unternehmen mit
Büromietverträgen zwischen 2013 und 2023 aus der Datenbank von Colliers verknüpft.

Leerstände verdoppelt

Zugleich fielen die Umsätze am Bürovermietungsmarkt 2023 auf das Niveau der akuten Corona-Krise, wie es weiter hieß. Die Leerstandsquote von unter drei Prozent im Jahre 2019 verdoppelte sich demnach auf über sechs Prozent Ende 2023, während der Anteil der Untermietverträge stark von unter zwei auf fast acht Prozent stieg. „Derzeit zeichnet sich eine schnelle Erholung nicht ab“, sagt Andreas
Trumpp von Colliers, Mitautor der Studie.

Büromietverträge in Deutschland hätten eine durchschnittliche Laufzeit von etwa sieben Jahren, hieß es. Deshalb wirke sich der Homeoffice-Effekt erst verzögert aus. Insgesamt gehen Colliers und
Ifo davon aus, dass 60 Prozent aller Büroimmobilien in Deutschland vom Homeoffice-Effekt betroffen sind und dass Firmen in diesen Immobilien ihre Flächen im Schnitt um 20 Prozent reduzieren.

Weil mit dem Homeoffice-Trend weniger Büroflächen gebraucht werden, steht der Markt für solche Immobilien in vielen Ländern unter Druck, vor allem in den USA. Auch hierzulande müssen Banken wie die Wiesbadener Aareal Bank und die Landesbank Helaba mehr Geld für mögliche Kreditausfälle bei Gewerbeimmobilien zurücklegen. Laut Dpa zeigt sich inzwischen auch die Bankenaufsicht besorgt. (dpa-AFX)

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