Bauzinsen bleiben wegen Nahost-Konflikt volatil

Florian Pfaffinger
Foto: Dr. Klein
Florian Pfaffinger

Die EZB steht vor einem schwierigen Zinsentscheid: Inflation, Konjunktur und Nahost-Konflikt ziehen in unterschiedliche Richtungen. Für Baufinanzierer bleibt vor allem eine Frage wichtig.

Die Europäische Zentralbank dürfte ihre Leitzinsen bei der Sitzung am 30. April unverändert lassen. Das erwartet Florian Pfaffinger, Mitglied im Expertenrat der Dr. Klein Privatkunden AG. Hintergrund sind unruhige Märkte, eine wieder höhere Inflation und die Unsicherheit über die weitere Entwicklung im Nahen Osten.

Die Baufinanzierungszinsen schwankten im April deutlich. Der repräsentative Zinssatz von Dr. Klein für eine zehnjährige Baufinanzierung bewegte sich zwischen 3,49 und 3,60 Prozent. Am 27. April lag er bei 3,57 Prozent.

Als Grund nennt Pfaffinger die Nervosität der Märkte. „Solange unklar ist, wie sich der Konflikt im Iran weiterentwickelt, sind die Märkte sehr nervös“, erklärt Pfaffinger. „Das führt dazu, dass die Zinsen eine erhöhte Volatilität aufweisen.“


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Für Kreditnehmer kann die aktuelle Lage dennoch Spielraum bieten. Der Aufpreis für längere Zinsbindungen fällt laut Dr. Klein derzeit gering aus. Für 15 statt zehn Jahre Zinsbindung werden häufig nur 0,15 bis 0,20 Prozentpunkte mehr fällig. Der Aufschlag für 20 statt 15 Jahre liegt demnach bei 0,05 bis 0,10 Prozentpunkten.

Pfaffinger hält es deshalb für sinnvoll, längere Laufzeiten zu prüfen. „Es ist aus meiner Sicht ratsam, darüber nachzudenken, sich den aktuellen Zins länger als ursprünglich geplant zu sichern.“

Für Mai erwartet Dr. Klein weiterhin Schwankungen bei den Bauzinsen. Entscheidend bleibt, wie sich der Konflikt in Nahost auf Energiepreise und Inflation auswirkt. Anhaltend hohe Energiepreise könnten die Teuerung weiter antreiben und den Druck auf die Notenbanken erhöhen.

EZB zwischen Inflation und Konjunktur

Die Inflation im Euroraum lag im März laut Eurostat bei 2,6 Prozent, in Deutschland bei 2,8 Prozent. Damit liegt sie wieder über dem Zielwert der EZB von zwei Prozent.

Aus Sicht Pfaffingers spricht die höhere Inflation grundsätzlich für steigende Zinsen. Gleichzeitig müssten die Währungshüter die Konjunktur im Blick behalten. Höhere Leitzinsen könnten den wirtschaftlichen Aufschwung bremsen.

Für die Sitzung am 30. April rechnet Pfaffinger daher nicht mit einem Zinsschritt. Der Markt hat laut Dr. Klein bis Jahresende zwei Zinsschritte eingepreist, im Juni und im September. Ob es dazu kommt, dürfte wesentlich von der Entwicklung im Nahen Osten abhängen.

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