Amazon, Meta, Microsoft und Alphabet haben starke bis sehr starke Quartalszahlen vorgelegt. Die zentrale Botschaft lautet: Operativ läuft es bei Big Tech weiter rund. Entscheidend ist jedoch, wie schnell sich die enormen Investitionen in KI und Cloud in Umsatz, Margen und Free Cashflow niederschlagen.
Amazon: Starkes AWS, aber Capex bremst
Amazon überzeugte mit einem Umsatz von 181,5 Milliarden US-Dollar, einem EPS von 2,78 US-Dollar und einem AWS-Wachstum von 28 % auf 37,6 Milliarden US-Dollar. Auch der Ausblick für das zweite Quartal mit einem Umsatz von 194 bis 199 Milliarden US-Dollar lag über den Erwartungen.
Die Aktie fiel nach Börsenschluss dennoch um mehr als 3 %. Der Markt erkennt zwar die Beschleunigung von AWS, macht sich aber Sorgen über hohe Investitionen in KI und Cloud, Margendruck und den Free Cashflow.
Amazon bleibt stark, muss aber beweisen, dass das Wachstum von AWS, die Margen und die Capex-Disziplin gleichzeitig funktionieren.
Meta: beste operative Dynamik, höchste Skepsis
Meta lieferte mit USD 56,3 Mrd. Umsatz, einem Wachstum von 33 % und US-Dollar 10,44 EPS ein sehr starkes Quartal. Auch bereinigt um den Steuervorteil bleibt das Ergebnis stark. Für das zweite Quartal erwartet Meta einen Umsatz von USD 58 bis USD 61 Milliarden US-Dollar Gleichzeitig wurde die Capex-Prognose für 2026 auf 125 bis 145 Milliarden US-Dollar erhöht.
Die Aktie verlor nach Börsenschluss 5 % – 6,5 %. Der Markt fokussierte sich weniger auf den Beat als auf die Frage, wann sich die massiven KI-Investitionen auszahlen.
Kurzfristig belastet Capex die Bewertung. Strategisch bleibt Meta jedoch sehr attraktiv, da das Unternehmen KI bereits sichtbar in bessere Anzeigen, höhere Engagement-Raten und effizientere Monetarisierung übersetzt.
Microsoft: Qualitätstitel, aber teuer erkauft
Microsoft übertraf mit einem Umsatz von 82,9 Milliarden US-Dollar und einem EPS von 4,27 US-Dollar die Erwartungen. Azure wuchs um 40 %, die Microsoft Cloud erreichte einen Umsatz von 54,5 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig stiegen die Capex auf 31,9 Milliarden US-Dollar, der Free Cashflow fiel um 22 % auf 15,8 Milliarden US-Dollar.
Die Aktie lag nach Börsenschluss 1,8 % – 2 % im Minus. Der Azure-Beat überzeugte, aber der Anstieg der Capex und der Rückgang des Free Cashflows dämpften die Reaktion.
Microsoft bleibt der qualitativ hochwertigste Cloud- und KI-Compounder. Kurzfristig ist die Aktie jedoch anfällig, solange der Markt mehr Belege für die Rendite der KI-Investitionen verlangt.
Alphabet: klarer Gewinner
Alphabet erzielte einen Umsatz von 109,9 Milliarden US-Dollar, was einem Wachstum von 22 % entspricht, und laut Berichten einen EPS von 5,11 US-Dollar. Google Cloud wuchs um 63 % auf rund 20 Milliarden US-Dollar.
Gleichzeitig erreichten die Google-Suchanfragen laut CEO Sundar Pichai ein Allzeithoch.
Die Aktie stieg nach Börsenschluss um rund 3,5 %. Alphabet lieferte den besten Mix aus EPS-Übertreffung, starkem Cloud-Wachstum, hoher Cloud-Marge und weniger Sorge, dass KI das Suchgeschäft kurzfristig beschädigt.
Alphabet widerlegt vorerst die These, dass KI das Suchgeschäft kurzfristig zerstört. Im Gegenteil: Search, YouTube, Subscriptions und Cloud greifen zunehmend ineinander.
Alphabet und Meta sind unsere Favoriten
Auf Sicht der nächsten 12 Monate bleiben Alphabet und Meta unsere Favoriten vor Amazon und Microsoft. Beide Unternehmen schaffen es bereits heute am überzeugendsten, die eingesetzten KI-Kosten rasch zu monetarisieren.
Alphabet punktet mit der Stärke von Search, der Dynamik der Cloud und der sinkenden KI-Disruptionsangst. Meta hat zwar den grössten Capex-Störfaktor, zeigt aber gleichzeitig die direkteste operative Hebelwirkung durch KI in Werbung und Monetarisierung.
Amazon und Microsoft bleiben starke Qualitätswerte. Doch bei beiden ist der Markt aktuell sensibler für Investitionen, Margen und freien Cashflow.
Autor Serge Nussbaumer ist Head Public Solutions und Kapitalmarktexperte bei Maverix.














