Viele Eigentümer wissen, dass ihre Immobilie modernisiert werden muss. Dennoch verschieben sie die Sanierung häufig. Ausschlaggebend ist oft nicht fehlende Bereitschaft, sondern Unsicherheit bei Planung, Finanzierung und Umsetzung.
Wie groß diese Hürde ist, zeigt eine Marktstudie von Sirius Campus. Demnach fühlen sich 39 Prozent der Befragten bei der energetischen Sanierung in kaum einem Bereich entscheidungssicher, berichtet die Bausparkasse Schwäbisch Hall. Viele sehen Herausforderungen bei der Organisation der Baustelle, der Angebotsauswahl oder der Abstimmung verschiedener Gewerke. Gleichzeitig steigen die Energiepreise und die Anforderungen an die Energieeffizienz von Wohngebäuden.
Thomas Billmann, Modernisierungsberater bei Schwäbisch Hall, empfiehlt deshalb ein strukturiertes Vorgehen: „Wer saniert, braucht einen klaren Plan – statt sich von Einzelentscheidung zu Einzelentscheidung zu hangeln.“
Tipp 1: Erst analysieren, dann modernisieren
Am Anfang jeder Sanierung sollte der Mitteilung zufolge eine Bestandsaufnahme stehen. Wer den Zustand des Gebäudes genau kennt, kann Maßnahmen gezielt aufeinander abstimmen und unnötige Kosten vermeiden. Orientierung bieten Energieberater und ein individueller Sanierungsfahrplan. Dieser zeigt energetische Schwachstellen auf, empfiehlt eine wirtschaftlich sinnvolle Reihenfolge der Maßnahmen und weist auf passende Förderprogramme hin.
Qualifizierte Experten finden Eigentümer etwa über die Energieeffizienz-Expertenliste (EEE-Liste) der Deutschen Energie-Agentur (dena) oder über Netzwerke wie den GIH-Bundesverband, enter oder NOVO, so die Bausparkasse. Auch rund 4.000 zertifizierte Modernisierungsberatende im Außendienst von Schwäbisch Hall und bei den genossenschaftlichen Banken unterstützen demnach vor Ort.
Tipp 2: Kosten realistisch planen und Förderungen nutzen
Ebenso wichtig ist demnach eine realistische Finanzierungsplanung. Bereits einzelne Maßnahmen können erhebliche Investitionen erfordern. Für eine Fassadendämmung fallen durchschnittlich 175 bis 350 Euro je Quadratmeter an. Bei einem Einfamilienhaus mit rund 150 Quadratmetern Fassadenfläche entspricht das Kosten zwischen 26.000 und 52.000 Euro. Eine neue Gasheizung kostet ab rund 12.500 Euro, eine Wärmepumpe mit Speicher ab etwa 27.000 Euro – abhängig von Gebäude und Technik.
Förderprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau, des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle sowie der Länder und Kommunen können die Investitionskosten senken. Voraussetzung ist häufig, dass der Förderantrag vor Beginn der Arbeiten gestellt wird. Billmann rät außerdem zu finanziellen Reserven: „Wer zu knapp kalkuliert, gerät schnell unter Druck. Eine solide Finanzierung schafft Planungssicherheit, gerade bei größeren Modernisierungsvorhaben.“
Tipp 3: Von außen nach innen sanieren
Bei energetischen Sanierungen empfiehlt sich zunächst die Modernisierung der Gebäudehülle und anschließend die Erneuerung der Heiztechnik, empfiehlt Schwäbisch Hall. Über Dach, Fenster, Fassade und Keller geht in älteren Gebäuden häufig besonders viel Energie verloren. Werden diese Bereiche zuerst verbessert, sinkt der Wärmebedarf des Hauses. Die Heizungsanlage kann anschließend kleiner und effizienter ausgelegt werden. „Nicht immer ist die teuerste Einzelmaßnahme auch die wirtschaftlich beste Lösung. Entscheidend ist, die Schritte clever aufeinander abzustimmen“, erklärt Billmann.
Tipp 4: Maßnahmen sinnvoll kombinieren
Zusätzliche Einsparpotenziale ergeben sich, wenn ohnehin geplante Arbeiten mit energetischen Maßnahmen verbunden werden. Muss beispielsweise das Dach erneuert werden, kann gleichzeitig eine Dämmung oder eine Photovoltaikanlage installiert werden. Gleiches gilt für Fassadenarbeiten oder den Austausch alter Fenster. Durch die Bündelung von Maßnahmen lassen sich Baustellen, Aufwand und häufig auch Kosten reduzieren. Zudem können verschiedene Förderprogramme miteinander kombiniert oder durch Ergänzungskredite ergänzt werden.
Eine energetische Sanierung muss nicht vollständig in einem Schritt erfolgen, betont die Bausparkasse. Werden Maßnahmen über mehrere Jahre verteilt, können zunächst erzielte Energieeinsparungen zusätzlichen finanziellen Spielraum für weitere Modernisierungsschritte schaffen.
Wirtschaftlich sinnvoll sanieren heiße: nicht alles auf einmal machen. „Wer Schritt für Schritt vorgeht, Förderungen nutzt und früh Experten einbindet, senkt langfristig die Energiekosten. Gleichzeitig steigen Wohnkomfort und Immobilienwert“, fasst Billmann zusammen.












