Kurz vor dem Start der Sommerferien warnt die ADAC Versicherung vor einem verbreiteten Missverständnis: Viele Urlauber überschätzen ihren Versicherungsschutz im Ausland erheblich – und unterschätzen gleichzeitig, wie schnell medizinische Kosten in Urlaubsregionen eskalieren können. Grundlage der Warnung ist eine Onlinebefragung unter 2.090 Auslandsurlaubern.
Demnach gaben zwölf Prozent der Befragten an, im Notfall höchstens 100 Euro kurzfristig für eine Arztbehandlung im Ausland aufbringen zu können. Bei den 18- bis 39-Jährigen liegt dieser Anteil sogar bei 17 Prozent. Gleichzeitig wissen fast drei Viertel der Befragten, dass ausländische Ärztinnen und Ärzte in der Regel auf Vorkasse bestehen.
„Wer im Ausland krank wird, muss oft mehrere hundert oder tausend Euro für einfachste Behandlungen sofort bar oder per Kreditkarte bezahlen. Viele stehen damit vor einem echten finanziellen Problem. Unsere Umfrage zeigt, dass diese Risiken beim Krankenschutz vielen gar nicht bekannt sind“, sagt Marc Kottmann, Schadenvorstand bei der ADAC Versicherung.
Hotelärzte und Privatkliniken: Kosten weit über deutschem Niveau
Arztbesuche in touristischen Regionen – etwa bei Hotelärzten oder in Privatkliniken – können ein Vielfaches der in Deutschland üblichen Sätze kosten. Eine einfache Magen-Darm-Behandlung kann dort leicht mehr als 1.000 Euro kosten, in Extremfällen sogar über 3.000 Euro, wie Ägypten-Urlauber bereits erlebt haben. Selbst die 34 Prozent der Befragten, die nach eigenen Angaben bis zu 1.000 Euro als Rücklage für medizinische Notfälle bereithalten, wären damit im Ernstfall nicht ausreichend abgesichert.
Besonders kritisch: Laut Umfrage besitzt nur etwa die Hälfte der Befragten eine eigenständige Auslandskrankenversicherung. Weitere 19 Prozent verlassen sich auf den Schutz über einen Automobilclub – etwa die ADAC Premium-Mitgliedschaft, in der ein Auslandskrankenschutz enthalten ist. Rund 16 Prozent geben an, überhaupt keinen zusätzlichen Schutz zu haben, und verlassen sich ausschließlich auf die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) ihrer gesetzlichen Krankenkasse.
Die EHIC leistet jedoch nur bei öffentlichen Vertragsärzten und -kliniken innerhalb Europas – und übernimmt dort in der Regel lediglich die Kosten in Höhe der lokalen Kassenleistung. Bei Behandlungen in Privatkliniken oder bei Hotelärzten, an die Urlauber häufig verwiesen werden, bleiben Patientinnen und Patienten meist auf einem Großteil der Rechnung sitzen oder erhalten von der Kasse nur eine Teilerstattung.
Abrechnung mit Versicherung: Mehrheitlich unkompliziert, aber mit Tücken
67 Prozent der Befragten haben im Urlaub bereits eine Arztrechnung zunächst aus eigener Tasche bezahlt. Von jenen, die die Rechnung anschließend bei ihrer Versicherung eingereicht haben, empfanden 55 Prozent das Verfahren als unkompliziert, 50 Prozent die Bearbeitungszeit als angemessen und 52 Prozent die Erstattung als nachvollziehbar.
28 Prozent der Befragten mussten die Rechnung vor Ort hingegen nicht selbst bezahlen. Auswertungen des ADAC zeigen, dass gerade Hotelärzte und private Touristen-Kliniken häufig mit intransparenten und überhöhten Honoraren arbeiten – und dass viele Betroffene aus Unwissenheit oder Stress sofort zahlen, ohne die Konditionen zu hinterfragen.
Wer über den ADAC Auslandskrankenschutz oder die ADAC Premium-Mitgliedschaft abgesichert ist, kann sich im Krankheitsfall direkt an den Notfallservice wenden. Dort werden weltweit geprüfte Ärztinnen und Ärzte vermittelt, Termine können telefonisch oder digital organisiert werden, und die Abrechnung erfolgt – soweit möglich – direkt zwischen Arzt beziehungsweise Klinik und dem ADAC. Die sonst übliche Vorkasse entfällt damit für Versicherte in der Regel.
Direkte Arztkoordination reduziert das Risiko überhöhter Rechnungen
„Wer vor der Behandlung den ADAC kontaktiert und sich einen geeigneten Arzt vermitteln lässt, schützt nicht nur seine Gesundheit, sondern auch sein Reisebudget“, betont Kottmann.
Für Reisende ohne ausreichenden Schutz empfiehlt der ADAC, den Versicherungsschutz vor Reiseantritt zu prüfen oder zu ergänzen, da gesetzliche Krankenversicherung und EHIC im Ausland insbesondere bei privaten Anbietern, Hotelärzten oder einem medizinisch notwendigen Rücktransport in der Regel nicht ausreichen. Im Notfall sollte zunächst die Notfall-Hotline des ADAC unter +49 89 76 76 71 77 kontaktiert werden: Über diesen Weg lassen sich Online-Sprechstunden zur telemedizinischen Beratung und Rezeptausstellung sowie Termine bei qualifizierten Ärztinnen und Ärzten vor Ort organisieren.
Wer ohne vorherigen Kontakt zum ADAC zu einem Hotelarzt gelangt, sollte Transparenz bei den Preisen einfordern, bevor eine Behandlung beginnt.














