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Fed erhöht Zinsen: Was jetzt für eine Goldrally spricht

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Kommt die Goldrally?
Bild: KI-generiert mit ChatGPT / DALL·E
Fed-Zinserhöhung belastet Gold. Dollar, Realrenditen und Konjunkturrisiken entscheiden über eine mögliche Rally.

Die erste Zinserhöhung der Fed seit 2023 setzt Gold zunächst unter Druck. Doch ein schwächerer Dollar, Inflationsrisiken und mögliche Folgen der strafferen Geldpolitik könnten dem Edelmetall neuen Auftrieb geben. Entscheidend sind nun drei Marktfaktoren.

Die erhoffte Goldrally ist nach dem Zinsentscheid der US-Notenbank zunächst ausgeblieben. Die Federal Reserve erhöhte ihren Leitzinskorridor am Mittwoch einstimmig um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Unmittelbar nach der Bekanntgabe gab der Goldpreis deutlich nach und fiel zeitweise auf rund 4.310 Dollar je Feinunze. Damit bestätigte sich zunächst die klassische Marktlogik: Steigende Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten des unverzinsten Edelmetalls.

Allerdings ist die Reaktion weniger eindeutig, als der Kursrückgang auf den ersten Blick vermuten lässt. Gold notierte trotz des Rücksetzers nach dem Fed-Beschluss noch leicht im Tagesplus. Der September-Kontrakt an der Comex hatte zuvor sogar 1,27 Prozent höher bei 4.346,30 Dollar geschlossen. Unterschiedliche Preisstände erklären sich vor allem durch den jeweiligen Erhebungszeitpunkt und die heftigen Schwankungen rund um die Veröffentlichung.

Fed signalisiert weiteren Zinsschritt

Für eine unmittelbar einsetzende Rally spricht die neue Prognose der Fed zunächst nicht. Die Notenbank rechnet für Ende 2026 im Median mit einem Leitzins von 4,1 Prozent. Im Juni waren es noch 3,8 Prozent gewesen. Nach Auswertung der Einzelprognosen erwarten 16 von 18 teilnehmenden Währungshütern in diesem Jahr mindestens einen weiteren Zinsschritt.

Zugleich hob die Fed ihre Inflationsprognose an. Die PCE-Inflation dürfte 2026 demnach bei 3,7 Prozent liegen, die Kernrate bei 3,4 Prozent. Gleichzeitig erwartet die Zentralbank ein Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent und eine Arbeitslosenquote von lediglich 4,1 Prozent. Diese Kombination aus robuster Konjunktur und hartnäckiger Inflation verschafft der Fed grundsätzlich Spielraum für weitere Straffungen.

Auch der Anleihemarkt liefert vorerst kein Kaufsignal für Gold. Nach der Zinserhöhung stieg die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen leicht auf rund 4,96 Prozent, die zweijährige Rendite auf etwa 4,65 Prozent. Hohe reale Renditen machen verzinsliche Anlagen attraktiver und gelten daher als wichtigster kurzfristiger Belastungsfaktor für das Edelmetall.

Warum aus der Zinserhöhung dennoch ein Goldtreiber werden könnte

Entscheidend ist nicht allein, dass die Fed die Zinsen erhöht hat. Der Schritt war mit einer vom Markt eingepreisten Wahrscheinlichkeit von mehr als 90 Prozent weitgehend erwartet worden. Für die weitere Goldentwicklung zählt deshalb stärker, wie sich Dollar und Anleiherenditen nach dem Beschluss bewegen.

Bereits vor der Entscheidung war Gold um mehr als ein Prozent gestiegen, weil der Dollar und die US-Renditen nachgaben. Ein schwächerer Greenback verbilligt das in Dollar gehandelte Edelmetall für Käufer außerhalb der USA. Reuters zufolge standen deshalb schon vor dem Entscheid zwei gegenläufige Kräfte im Mittelpunkt: Die Aussicht auf höhere Zinsen belastete Gold, während wachsende Haushaltsdefizite und Zweifel an der Stabilität des Dollars die Nachfrage nach realen Vermögenswerten unterstützten.

Eine Rally wäre somit vor allem in drei Szenarien denkbar:

Erstens könnten Anleger die Zinserhöhung als weitgehend abgearbeitet betrachten. Fallen die Renditen nach dem ersten Schock zurück, würde sich der Gegenwind für Gold abschwächen.

Zweitens könnte die straffere Geldpolitik Sorgen vor einer späteren Wachstumsabkühlung oder Spannungen an den Finanzmärkten verstärken. Gold würde dann weniger als Inflationsschutz und stärker als sicherer Hafen gekauft.

Drittens bleibt die Inflation trotz höherer Zinsen deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel. Sollten die nominalen Renditen nicht im gleichen Maß wie die Inflation steigen, könnten die realen Zinsen wieder sinken – ein grundsätzlich positives Umfeld für Gold.

Geopolitik und Zentralbankkäufe stützen

Unterstützung erhält das Edelmetall zudem von Faktoren, die über den aktuellen Fed-Zyklus hinausreichen. Der World Gold Council erwartet, dass die Investmentnachfrage im weiteren Jahresverlauf der wichtigste Wachstumstreiber des Goldmarktes bleibt. Geopolitische Unsicherheit, Inflationssorgen sowie Käufe asiatischer Investoren und von Zentralbanken dürften die Nachfrage stabilisieren.

Der Branchenverband warnt zwar, dass hohe reale US-Renditen kurzfristig vor allem westliche Gold-ETFs belasten können. Eine Zinserhöhung sei für Gold jedoch nicht zwangsläufig negativ. Ein schwächerer Dollar, schlechtere Kreditbedingungen oder fallende Aktienmärkte könnten das Edelmetall rasch wieder attraktiver machen.

Hinzu kommen die geopolitischen Spannungen und die hohen Energiepreise. Sie treiben einerseits die Inflation und damit den Druck auf die Fed, weiter zu straffen. Andererseits erhöhen sie den Absicherungsbedarf institutioneller Investoren. Genau dieser Zielkonflikt dürfte für starke Schwankungen sorgen.

Fazit: Rally möglich, aber nicht wegen der Zinserhöhung allein

Die Zinserhöhung selbst ist kein überzeugendes Startsignal für eine Goldrally. Der unmittelbare Kursrückgang, die leicht steigenden Anleiherenditen und die Aussicht auf einen weiteren Zinsschritt sprechen kurzfristig eher für Gegenwind.

Eine Rally bleibt dennoch möglich, wenn sich der Fokus der Märkte von der Zinserhöhung auf deren Nebenwirkungen verlagert: einen schwächeren Dollar, sinkende reale Renditen, wachsende Konjunkturrisiken oder Zweifel an der langfristigen Stabilität der US-Finanzen. Gold könnte dann nach dem Prinzip „Sell the rumor, buy the fact“ profitieren.

Das wahrscheinlichste Bild ist deshalb zunächst kein geradliniger Kurssprung, sondern ein volatiler Richtungsentscheid. Für Goldanleger sind in den kommenden Handelstagen weniger der neue Leitzins als vielmehr der Dollar, die realen US-Renditen und die Interpretation des weiteren Fed-Kurses ausschlaggebend.


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