Die Niederlande haben 86 Tonnen ihrer Goldreserven aus den USA und Kanada nach London verlagert. Nach Angaben der niederländischen Zentralbank De Nederlandsche Bank steht der Schritt im Zusammenhang mit zunehmender geopolitischer Unsicherheit. In London gelagertes Gold sei leichter handelbar und im Krisenfall besser zugänglich.
Dass Zentralbanken einen Teil ihrer Goldbestände im Ausland verwahren, hat historische Gründe. „Ein Großteil des Goldes wurde während des Zweiten Weltkriegs in die Vereinigten Staaten gebracht, um es vor dem Zugriff der deutschen Armee zu schützen“, erklärt Rick Kanda, Managing Director bei The Gold Bullion Company. Da diese Gefahr nicht mehr bestehe, prüften Staaten zunehmend, ob strategische Vermögenswerte weiterhin Tausende Kilometer entfernt gelagert werden sollten.
Dabei spielt auch die besondere Funktion von Gold eine Rolle. Anders als Währungen wird das Edelmetall nicht von Staaten oder Zentralbanken geschaffen. Der physische Besitz könne Zentralbanken deshalb zusätzliche Unabhängigkeit und Sicherheit verschaffen, insbesondere in Phasen geopolitischer oder finanzieller Unsicherheit, so Kanda.
Zentralbanken überprüfen Lagerorte ihrer Goldreserven
Die Niederlande sind nicht das einzige Land, das die geografische Verteilung seiner Goldreserven überprüft. Auch andere Zentralbanken diversifizieren nach Einschätzung Kandas zunehmend ihre Lagerorte. Handelskonflikte und militärische Auseinandersetzungen rückten dabei Faktoren wie geopolitische Risiken, Zugänglichkeit und Krisenvorsorge stärker in den Vordergrund.
Für London spricht vor allem die hohe Liquidität des dortigen Goldmarktes. „Für die Niederlande macht die Verlagerung des Goldes nach London ihre Reserven leichter handelbar und in einer Krise besser verfügbar“, erklärt Kanda. London zählt zu den wichtigsten Handelsplätzen für Gold und ermöglicht Zentralbanken, größere Bestände vergleichsweise schnell zu bewegen oder zu verkaufen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Bank of England. Nach Angaben Kandas gehört sie zu den weltweit größten Verwahrern von Gold und lagert rund 400.000 Barren im Wert von mehr als 200 Milliarden Pfund.
Was die Goldverlagerung für Privatanleger bedeutet
Für Privatanleger ist nach Ansicht Kandas weniger entscheidend, dass Zentralbanken ihre Reserven geografisch neu verteilen. Wichtiger sei die dahinterstehende Frage nach Eigentum und Verfügbarkeit von Vermögenswerten. „Ich denke, diese Entwicklung sollte uns daran erinnern, dass das Eigentum an und der Zugang zu Vermögenswerten ebenso wichtig sein können wie der Vermögenswert selbst.“
Zugleich verweist Kanda auf die Bedeutung der Diversifikation. Zentralbanken berücksichtigten bei ihren Entscheidungen geopolitische Risiken, Zugänglichkeit und Krisenvorsorge. Privatanleger könnten deshalb prüfen, ob ihre Portfolios ausreichend diversifiziert sind, um Phasen erhöhter Unsicherheit abzufedern.















