Wie wir über das Wochenende berichteten, wurden der Vorstoß des Goldpreises in Richtung 4.700 US-Dollar je Unze und seine fünf Wochen andauernde Aufwärtsphase am Freitag schlagartig beendet: Der Goldpreis fiel zum Wochenabschluss zurück unter die Unterstützungszone von 4.500 US-Dollar. Auslöser war die überraschend restriktive Rede von Fed-Chef Kevin Warsh auf dem Notenbank-Symposium in Jackson Hole, die an den Märkten umgehend für Bewegung sorgte.
Restriktive Fed stoppt Rallye: Technischer Dämpfer nach Warsh-Rede
Warsh bekräftigte in seiner Ansprache das Ziel, die US-Inflation konsequent auf die Marke von 2 Prozent zu drücken, und stellte klar, dass Preisstabilität für die Fed aktuell schwerer wiegt als die Abkühlung am Arbeitsmarkt. Die Märkte preisten umgehend eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September ein – laut CME FedWatch Tool stieg diese von 40 auf 55 Prozent. Der erstarkende US-Dollar und steigende Anleiherenditen setzten das zinslose Edelmetall daraufhin unter Verkaufsdruck.
Trotz des scharfen Rücksetzers beurteilen Experten die Bewegung vorerst als Überkaufte-Markt-Bereinigung. So verweist man darauf, dass Gold den August trotz des Freitags-Abverkaufs mit einem Plus von rund 10 Prozent abschloss. Charttechnisch wird allerdings zur Vorsicht gemahnt: Der Rutsch unter die 200-Tage-Linie verschlechtert das kurzfristige Bild. Entscheidende Auffangzonen liegen nun bei 4.436 US-Dollar sowie der psychologisch wichtigen Marke von 4.400 US-Dollar, hieß es.
Makro-Fundament intakt: US-Schuldenberg stützt langfristigen Goldtrend
Strukturell bleibt die Investmentthese für Gold unverändert stark. Branchenkenner verweisen auf die US-Staatsverschuldung von mittlerweile über 40 Billionen US-Dollar. Ein bis zwei weitere Zinsschritte der Fed reichen kaum aus, um die Inflation nachhaltig zu bändigen – insbesondere, da sich die USA drastisch höhere Zinslasten auf Dauer gar nicht leisten können. Solange die globale Schuldenproblematik ungelöst bleibt, sehen Strategen den jahrelangen Bullenmarkt bei Gold unverändert ungestört.
Für die anstehende Handelswoche rücken datenseitige Impulsgeber in den Fokus, die Aufschluss über den tatsächlichen geldpolitischen Handlungsspielraum der Fed geben dürften:
- US-Arbeitsmarktdaten: Nonfarm Payrolls am Freitag sowie ADP-Beschäftigung, JOLTS-Daten und Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe unter der Woche.
- Einkaufsmanagerindizes: ISM PMIs für das verarbeitende Gewerbe sowie den Dienstleistungssektor.
- Geldpolitik & Geopolitik: Zinsentscheidungen der Reserve Bank of New Zealand und der Bank of Canada sowie Nachwehen des G20-Gipfels in Miami.
Autor Björn Junker ist Chefredakteur von Goldinvest.de und seit über 15 Jahren Wirtschaftsjournalist mit Schwerpunkt Edel-, Basis- und Batteriemetalle.














