Die drei großen Zentralbanken haben angesichts der anhaltenden Inflation ihre Geldpolitik gestrafft. Doch die zugrunde liegenden Trends unterscheiden sich, beobachtet David Kohl, Chief Economist bei Julius Bär:
Im September haben alle drei großen Zentralbanken – die Federal Reserve, die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan – ihre Leitzinsen angehoben, getrieben von einem schwierigen Inflationsumfeld. Während die Schlagzeilen zum Thema Inflation von höheren Energiepreisen dominiert werden, zeichnet der zugrunde liegende Inflationstrend ein komplexeres Bild.
Die Trendinflation in den USA steht unter Druck durch eine starke Konjunktur, die von erheblichen Investitionen in den groß angelegten Ausbau der künstlichen Intelligenz sowie von soliden Konsumausgaben angetrieben wird, gestützt durch einen positiven Vermögenseffekt. Ein verlässlicher Maßstab für die Trendinflation in den USA – die von der Fed New York entwickelte „Multivariate Core Trend PCE Inflation“ – schwankte in den letzten drei Jahren um die 3 %, wobei kaum Anzeichen dafür zu erkennen sind, dass sie sich dem 2-Prozent-Ziel der Zentralbank annähert. Dies rechtfertigt langfristig einen etwas höheren Leitzins sowie eine zusätzliche kurzfristige Straffung, die rückgängig gemacht werden kann, sobald sich die Trendinflation abkühlt. Wir gehen davon aus, dass die Fed den Leitzins bei der nächsten Sitzung noch einmal anheben und diese Zinserhöhung dann Mitte 2027 wieder rückgängig machen wird.
Die Trendinflation in der Eurozone scheint deutlich näher am Ziel zu liegen, nachdem sie in der ersten Jahreshälfte aufgrund höherer Energiepreise kurzzeitig gestiegen war. Die Rückkehr der Trendinflation in der Eurozone auf einen Wert nahe 2 % in den letzten Monaten deutet darauf hin, dass die EZB wenig Grund hat, die Geldpolitik weiter zu straffen, sofern es nicht zu einem erneuten Anstieg der Energiepreise kommt. In der Eurozone scheinen weiterhin keine Inflationswirkungen der zweiten Runde aufzutreten. Wir gehen davon aus, dass die EZB ihren aktuellen Leitzins von 2,5 % in den nächsten 12 Monaten beibehalten wird.
In Japan bewegt sich die Trendinflation um die 2 %-Marke – die Deflationsphase des vergangenen Jahrzehnts ist beendet. Die Geldpolitik der Bank of Japan muss dem Rechnung tragen und sich in Richtung einer neutraleren Haltung bewegen. Dafür wäre ein Leitzins nötig, der 50 – 100 Basispunkte über dem aktuellen Niveau von 1,25 % liegt. Wir erwarten, dass die Bank of Japan ihren Leitzins in den nächsten 12 Monaten schrittweise auf bis zu 2 % anheben wird.














