Die US-Notenbank hat den Leitzinskorridor auf 3,75 bis 4 Prozent angehoben. Dazu sagt Dr. Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust:
„Die Entscheidung kommt nicht überraschend. Schon in der vergangenen Sitzung hat es im Zentralbankgremium gewichtige Stimmen für eine Zinserhöhung gegeben. Die Fed reagiert mit ihrer Zinserhöhung auf den anhaltenden Preisauftrieb. Da der Preisauftrieb nicht nur an Energie und dem Nahostkonflikt liegt, ist das ein wichtiger Schritt, mit dem sie ihre Glaubwürdigkeit verteidigt. Eine weitere Erhöhung im Oktober oder spätestens Dezember ist wahrscheinlich. Ein längerer Straffungszyklus ist bei einer Normalisierung der Lage an den Energiemärkten aber nicht zu erwarten.“
Hintergrund: Die Glaubwürdigkeit stand auf dem Spiel
„Hätte die Notenbank weiterhin auf eine Zinserhöhung verzichtet, wäre ihre Glaubwürdigkeit in der Stabilitätspolitik in Frage gestellt worden. Das Stabilitätsziel von 2% Inflation ist seit immerhin 5 Jahren verfehlt und in der aktuellen Situation zeigen die Preisrisiken eindeutig nach oben.“
„Die Zinsanhebung dürfte in der Politik Kritik hervorrufen, aber in der Öffentlichkeit auch auf Verständnis stoßen, da sich die Lebenshaltung in den USA erheblich verteuert hat. Zwar kann die Notenbank an den für US-Bürger besonders ärgerlichen Höhenflügen des Benzinpreises wenig ändern, aber auf die allgemeine Preisentwicklung hat sie schon Einfluss.“
Die Finanzmärkte waren der Fed vorangelaufen
„Die Zinserwartungen der Finanzmärkte hatten sich zuletzt immer mehr von den Juni-Einschätzungen der Fed entfernt. Auch das dürfte für die Entscheidung eine Rolle gespielt haben. Mit dem heutigen Zinsanstieg und einer nach oben korrigierten Zinseinschätzung bis Ende 2027 hat sich diese Diskrepanz zwischen Markt und Notenbank nun wieder vermindert.“
Ausblick: Weitere Zinsanhebung wahrscheinlich, kein anhaltender Straffungszyklus
„In der aktuellen Lage ist eine weitere Zinserhöhung im Oktober oder Dezember wahrscheinlich. Auch wenn es doch noch zu Verhandlungsergebnissen im Nahostkonflikt und damit zu Korrekturen bei den hohen Öl- und Gaspreisen kommen sollte, dürfte die Notenbank die bereits sichtbaren Inflationsimpulse weiter dämpfen wollen. Ein deutlicher Straffungszyklus auch in 2027 ist aber bei einer Normalisierung der Lage an den Energiemärkten nicht zu erwarten.“













