Fed im Zinsdilemma: Warum Gold von der Unsicherheit profitiert

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Gold und die Fed-Politik
Bild: KI-generiert mit ChatGPT / DALL·E
Die Fed steckt zwischen Inflation und Konjunkturschwäche fest. Der Zinsstreit könnte die Nachfrage nach Gold stärken.

Die US-Notenbank ringt um ihren geldpolitischen Kurs. Während die Inflation für höhere Zinsen spricht, mahnen schwache Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten zur Vorsicht. Für den Goldpreis könnte diese Zwickmühle zum Vorteil werden.

Die US-amerikanische Federal Reserve befindet sich derzeit in einem geldpolitischen Dilemma, aus dem es keinen echten Ausweg gibt und das für Gold von erheblicher Bedeutung ist.

Eine Sitzung mit historisch seltenem Dissens

Am 29. Juli 2026 beließ das Offenmarktausschuss-Gremium der FED den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Für sich genommen entsprach diese Entscheidung den Erwartungen des Marktes. Bemerkenswert war jedoch das Abstimmungsverhältnis: Mit 9 zu 3 Stimmen fiel die Entscheidung für die Zinspause zwar deutlich aus. Doch die Präsidentin der Cleveland FED, Beth Hammack, der Präsident der Minneapolis FED, Neel Kashkari, sowie die Präsidentin der Dallas FED, Lorie Logan, stimmten jeweils für eine sofortige Zinserhöhung um 25 Basispunkte.


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Ein derart deutlicher Dissens bei der Zinsentscheidung ist innerhalb des Gremiums generell eher unüblich und deshalb auch seit dem Jahr 2016 innerhalb der US-Notenbank nicht mehr vorgekommen. Kevin Warsh, der neue FED-Vorsitzende, der die Sitzung leitete, sieht sich damit einem Ausschuss gegenüber, der in der Frage der weiteren Zinspolitik tief gespalten ist.

Zusätzliches Gewicht erhält diese Spaltung dadurch, dass die Federal Reserve Bank ihre eigene Inflationsprognose im Zuge der Sitzung von 2,7 auf 3,6 Prozent angehoben hat. Der sogenannte Dot Plot, in dem die einzelnen Notenbanker ihre Zinserwartungen festhalten, signalisiert damit erstmals seit längerem eher eine mögliche Zinserhöhung als eine Zinssenkung.

Zwei gegenläufige Kräfte konkurrieren miteinander

Die Crux der aktuellen Lage: Während die Inflationsentwicklung eigentlich für eine straffere Geldpolitik spräche, deuten die Konjunkturdaten in die entgegengesetzte Richtung. Egal, wie sich die US-Notenbanker am Ende entscheiden, sie beschwören damit eine Entwicklung herauf, deren negative Begleiterscheinungen sie nicht wollen können.

Wie im ersten Teil dieser Serie beschrieben, wuchs die US-Wirtschaft im zweiten Quartal nur mit 1,5 Prozent statt der erwarteten rund 2 Prozent und der Arbeitsmarktbericht für Juli fiel mit einem Beschäftigungsrückgang und einer auf 4,1 Prozent gestiegenen Arbeitslosenquote ebenfalls schwächer aus als erhofft.

Eine Zinserhöhung zur Inflationsbekämpfung würde diese ohnehin schon fragile konjunkturelle Lage zusätzlich belasten. Eine Zinssenkung zur Stützung der Konjunktur würde dagegen das Risiko einer sich verfestigenden Inflation erhöhen. Für Kevin Warsh und die anderen Notenbankgouverneure mag sich die zutreffende Entscheidung deshalb ein wenig so anfühlen wie die Auswahl zwischen Pest und Cholera.

In dieser Gemengelage aus geopolitischen Risiken, etwa im Zusammenhang mit dem Nahen Osten und den davon ausgehenden Öl- und Energiepreiseffekten, sowie dem innenpolitischem Druck auf die Notenbank, befindet sich die FED faktisch in einer Zwickmühle. Jede Entscheidung, so oder so, ist mit erheblichen Risiken verbunden und das Ausbleiben einer klaren Richtungsentscheidung wird vom Markt selbst als Unsicherheitssignal gewertet.

Warum eine unentschlossene Federal Reserve Bank Gold nützt

Für den Goldpreis ist genau dieses Dilemma relevant. Historisch profitiert Gold in Phasen, in denen die Notenbanken zwischen widersprüchlichen Zielen lavieren, etwa zwischen Preisstabilität und Wachstumsförderung, und dadurch tendenziell eher zögerlich als entschlossen handeln.

Bleibt die US-Notenbank trotz erhöhter Inflationsprognose untätig, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass die reale Kaufkraft des US-Dollars mittelfristig leidet. Genau diese Aussicht auf eine im Zweifel eher nachsichtige als restriktive Geldpolitik unterstützt die Nachfrage nach Gold als Absicherung gegen einen möglichen Kaufkraftverlust.

Die nächste reguläre Sitzung der US-Notenbank im September dürfte deshalb vom Markt mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt werden. Dies nicht nur mit Blick auf die Zinsentscheidung selbst, sondern auch darauf, ob sich der ungewöhnlich große Dissens innerhalb des Gremiums fortsetzt oder gar verstärkt.

Autor Bernd Heim ist seit 1985 an der Börse aktiv und verfügt über mehr als vier Jahrzehnte Erfahrung in der Analyse von Märkten, Zyklen und Unternehmen.


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