Lisa-Cook-Anhörung verschiebt sich auf Dezember - nach der Fed-Zinsentscheidung

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Spiegelung des Weißen Hauses in der Glasfassade des Fed-Gebäudes Eccles Building.
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Die Verschiebung der Cook-Anhörung zeigt: Weißes Haus und Notenbank bleiben in einem ungewöhnlichen Tauziehen verbunden.

Nur zwei Tage nach den Midterms sollte sich Fed-Gouverneurin Lisa Cook im Weißen Haus verantworten. Jetzt verschiebt sich der Termin auf Dezember - und damit hinter die nächste Fed-Zinsentscheidung. Cash. erklärt den Stand des Verfahrens und die Folgen für Anleihemärkte.

Die ursprünglich für den 5. November 2026 vorgesehene Anhörung von Fed-Gouverneurin Lisa Cook im Weißen Haus kommt nicht zustande. Kevin Hassett, Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats im Weißen Haus und wirtschaftspolitischer Berater von Präsident Donald Trump, bestätigte am 30. Oktober gegenüber Bloomberg TV eine Einigung auf einen neuen Termin im Dezember. Damit rückt die Anhörung hinter die nächste Fed-Zinsentscheidung am 9. und 10. Dezember. Ein konkretes Datum blieb Hassett jedoch schuldig. Von Lowells Anwaltsbüro kam zunächst keine Bestätigung dieser Einigung.

Für Anleihe- und Geldmarktfonds-Anleger bleibt damit offen, wie sich das Verfahren auf die Besetzung der Fed und auf künftige Zinsentscheidungen auswirkt. Der jüngste Versuch der Trump-Administration, Cook aus dem Amt zu drängen, verliert durch die Verschiebung zugleich seinen engen zeitlichen Bezug zu den Zwischenwahlen vom 3. November.

Warum sich die Anhörung auf Dezember verschiebt

Bereits im Oktober hatte Lowell, Cooks Anwalt, das Weiße Haus um eine Terminverlegung gebeten. Er wirft dem dreiköpfigen Untersuchungsausschuss Voreingenommenheit vor und kritisiert insbesondere Komiteemitglied Kevin Hassett. Dieser habe öffentlich angedeutet, Trump verfüge über ausreichend Gründe für eine Entlassung Cooks. Zugleich habe er sie gedrängt, eine Auszeit zu nehmen. Ein Verfahren mit befangenen Mitgliedern, unspezifizierten zusätzlichen Vorwürfen und einem unklaren Zeitplan für weitere Beweise verletze aus Lowells Sicht den Anspruch auf ein unabhängiges Verfahren.

Daneben führt Lowell einen praktischen Grund an: Cook nimmt am 5. November an Finanz- und geldpolitischen Treffen in Europa teil. An diesem Tag kann sie deshalb nicht aussagen. Frühestens im Dezember sei ein Termin realistisch - und erst, nachdem die FOMC-Sitzung am 9. und 10. Dezember abgeschlossen sei, auf die sich Cook als stimmberechtigtes Mitglied vorbereiten müsse.

Offene Fristen vor Gericht

Unklar bleibt, ob sich durch die Verschiebung auch die gerichtlichen Fristen im Parallelverfahren ändern. Richterin Jia Cobb vom zuständigen Bundesbezirksgericht in Washington hatte für den 6. November eine Frist gesetzt. Bis dahin sollten beide Seiten vorschlagen, wie es mit der eigentlichen Klage weitergeht - ursprünglich für einen Tag nach dem geplanten Anhörungstermin. Laut dem Präsidialmemorandum vom 7. Oktober sollte Cook zudem bis zum 10. November eine zusätzliche schriftliche Stellungnahme einreichen. Ob beide Termine nun ebenfalls auf Dezember rücken, ließ sich anhand der verfügbaren Quellen bislang nicht klären.

Wie es zu dem Verfahren kam

Der Streit reicht bis in den September 2025 zurück. Richterin Cobb untersagte am 9. September 2025 per einstweiliger Verfügung eine erste Entlassung Cooks. Die Regierung hatte aus Sicht des Gerichts keine ausreichenden Beweise für eine Entlassung aus triftigem Grund vorgelegt. Das Berufungsgericht für den D.C. Circuit lehnte daraufhin am 15. September 2025 mit zwei zu eins Stimmen Trumps Eilantrag ab, Cook noch vor der FOMC-Sitzung zu entfernen.

Im Sommer 2026 scheiterte die Administration auch vor dem Supreme Court. Am 29. Juni lehnten die Richterinnen und Richter mit fünf zu vier Stimmen den Eilantrag ab, Cook sofort aus dem Amt zu entfernen. Die Mehrheit um Chief Justice Roberts, getragen von Sotomayor, Kagan, Kavanaugh und Jackson, begründete die Entscheidung mit dem Verfahren: Trump habe Cook vor der Entlassung keine Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt. Genau das verlangt der Federal Reserve Act. Thomas, Alito, Gorsuch und Barrett stimmten dagegen. Seither darf Cook im Amt bleiben, während die eigentliche Klage vor Cobb weiterläuft.


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Das Untersuchungsverfahren im Weißen Haus

Der aktuelle Vorstoß geht auf ein Präsidialmemorandum zurück, das Trump am 7. Oktober 2026 unterzeichnete. Es setzt ein dreiköpfiges „Committee of Inquiry“ ein. Dem Gremium gehören Kevin Hassett, Andrea Lucas als Vorsitzende der Gleichstellungsbehörde EEOC und Keith Sonderling als amtierender Direktor des Office of Government Ethics an. Es hat den Auftrag zu prüfen, ob Cook aufgrund mutmaßlich unzutreffender Angaben in Hypothekenunterlagen des Amtes enthoben werden kann. Laut Memorandum sollte die Anhörung höchstens vier Stunden dauern. Ihre schriftliche Stellungnahme musste Cook zudem spätestens drei Tage vorher einreichen.

Trump wirft Cook vor, 2021 zwei verschiedene Immobilien jeweils gegenüber dem zuständigen Hypothekengeber als Hauptwohnsitz ausgegeben zu haben, um sich günstigere Kreditkonditionen zu sichern. Cook und ihr Anwalt Lowell weisen sämtliche Vorwürfe des Fehlverhaltens zurück und sehen darin lediglich einen Vorwand für eine politisch motivierte Entlassung.

Midterms 2026: Wie eng hängt der Fall mit der Wahl zusammen

Erst im Januar 2027 nimmt der neu gewählte Kongress, dessen Wahl am 3. November stattfindet, seine Tätigkeit auf. Die Midterms entscheiden damit nicht über den unmittelbaren Fortgang des Verfahrens. Sie entscheiden vielmehr darüber, wie viel parlamentarische Kontrolle der Kongress künftig über Personalentscheidungen bei der Fed hat.

Vor dem Wahltermin verfügten die Republikaner im Repräsentantenhaus über einen knappen Vorsprung von 218 zu 214 Sitzen, im Senat betrug ihr Plus 53 zu 47 Mandate. Laut einer am 2. November fertiggestellten Reuters/Ipsos-Umfrage lagen die Demokraten bei der Generic-Ballot-Frage mit 46 zu 38 Prozent acht Prozentpunkte vorn. Eine Woche zuvor hatte der Vorsprung noch elf Punkte betragen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels standen die endgültigen Wahlergebnisse noch aus.

KammerSitze gesamtRepublikanerDemokratenSonstige
Repräsentantenhaus435218214zwei vakant, ein unabhängiger
Senat (35 Sitze zur Wahl)1005347-
Quelle: U.S. Senate, U.S. House of Representatives (Stand: 2. November 2026)

Fed-Zinsentscheidung im Dezember rückt vor die Anhörung

Geldpolitisch bleibt die Lage angespannt. Am 16. September erhöhte der Offenmarktausschuss FOMC den Leitzins einstimmig um 25 Basispunkte auf die Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent und begründete dies mit der anhaltend hohen Inflation. Auf der folgenden Sitzung am 28. und 29. Oktober beließ das Gremium die Zinsen mit zehn zu zwei Stimmen unverändert. Cook und die Präsidentin der Cleveland-Fed, Beth Hammack, votierten abweichend für eine weitere Erhöhung um 25 Basispunkte.

Infolge dieser abweichenden Stimmen kletterte die vom Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer weiteren Dezember-Zinserhöhung auf etwa 85 bis 87 Prozent. Das geht aus einer Marktanalyse des Finanzdiensts Mitrade hervor. Weil die Cook-Anhörung nun später stattfindet, nimmt die Gouverneurin an der Sitzung am 9. und 10. Dezember voraussichtlich noch teil.

Was die Verschiebung für Anleihe- und Dollar-Investoren bedeutet

TD-Cowen-Analysten beziffern die Chance, dass Trump Cook diesmal tatsächlich entmachten kann, auf etwa 25 Prozent. Sie gehen davon aus, dass sich der Fall möglicherweise bis über das Ende von Trumps zweiter Amtszeit erstreckt. Laut einer Analyse des Research-Anbieters Financial Source hat der Markt das Risiko für die Fed-Unabhängigkeit seit der Zinserhöhung unter Warsh im September bereits größtenteils eingepreist.

Sollte Cook im Dezember tatsächlich entlassen werden, könnte dieses Risiko der Analyse zufolge erneut aufflammen - am ehesten spürbar durch einen abwertenden Dollar und steigende langfristige Renditen. Umgekehrt gilt eine demokratische Mehrheit im Senat als potenziell beruhigender Faktor für Investoren, die um die Fed-Unabhängigkeit besorgt sind, weil sie künftige Fed-Nominierungen Trumps blockieren könnte.

Für Anleihe- und Geldmarktfonds-Anleger heißt das: Die Fed-Zinsentscheidung im Dezember fällt noch in unveränderter Besetzung, bevor der nächste Verfahrensschritt im Fall Cook ansteht.

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