Der Fed-Zinsentscheid fällt am kommenden Mittwoch. Die US-Notenbank tagt am 27. und 28. Oktober 2026, die Entscheidung folgt um 14 Uhr Ostküstenzeit. Anschließend stellt sich Fed-Chef Kevin Warsh den Fragen der Presse. Die Sitzung fällt in eine Phase, in der gleich drei der größten US-Technologiekonzerne - Alphabet, Microsoft und Amazon - ihre Quartalsergebnisse präsentieren. Zuvor hatten schwache Ergebnisse des Konzerns Meta Platforms sowie des Chipausrüsters Lam Research an der Wall Street den größten Nasdaq-Tagesverlust seit Juni 2026 ausgelöst.
Fed-Zinsentscheid: Zwischen hoher Inflation und schwächerem Arbeitsmarkt
Die Fed hatte ihren Leitzins zuletzt am 16. September 2026 einstimmig angehoben; der Zielkorridor stieg dabei um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Dies war die erste Zinsanhebung seit 2023. Der Offenmarktausschuss erklärte dazu, die Inflation liege weiterhin über dem gewünschten Niveau und der Schritt solle dazu beitragen, das Zwei-Prozent-Ziel in absehbarer Zeit wieder zu erreichen. Fed-Chef Kevin Warsh sagt dazu auf der Pressekonferenz: „We must be confident that underlying inflation is moving to our objective clearly and at sufficient speed. Today, the FOMC decided that this standard has not been satisfied.“
Zugleich kühlt sich der US-Arbeitsmarkt ab. Der erst am 8. Oktober veröffentlichte Bericht wies für September lediglich 29.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft aus. Der Zwölf-Monats-Durchschnitt liegt bei 45.000 Stellen. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,2 Prozent. Zudem fielen die Werte für Juli und August zusammen um 60.000 Stellen nach unten.
Trotzdem rechnet die Mehrheit der Notenbanker laut dem Dot-Plot vom September bis Jahresende mit einem weiteren Zinsschritt auf rund 4,1 Prozent. Am Markt galt eine Anhebung im Oktober mit einer eingepreisten Wahrscheinlichkeit von rund fünf Prozent als unwahrscheinlich. Für die Dezember-Sitzung wurden dagegen etwa 80 Prozent gehandelt. Walter Todd von Greenwood Capital richtet den Blick deshalb auf mögliche Hinweise zur Dezember-Sitzung, da der Markt dort mehrheitlich von einer weiteren Anhebung ausgeht.
Nvidia- und AMD-Aktie: Kursrutsch an der Wall Street
Wie nervös der Markt vor dem Fed-Zinsentscheid reagiert, zeigte sich am Donnerstag, dem 22. Oktober 2026. Der Nasdaq Composite büßte 2,6 Prozent ein und beendete den Handelstag bei 26.008,86 Punkten - das größte Tagesminus seit Juni 2026. Der Philadelphia Semiconductor Index sackte um 6,7 Prozent ab. Der S&P 500 büßte 1,21 Prozent ein und schloss bei 7.663,43 Punkten, während der Dow Jones mit einem minimalen Plus von 0,02 Prozent auf 52.867,98 Zähler kaum von der Stelle kam. Der Volatilitätsindex VIX kletterte um 2,94 Prozent auf 19,59 Punkte.
Verantwortlich dafür waren die enttäuschenden Zahlen von Meta Platforms und Lam Research. Die Nvidia-Aktie gab rund vier Prozent nach, die AMD-Aktie verlor mehr als acht Prozent. Meta-Aktien fielen um rund sieben Prozent, Micron büßte sechs Prozent ein. Nick Giorgi von Alpine Macro sieht den Markt angesichts der vielen anstehenden Technologie-Bilanzen in einer Phase, in der Anleger genauer hinschauen.
Meta: Erlöse wachsen, operatives Ergebnis sackt ab
Meta Platforms verbuchte im dritten Quartal 2026 Erlöse von 64,601 Milliarden US-Dollar - ein Zuwachs von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Unterm Strich blieb ein Nettogewinn von 9,860 Milliarden US-Dollar. Das operative Ergebnis hingegen brach um 37 Prozent auf 12,988 Milliarden US-Dollar ein. Der Gewinn je Aktie von 3,83 US-Dollar beinhaltet eine Sonderbelastung in Höhe von 9,89 Milliarden US-Dollar, die aus einer im August 2026 geschlossenen Einigung mit mehreren US-Bundesstaaten resultiert. Ohne diese Belastung hätte er bei 7,40 US-Dollar gelegen.
Deutlich verschlechtert hat sich der freie Cashflow: Er belief sich auf minus 2,120 Milliarden US-Dollar, nachdem Meta im Vorjahresquartal noch 10,625 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet hatte. Ursache dafür sind die auf 33,942 Milliarden US-Dollar gestiegenen Investitionsausgaben, ein Zuwachs von 80 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr plant der Konzern Investitionen zwischen 135 und 145 Milliarden US-Dollar. Für das vierte Quartal rechnet Meta mit Erlösen in einer Spanne von 73 bis 76 Milliarden US-Dollar. Firmenchef Mark Zuckerberg verweist in der Mitteilung auf Meilensteine bei der Bereitstellung persönlicher Superintelligenz sowie auf die Lancierung von Muse und Muse Wonder, dem nach Unternehmensangaben ersten Frontier-Modell.
| Kennzahl | Drittes Quartal 2026 | Veränderung gegenüber Vorjahr |
|---|---|---|
| Umsatz | 64,601 Milliarden US-Dollar | plus 26 Prozent |
| Nettogewinn | 9,860 Milliarden US-Dollar | - |
| Operatives Ergebnis | 12,988 Milliarden US-Dollar | minus 37 Prozent |
| Freier Cashflow | minus 2,120 Milliarden US-Dollar | Vorjahr: plus 10,625 Milliarden US-Dollar |
| Investitionsausgaben | 33,942 Milliarden US-Dollar | plus 80 Prozent |
| Gewinn je Aktie | 3,83 US-Dollar (ohne Sonderbelastung 7,40 US-Dollar) | einschließlich Sonderbelastung von 9,89 Milliarden US-Dollar |
Alphabet, Microsoft und Amazon berichten rund um den Fed-Zinsentscheid
Am Mittwoch, dem Tag der Fed-Entscheidung, präsentieren auch Alphabet und Microsoft im Anschluss an den US-Börsenschluss ihre Geschäftszahlen, während Amazon am Donnerstag mit einer Telefonkonferenz um 17 Uhr Ostküstenzeit folgt. Laut Prognose des Datenanbieters LSEG I/B/E/S dürfte das Gewinnwachstum der S&P-500-Unternehmen im dritten Quartal 2026 mehr als 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum betragen; zum Berichtszeitpunkt hatten bereits über 100 Unternehmen ihre Ergebnisse veröffentlicht. King Lip von BakerAvenue Wealth Management erwartet von den anstehenden Berichten erneut starke Ergebnisse. Kevin Mahn von Hennion & Walsh sagt dazu: „Earnings are critical to the overall confidence level of the AI trade.“
Hinzu kommt der politische Kalender: Die US-Zwischenwahlen am 3. November 2026 fallen in dieselbe Phase wie die Fed-Sitzung und die Berichtssaison der großen Technologiekonzerne.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 27. bis 28. Oktober 2026 | FOMC-Sitzung der Fed, Zinsentscheid am 28. Oktober um 14 Uhr Ostküstenzeit, anschließend Pressekonferenz von Kevin Warsh |
| 28. Oktober 2026 | Alphabet und Microsoft legen Quartalszahlen vor (nach US-Börsenschluss) |
| 29. Oktober 2026 | Amazon legt Quartalszahlen vor, Telefonkonferenz um 17 Uhr Ostküstenzeit |
| 3. November 2026 | US-Zwischenwahlen |
Häufige Fragen zum Fed-Zinsentscheid
Wurden die Zinsen in den USA zuletzt gesenkt?
Nein. Die Fed erhöhte ihren Leitzins zuletzt im September 2026 um 25 Basispunkte, wodurch der Zielkorridor auf 3,75 bis 4,00 Prozent stieg - es war die erste Zinsanhebung seit 2023. Ob beim Fed-Zinsentscheid am 28. Oktober eine weitere Anhebung folgt, galt am Markt als unwahrscheinlich. Dafür wurde nur eine Wahrscheinlichkeit von rund fünf Prozent gehandelt.
Wie hoch sind die aktuellen Zinsen in den USA?
Nach der Anhebung im September 2026 liegt die Zielspanne für den US-Leitzins bei 3,75 bis 4,00 Prozent. Die Mehrheit der Notenbanker rechnete laut dem Dot-Plot der Fed bis Jahresende mit einem weiteren Schritt auf rund 4,1 Prozent.













