Fed-Zinsentscheid: Notenbank lässt Leitzins nach Erhöhung unverändert

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Bild: janews094 - stock.adobe.com
An den Anleihemärkten gilt eine weitere Zinsstraffung bei der Dezember-Sitzung der Fed als durchaus möglich.

Beim Fed Zinsentscheid lässt die US-Notenbank den Leitzins unverändert bei 3,75 bis 4,00 Prozent - nach der ersten Erhöhung seit 2023 im September. Fed-Chef Kevin Warsh kündigt zugleich eine neue Sitzungsstruktur an. Ob im Dezember doch noch eine weitere Erhöhung folgt, bleibt vorerst offen.

Der Fed Zinsentscheid fällt diesmal auf eine Pause: Die US-Notenbank Federal Reserve lässt ihren Leitzins unverändert in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Das teilte die Zentralbank in Washington mit. Erst Mitte September hatte sie den Zins erstmals seit Juli 2023 wieder angehoben, um einen Schritt von 0,25 Prozentpunkten.

Mit dieser Pause hatte eine große Mehrheit der Volkswirte gerechnet. Überrascht zeigte sich der Markt jedoch von der Ankündigung, die Fed-Chef Kevin Warsh im Anschluss auf der Pressekonferenz machte. Der Zentralbankrat plant künftig Treffen ohne Abstimmung über den Leitzins. An der grundsätzlichen Zahl von acht Sitzungen pro Jahr will das Gremium zwar festhalten.

„Im Jahr 2027 wird sich jedoch eine Sitzung ausschließlich mit der allgemeinen geldpolitischen Strategie befassen; weder eine Abstimmung über den Leitzins noch eine geldpolitische Erklärung ist dabei vorgesehen“, sagt Warsh.

Schon vor dieser Sitzung hatte Warsh signalisiert, die Art und Weise der Kommunikation grundsätzlich ändern zu wollen. Sein Argument: Weniger Signale sollen dem Gremium einen klareren Blick auf die tatsächliche Wirtschaftslage verschaffen - zu viele Hinweise verzerrten diesen Blick eher.

Fed Zinsentscheid: Warum der Dezember spannend bleibt

An den Anleihemärkten gilt eine weitere Straffung bei der letzten Sitzung des Jahres im Dezember als durchaus möglich. Wie groß die Bereitschaft dazu bereits ist, zeigt das Abstimmungsergebnis der aktuellen Fed-Zinsentscheidung. Zehn stimmberechtigte Mitglieder votierten für die Pause. Zwei weitere stimmten bereits für eine Anhebung um 25 Basispunkte.

Warsh verwies dabei auf die Verantwortung der Notenbank, die Inflation zu senken. Diese liegt nach seinen Worten seit sechs Jahren über dem eigentlichen Zielwert. Der Hinweis spricht für eine weitere Anhebung im Dezember.

Dass eine Erhöhung keineswegs nur Spekulation ist, legen die Prognosen aus dem September nahe. 16 der 18 befragten Fed-Mitglieder rechneten damals mit mindestens einem weiteren Zinsschritt in diesem Jahr. Vier von ihnen erwarteten sogar eine noch deutlichere Straffung. Für 2027 zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Neue Zahlen veröffentlicht die Notenbank mit der Dezember-Sitzung. Erst dann dürfte sich eine verlässlichere Fed-Zinsentscheid-Prognose für das kommende Jahr abzeichnen.

ZeitraumErwartung der Fed-Mitglieder (Stand September)
Bis Ende 202616 von 18 Mitgliedern rechnen mit mindestens einer weiteren Zinserhöhung, vier von ihnen mit einer noch deutlicheren Straffung
202714 von 18 Mitgliedern erwarten einen Leitzins von mindestens 4,00 bis 4,25 Prozent, eine knappe Mehrheit davon rechnet mit 4,25 bis 4,50 Prozent
Quelle: Federal Reserve

Auch jenseits des Atlantiks bleibt die Zinspolitik ein Thema. Die Europäische Zentralbank dürfte an diesem Donnerstag trotz hoher Inflation ebenfalls von einer Erhöhung absehen. Nach Einschätzung von Volkswirten wird die Notenbank den wichtigen Einlagenzins, der für Banken und Sparer maßgeblich ist, bei 2,5 Prozent belassen.

Warum die Fed im September überhaupt erhöht hatte

Hintergrund ist die Zinserhöhung von Mitte September - die erste seit Juli 2023. Warsh erklärte den Schritt damals damit, dass die Notenbank so rascher ihr Inflationsziel von zwei Prozent erreichen könne.

Die Inflation in den USA lag zuletzt fast doppelt so hoch wie gewünscht. Im September zogen die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 3,7 Prozent an - der höchste Stand seit über drei Jahren. Ursache waren vor allem steigende Energiekosten, nachdem sich Rohstoffe wie Erdöl infolge des Kriegs im Iran deutlich verteuert hatten. Zusätzlich treibt der Boom um Künstliche Intelligenz zusammen mit robusten Konsumausgaben die Preise.

Zugleich verlangsamte sich das Beschäftigungswachstum spürbar. Für DWS-Chefvolkswirt Christian Scherrmann liefern damit weder die Inflations- noch die Arbeitsmarktdaten den Notenbankern derzeit ein eindeutiges Signal.


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Politischer Druck und die Frage nach der Unabhängigkeit

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank, vermutet hinter der Entscheidung auch politische Motive. Die bevorstehenden US-Parlamentswahlen dürften die eigentlich neutrale Fed beeinflusst haben. Denn eine Zinsanhebung hätte sich als Signal gegen US-Präsident Donald Trump lesen lassen können.

Auf die Vermutung angesprochen, widerspricht Warsh deutlich: „Ich habe nichts davon gehört und glaube auch nicht, dass es Einfluss auf die Entscheidung hatte.“

Eine Zinssenkung, wie sie Trump seit Langem fordert, erscheint Experten dagegen unrealistisch. Die aktuellen Wirtschaftsdaten liefern dafür keine Grundlage. Zuletzt verlangte er einen Leitzins von höchstens einem Prozent.

Mit ihren Entscheidungen versucht die Fed, stabile Preise und einen möglichst breiten Arbeitsmarkt miteinander zu vereinbaren. Höhere Zinsen verteuern Kredite für Verbraucher und Unternehmen und bremsen dadurch Ausgaben und Wachstum. Niedrigere Zinsen stützen zwar Konjunktur und Jobmarkt, können die Inflation aber zusätzlich anheizen.

Mit der Erhöhung im September hatte Warsh zugleich zwei Kritikerlager beruhigt. Manche Beobachter vermissten seit seinem Amtsantritt im Mai spürbare Schritte für mehr Preisstabilität. Andere unterstellten ihm eine zu große Nähe zu Trump. Der Zinsschritt nach oben lieferte beiden Seiten ein Argument dafür, dass die Fed weiterhin unabhängig von der Politik über den Leitzins entscheidet.

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