Der nachhaltigen Finanzbranche gelingt es, sich gegen den aktuellen politischen Gegenwind zu behaupten und ambitioniert zu bleiben. Dies geht aus dem aktuellen Marktbericht 2026 hervor, den das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) veröffentlicht hat. Demnach wurde das Angebot an Produkten, die Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungs-Kriterien (ESG) berücksichtigen, im Jahr 2025 weiter ausgebaut. Die Mehrheit der Befragten hat das Ambitionsniveau der eigenen Nachhaltigkeitsrichtlinien nicht verändert.
Während das Thema Nachhaltigkeit in der öffentlichen Wahrnehmung zuletzt aus dem Fokus gerückt ist, beschäftigen sich Finanzinstitute weiterhin intensiv mit der Integration dieser Aspekte in ihre Anlagestrategien. Den Angaben der Erhebung zufolge berichteten 29 Prozent der Teilnehmenden, ihr ESG-Produktangebot ergänzt zu haben. Lediglich ein Prozent reduzierte die Produktpalette, während die verbleibenden 70 Prozent keine Änderungen vornahmen. Für die Zukunft plant kein einziger der befragten Anbieter einen Rückbau des Angebots, 16 Prozent beabsichtigen sogar eine Erweiterung.
Knapp 40 Prozent derjenigen Institute, die Anpassungen an ihren Nachhaltigkeitsrichtlinien vorgenommen haben, erhöhten ihr Ambitionsniveau, während 13 Prozent es verringerten. Diese Stabilität zeigt sich laut der Mitteilung auch bei der Frage um Rüstungsinvestitionen, nachdem der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine eine Debatte über die Kompatibilität mit Nachhaltigkeitsansätzen entfacht hatte. Wie auch schon im Vorjahr schließt der Großteil der erfassten Assets Investitionen in sämtliche Rüstungsgüter aus, was einem Anteil von 62 Prozent entspricht. Nahezu kein Anbieter investiert in Streubomben und Anti-Personen-Minen, dicht gefolgt von ABC-Waffen.
Reform der EU-Offenlegungsverordnung
Marian Klemm, Vorstandsvorsitzender des FNG, resümiert: „Die Ergebnisse des FNG-Marktbericht 2026 zeigen, dass die nachhaltige Finanzbranche resilient gegen den aktuellen politischen Gegenwind ist. Nachhaltige Anbieter bleiben ihren Prinzipien treu und schwächen ihre Nachhaltigkeitskriterien nicht ab. Genau diese Widerstandsfähigkeit schafft die Grundlage für die langfristige Etablierung nachhaltiger Geldanlagen.“
Die derzeit bestehende EU-Regulatorik schätzen die Befragten allerdings auch in diesem Jahr wieder als großes Hemmnis für die Entwicklung nachhaltiger Geldanlagen ein. Besserung verspricht FNG zufolge die von der EU-Kommission geplante Überarbeitung der EU-Offenlegungsverordnung. Rund die Hälfte der befragten Anbieter rechnet durch diese Reform mit positiven Impulsen und neuen Fortschritten. Dabei erwarten die Marktteilnehmer vor allem Klarheit durch die möglichen neuen Produktkategorien „ESG-Grundlagen“, „Nachhaltigkeit“ und „Übergang“ sowie eine allgemeine Vereinfachung der Berichterstattung.
Verhaltener Optimismus
Trotz der bestehenden Herausforderungen zeigt sich ein verhaltener Optimismus im Markt. Ein Drittel der Befragten rechnet in den nächsten Jahren mit einem Wachstum nachhaltiger Geldanlagen von bis zu zehn Prozent. Verena Menne, Geschäftsführerin des FNG, kommentiert: „Die positiven Erwartungen an die SFDR-Reform sind ein wichtiges Zeichen. Sie zeigen, dass der Markt die geplante Neuausrichtung grundsätzlich unterstützt. Die EU hat damit einen entscheidenden Hebel in der Hand, um nachhaltigen Geldanlagen neue Impulse zu geben.“
Der jährlich erscheinende FNG-Marktbericht analysiert die aktuellen Trends nachhaltigkeitsbezogener Investitionen in Deutschland und Österreich. An der Erhebung haben insgesamt 77 Finanzinstitute teilgenommen, darunter Asset Manager und Banken sowie Asset Owner wie Stiftungen, Versicherungen, Pensionskassen und öffentliche Einrichtungen. Die Daten zum Stichtag 31. Dezember 2025 wurden im ersten Quartal des Jahres 2026 erhoben.














