Trump gegen die Fed: Wo der Machtkampf heute steht
Ein Teil der internationalen Nervosität um in den USA gelagertes Gold speist sich aus dem Konflikt zwischen Donald Trump und der Federal Reserve. Anfang Januar 2026 wandte sich der damalige Fed-Vorsitzende Jerome Powell in einer öffentlichen Videobotschaft direkt an die amerikanische Öffentlichkeit, nachdem das US-Justizministerium Vorladungen an die Notenbank verschickt hatte. Powell wertete den bislang beispiellosen Vorgang als Versuch, die Unabhängigkeit der Fed durch strafrechtlichen Druck zu untergraben. Führende Vertreter des US-Finanzsektors, darunter die Chefs von Goldman Sachs, Citigroup und Bank of America, äußerten sich öffentlich besorgt über die Angriffe auf die Zentralbankunabhängigkeit.
Powells reguläre Amtszeit endete am 15. Mai 2026. Bereits am 30. Januar hatte Trump Kevin Warsh, früherer Fed-Gouverneur und als geldpolitischer „Falke“ bekannt, als Nachfolger nominiert. Der Senat bestätigte Warsh am 12. Mai als Mitglied und am 13. Mai als Vorsitzenden des Board of Governors. Seit Warshs Amtsantritt hat sich der politische Druck auf die Fed nach Einschätzung von Analysten spürbar abgeschwächt – ein Central-Bank-Pressure-Index von Commerzbank-Analysten zeigt seither einen Rückgang der verbalen Attacken. Beobachter warnen allerdings vor neuen Spannungen, sollte es zu einem erneuten Inflationsschub kommen. Für die Einordnung bleibt entscheidend: Der akuteste Höhepunkt des Machtkampfs liegt bereits einige Monate zurück, auch wenn die strukturelle Frage der Fed-Unabhängigkeit ungelöst bleibt.
Rückholungen und Umlagerungen seit 2012 im Überblick
| Jahr | Land | Vorgang | Umfang |
|---|---|---|---|
| 2012 | Venezuela | Rückholung von Gold aus US-, europäischen und kanadischen Banken nach Caracas, angeordnet von Präsident Chávez | 160 Tonnen |
| 2013–2017 | Deutschland | Bundesbank verlagert Gold aus Paris (vollständig) und New York (teilweise) nach Frankfurt, drei Jahre vor Plan abgeschlossen | 674 Tonnen |
| 2014 | Niederlande | Erste Rückholung von Gold aus New York nach Amsterdam | 122,5 Tonnen |
| 2015 | Österreich | Ankündigung der Rückverlagerung von Goldreserven aus London nach Wien und in die Schweiz | Ziel: 50 % Österreich, 20 % Schweiz, 30 % London |
| 2019 | Polen | Transport von Gold aus der Bank of England nach Warschau in vier Fahrten | 100 Tonnen |
| 2026 (Januar) | Frankreich | Abschluss eines seit 1963 laufenden Prozesses; Verkauf von nicht-standardkonformem Gold in New York, Rückkauf in London-Standard | 129 Tonnen (realisierter Kapitalgewinn: 12,8 Milliarden Euro) |
| 2026 (März–August) | Niederlande | Umlagerung von New York/Ottawa nach London zur besseren Handelbarkeit, keine Rückholung ins Inland | 86 Tonnen |
Die Tabelle bildet eine Auswahl zentraler, quellenmäßig gut belegter Fälle ab und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Zur Türkei ließ sich keine vergleichbare Rückhol-Episode identifizieren, dortige Bestandsveränderungen sind primär durch kurzfristige währungspolitische Interventionen motiviert, nicht durch strategische Standortverlagerung.
Was Berater und institutionelle Anleger daraus mitnehmen sollten
Für Vermögensverwalter und institutionelle Marktteilnehmer liefert der Trend zwei Signale, die sich klar trennen lassen. Erstens bleibt die strukturelle Nachfrage der Notenbanken nach Gold laut WGC-Umfragedaten hoch und dürfte den Goldpreis mittelfristig stützen, unabhängig von kurzfristigen Kursschwankungen. Zweitens bleibt der Dollar trotz der Diskussion um seine Reservewährungsrolle mit rund 57 Prozent Anteil an den Weltreserven weit vor allen Alternativen dominant. Die jüngsten COFER-Daten zeigen zudem, dass sein Anteil nicht linear sinkt, sondern auch durch Wechselkurseffekte schwankt.
Wer Kunden zu strategischer Portfolio-Diversifikation berät, sollte diese beiden Ebenen deshalb nicht vermischen: die physische Goldallokation der Notenbanken einerseits, den Reservewährungsstatus des Dollars andererseits. Beide folgen unterschiedlichen Dynamiken und betreffen unterschiedliche Zeithorizonte. Die wachsenden Goldreserven der Notenbanken sind ein Diversifikations- und Vorsorgesignal, kein Beleg für einen bevorstehenden Bedeutungsverlust des Dollars.












