Die kurzfristige Sperre des KI-Modells Claude Fable 5 von Anthropic hat zahlreiche Unternehmen und Plattformanbieter in Europa unvorbereitet getroffen. Die US-Regierung hatte den weltweiten Zugang zu den leistungsfähigsten Modellen des Unternehmens Mitte Juni aus Sicherheitsgründen eingeschränkt. Während Claude Mythos 5 in Europa noch nicht verfügbar war, konnte Claude Fable 5 bereits seit dem 9. Juni genutzt werden.
Nach Angaben des Stuttgarter KI-Unternehmens Blockbrain waren die eigenen Kunden von der Sperre nicht betroffen. Das Unternehmen hatte Claude Fable 5 zu diesem Zeitpunkt noch nicht für den produktiven Einsatz freigegeben.
Grund dafür war ein interner Qualitäts- und Compliance-Prozess, den jedes neue KI-Modell vor der Freischaltung durchläuft. Im Fall von Claude Fable 5 prüfte Blockbrain insbesondere die Folgen einer geänderten Datenaufbewahrungsrichtlinie von Anthropic. Statt einer Zero-Retention-Regelung sieht diese nun eine verpflichtende Speicherung von Nutzerdaten für 30 Tage vor. Das Unternehmen wollte die Auswirkungen auf die Anforderungen seiner Kunden aus regulierten Branchen wie Industrie, Rechtswesen und Finanzdienstleistungen zunächst bewerten.
Modellvielfalt soll Risiken reduzieren
Nach Unternehmensangaben gehört diese Prüfung zum Standardprozess. Gerade beim Einsatz sensibler Unternehmensdaten seien Änderungen bei Sicherheits- und Datenschutzrichtlinien vor einer Freigabe sorgfältig zu bewerten.
Zugleich verweist Blockbrain auf den modellagnostischen Aufbau seiner Plattform. Anwender können zwischen verschiedenen Sprachmodellen unterschiedlicher Anbieter wechseln und sind nicht an ein einzelnes Modell gebunden. Nach Angaben des Unternehmens stehen mehr als 40 geprüfte Modelle zur Verfügung. Während der Prüfung und der anschließenden Sperre von Claude Fable 5 konnten Kunden deshalb weiterhin auf andere Modelle zugreifen.
„Wir haben unsere Plattform von Anfang an modellagnostisch gebaut, genau für Situationen wie diese“, sagt Mattias Protzmann, CTO und Mitgründer von Blockbrain. „Ein einzelnes Modell oder ein einzelner Anbieter darf niemals zum Single Point of Failure für unsere Kunden werden – das gilt für Verfügbarkeit genauso wie für Datensicherheit oder Kostensteigerungen.“
Fokus auf Compliance und regulierte Branchen
Blockbrain entwickelt eine KI-Plattform für Wissensmanagement, mit der Unternehmen Fachwissen, Prozesse und Entscheidungslogiken digital abbilden können. Die Lösung richtet sich insbesondere an wissensintensive sowie stark regulierte und sicherheitsrelevante Branchen. Nach Unternehmensangaben erfüllt die Plattform Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung, der Norm ISO 27001 sowie des EU AI Act.
Das 2022 gegründete Unternehmen mit Sitz in Stuttgart wird von Antonius Gress, Mattias Protzmann und Nam Hai Ngo geführt. Zu den Kunden zählen unter anderem Bosch, Kärcher, Roland Berger, Bardehle Pagenberg, SGP und die Seifert Logistics Group. Die bisherige Finanzierung beläuft sich laut Unternehmen auf 22,5 Millionen Euro.














