Am Mittwoch legt Infineon die Zahlen für das zweite Quartal vor. Trotz eines Rückgangs von rund 30 Prozent gegenüber dem Rekordhoch liegt die Aktie seit Jahresbeginn noch immer 64 Prozent im Plus. Der KI-Umsatz ist aktuell zwar noch vergleichsweise klein, gewinnt aber rasant an Bedeutung. Genau hier hoffen Anleger auf positive Signale, etwa in Form einer angehobenen Prognose.
Die Stromversorgungskomponenten für KI-Rechenzentren sind derzeit der mit Abstand am schnellsten wachsende Geschäftsbereich des Konzerns, machen am Gesamtumsatz bislang jedoch nur einen kleinen Anteil aus. Für das laufende Geschäftsjahr 2026 wurde die Umsatzprognose bereits auf 1,5 Milliarden Euro angehoben. Für 2027 peilt das Unternehmen 2,5 Milliarden Euro an. Aktuell ist das KI-Geschäft noch das kleine, aber extrem schnelle Beiboot, das den trägen Automobil-Tanker Infineon stützt.
Dabei spielt Infineon im KI-Boom eine Schlüsselrolle. Moderne KI-Prozessoren benötigen enorme Strommengen bei minimaler Spannung. Die Energiespar-Halbleiter von Infineon regeln die Stromversorgung direkt vor dem GPU-Sockel und minimieren Energieverluste. Da klassisches Silizium zunehmend an physikalische Grenzen stößt, setzt Infineon verstärkt auf Siliziumkarbid und Galliumnitrid. Für Deutschland ist Infineon weit mehr als nur ein Chiphersteller. Das Unternehmen zeigt wie kaum ein anderes, dass Deutschland technologisch zur Weltspitze gehören kann, gleichzeitig aber unter seinen eigenen Standortnachteilen leidet.
Die Quartalszahlen werden deshalb mehr zeigen als nur die Entwicklung eines einzelnen Unternehmens. Entscheidend wird sein, ob das dynamisch wachsende KI-Geschäft inzwischen groß genug ist, um die Schwäche im europäischen Automobil- und Industriegeschäft auszugleichen und die hohen Erwartungen der Anleger zu erfüllen.
Autor Maximilian Wienke ist Marktanalyst bei eToro.















