Atradius-Umfrage: 72 Prozent der Unternehmen fühlen sich von der Bundesregierung im Stich gelassen

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Foto: Cash./KI-geniert
Atradius, Lage in Deutschland, Wirtschaftskrise, Krise

Steigende Kosten, schlechterer Kreditzugang, geopolitische Unsicherheiten und das Gefühl, von der Politik alleingelassen zu werden: Eine aktuelle Umfrage des Kreditversicherers Atradius unter rund 340 Unternehmen zeichnet ein alarmierendes Bild der Wirtschaftslage in Deutschland. Da gerät etwas ins Rutschen.

Das die wirtschaftliche Lage in Deutschland aktuell nicht gut ist, ist bekannt. Nun zeigt eine neue Umfrage des internationalen Kreditversicherer Atradius aus Mai 2026 durchgeführten Umfrage allerdings eine alarmierende Entwiklung. Demnach fühlen sich 72 Prozent der rund 340 befragten Unternehmen von der Bundesregierung bei aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen nicht ausreichend unterstützt; 29 Prozent davon sogar überhaupt nicht.

„Die Unternehmen kämpfen an mehreren Fronten gleichzeitig: steigende Kosten, schlechterer Kreditzugang, geopolitische Unsicherheit und das Gefühl, dabei weitgehend auf sich gestellt zu sein“, sagt Frank Liebold, Country Director Deutschland bei Atradius.


Das könnte Sie auch interessieren:

43 Prozent der Befragten bewerten die Attraktivität ihres Unternehmensstandorts im Vergleich zum Vorjahr als gesunken – als Gründe nennen sie steigende Abgaben, anhaltenden Fachkräftemangel und hohe Energiepreise. Gleichzeitig gerät die Unternehmensfinanzierung unter Druck: 22 Prozent berichten von einem verschlechterten Zugang zu Finanzierungsmitteln in den vergangenen zwölf Monaten, während lediglich drei Prozent eine Verbesserung verzeichnen. Für Unternehmen, die Investitionen mit Fremdkapital finanzieren müssen, verschärft das die ohnehin angespannte Lage erheblich.

Geopolitische Spannungen belasten Lieferketten

Ein wesentlicher Belastungsfaktor liegt außerhalb der eigenen Unternehmensgrenzen: Mehr als zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) spüren die Folgen geopolitischer Spannungen bereits in ihren Lieferkettenkosten. Weitere 21 Prozent erwarten spürbare Auswirkungen innerhalb der nächsten zwölf Monate. Am stärksten belasten steigende Transportkosten (78 Prozent), höhere Einkaufspreise für Rohstoffe und Vorprodukte (75 Prozent) sowie höhere Energiepreise (75 Prozent). Rund die Hälfte der Unternehmen leidet zusätzlich unter wachsender Planungsunsicherheit.

„Angesichts dieser Belastungen überrascht es nicht, dass knapp sieben Prozent der Unternehmen im schlimmsten Fall einen Produktionsstopp befürchten“, sagt Liebold. Jedes dritte Unternehmen schließe einen solchen Schritt zudem teilweise nicht aus. Als Regionen mit den größten Versorgungsrisiken nennen je rund die Hälfte der Befragten den Nahen Osten sowie China und Taiwan – zwei Krisenherde, die die globalen Handelsströme bereits spürbar beeinflussen.

Auf das sogenannte Friend-Sourcing, den gezielten Abzug von Lieferanten aus politisch riskanten Regionen, hat bislang gut jedes fünfte Unternehmen zurückgegriffen oder plant diesen Schritt. „Unternehmen erkennen die Notwendigkeit, Lieferketten resilienter aufzustellen. Der Umbau ist jedoch aufwendig und erfordert Vorlaufzeit, die viele nicht haben“, sagt Liebold. 80 Prozent der Befragten haben diesen Schritt noch nicht vollzogen.

Unternehmen fordern strukturelle Entlastung

Anstelle einer steuerfreien Einmalprämie von 1.000 Euro, die politisch nicht umgesetzt wurde, fordern die befragten Unternehmen nachhaltigere Maßnahmen. 60 Prozent sprechen sich für eine Senkung der Stromsteuer aus, 57 Prozent für eine Senkung der Einkommensteuer, und rund 56 Prozent lehnen eine Erhöhung der CO2-Abgabe im Jahr 2027 ab.

„Unternehmen wünschen sich keine Einmalmaßnahmen, sondern strukturelle Entlastung. Niedrigere Steuern und stabile Abgaben schaffen Planungssicherheit. Das ist es, was die Wirtschaft gerade am dringendsten braucht“, betont Liebold.

Für die Umfrage wurden 339 Unternehmen aus Branchen wie Automotive, Bauwirtschaft, Chemie, Elektronik, IT/Software, Maschinenbau und Transport befragt. Die Jahresumsätze der teilnehmenden Unternehmen reichen von unter fünf Millionen bis über einer Milliarde Euro, die Beschäftigtenzahl von unter 100 bis mehr als 1.500 Mitarbeitern.


Top-Ergebnisse bei Markt-Mediastudien


Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen