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KI treibt die Gewinne – doch an den Börsen wächst die Skepsis

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Ki-Boom und dann?
Bild: KI-generiert mit ChatGPT / DALL·E
KI-Investitionen stützen die Unternehmensgewinne. Anleger hinterfragen jedoch zunehmend Bewertungen und Wachstumsaussichten.

Die Berichtssaison zeigt robuste Unternehmensgewinne in den USA und Europa. Vor allem Investitionen in künstliche Intelligenz treiben das Wachstum. Doch bei Halbleiteraktien wächst die Sorge, dass Kapazitätsausbau und Wettbewerb die Margen belasten könnten.

Trotz einer auf Indexebene vergleichsweise stabilen Entwicklung verlief der Juli ausgesprochen volatil. Eine starke Erholung am letzten Handelstag des Monats verhalf dem S&P 500 zwar zum ersten Wochengewinn seit drei Wochen, dennoch schloss der Leitindex den Monat mit einem leichten Minus von 0,13 % ab. Der technologieorientierte Nasdaq verzeichnete mit einem Rückgang von 3,2 % deutlich stärkere Verluste, nachdem insbesondere Halbleiterwerte erheblich unter Druck geraten waren. Positiv hervorzuheben ist jedoch die weiterhin robuste Marktbreite. Der gleichgewichtete S&P 500 legte im Monatsverlauf um 0,9 % zu und übertraf damit den klassischen, nach Marktkapitalisierung gewichteten Index um mehr als 100 Basispunkte. Dies deutet darauf hin, dass die Kursentwicklung nicht ausschließlich von einigen wenigen Schwergewichten getragen wurde, sondern auf einer breiteren Basis innerhalb des Aktienmarktes stattfand.

Die Unternehmensberichte in den USA blieben ein wesentlicher Stützungsfaktor für die Finanzmärkte. Mehr als 60 % der im S&P 500 vertretenen Unternehmen haben mittlerweile ihre Ergebnisse für das zweite Quartal vorgelegt, wobei die überwiegende Mehrheit die Markterwartungen übertreffen konnte. Besonders erfreulich entwickelte sich das Gewinnwachstum, das weiterhin von hohen Investitionen im Bereich der Künstlichen Intelligenz, einer soliden Preissetzungsmacht vieler Unternehmen, Produktivitätssteigerungen sowie einer widerstandsfähigen Konsumnachfrage getragen wird. Die positive Entwicklung zeigt sich über zahlreiche Branchen hinweg.

Auch konsumnahe Unternehmen berichteten von weiterhin robusten Ausgabentrends auf Seiten der Verbraucher. Insgesamt vermittelt die laufende Berichtssaison trotz bestehender Konjunktur- und Kaufkraftsorgen ein Bild einer weiterhin soliden Unternehmenslandschaft in den USA. Bemerkenswert ist zudem die breite Basis des Gewinnwachstums: Acht der elf Sektoren des S&P 500 verzeichnen aktuell zweistellige Zuwachsraten bei den Unternehmensgewinnen. Dies spricht für eine weiterhin robuste Ertragsdynamik und unterstreicht die Widerstandsfähigkeit der US-Unternehmen in einem anspruchsvollen makroökonomischen Umfeld.

Europäische Aktien setzten ihren positiven Trend fort. Der Stoxx Europe 600 verzeichnete den vierten monatlichen Anstieg in Folge und erreichte ein neues Rekordhoch. Trotz zwischenzeitlicher Schwankungen infolge der erneuten Spannungen zwischen den USA und dem Iran sowie wechselnder Erwartungen hinsichtlich Energiepreisen, Inflation und Zinspolitik erwies sich das wirtschaftliche Umfeld in Europa insgesamt als widerstandsfähig.

Die Dynamik bei den Unternehmensgewinnen verbreiterte sich zunehmend über verschiedene Sektoren hinweg. Gleichzeitig verlagerten Investoren ihre Positionierung weg von stark überlaufenen KI-bezogenen Anlagethemen hin zu Marktsegmenten mit attraktiveren Bewertungen. Die Kombination aus robustem Wirtschaftswachstum und einer verbesserten Marktbreite unterstützte die weitere Aufwärtsentwicklung europäischer Aktienmärkte. Der Sektor Öl & Gas entwickelte sich am stärksten. Unterstützt wurde die positive Performance durch steigende Ölpreise infolge der zunehmenden Spannungen im Nahen Osten, Sorgen über mögliche Beeinträchtigungen der Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus sowie durch solide Unternehmensgewinne. Ebenfalls stark präsentierte sich der Finanzsektor, insbesondere Banken. Positive Geschäftsergebnisse von Banco Santander (+1,9 %), BNP Paribas (+7,4 %) und Banco Sabadell (+7,3 %) sorgten hier für zusätzliche Unterstützung. Der Technologiesektor blieb hingegen trotz erfreulicher Unternehmenszahlen unter Druck. Zwar konnten halbleiternahe Unternehmen wie ASML (+16,7 %), ASM International (+19,9 %) und Melexis (+12,6 %) mit starken Ergebnissen überzeugen, Anleger äußerten jedoch zunehmend Zweifel an der langfristigen Nachhaltigkeit der hohen Investitionen in KI-Infrastruktur.

Der von Künstlicher Intelligenz getriebene Börsenboom in Südkorea geriet zuletzt zunehmend unter Druck. Die Aktienkurse von Samsung Electronics und SK Hynix sind seit Juni um 41 % beziehungsweise 52 % gefallen, wodurch sich die gemeinsame Marktkapitalisierung der beiden Unternehmen um rund 1,2 Billionen US-Dollar verringert hat. Dennoch wird erwartet, dass die beiden führenden Hersteller von Speicherchips gemeinsam mit Nvidia auch im kommenden Jahr jeweils freie Cashflows von über 200 Mrd. US-Dollar erwirtschaften. Dies verdeutlicht die enorme Ertragskraft, die derzeit durch die weltweiten Investitionen in KI-Infrastruktur geschaffen wird.

Gleichzeitig hinterfragen Investoren zunehmend die Nachhaltigkeit des aktuellen Speicherchip-Zyklus. Zwar profitiert die Branche weiterhin von einer starken Nachfrage aus den Bereichen Rechenzentren, Künstliche Intelligenz und Robotik, doch nehmen die Sorgen zu, dass zusätzliche Produktionskapazitäten mittelfristig zu sinkenden Preisen und rückläufigen Margen führen könnten. Besonders im Fokus stehen dabei Risiken einer zunehmenden Standardisierung von Speicherchips sowie der wachsende Wettbewerb durch chinesische Anbieter, die insbesondere im unteren und mittleren Produktsegment Marktanteile gewinnen. Darüber hinaus bestehen Befürchtungen, dass Kunden ihre langfristigen Investitionspläne überdenken oder reduzieren könnten, falls sich das Wachstum der KI-Investitionen abschwächen sollte.

Die Diskussion an den Märkten hat sich daher spürbar verändert: Während bislang vor allem die Frage im Vordergrund stand, wie stark die Gewinne der Branche noch steigen können, richtet sich der Blick nun zunehmend darauf, wie nachhaltig die derzeitigen Ertragsniveaus und Bewertungen in den kommenden Jahren tatsächlich sein werden.

Autor Joel Frick ist Head Financial Service & Solutions, Executive Director Bendura Bank AG, Gamprin-Bendern/Liechtenstein.


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