Der rasante Ausbau von KI-Rechenzentren rückt die amerikanischen Stromversorger stärker in den Fokus der Anleger. Die Branche galt bislang vor allem als stabiler Dividendenzahler. Nun eröffnet der wachsende Energiebedarf von Rechenzentren zusätzliche Wachstumsperspektiven.
Damit die neuen Anlagen betrieben werden können, müssen Energieerzeugung, Übertragungsnetze und regionale Infrastruktur deutlich ausgebaut werden. Zugleich zeigen die jüngsten Kursrückgänge einiger Versorger, dass der Kapitalmarkt die Wachstumserwartungen kritischer prüft. Offen ist unter anderem, wie viele der angekündigten Rechenzentren tatsächlich entstehen und wer die dafür erforderlichen Milliardeninvestitionen finanziert.
„Die Kapitalmärkte beginnen, stärker zwischen langfristig gesicherter zusätzlicher Nachfrage und möglicherweise zu optimistischen Projektankündigungen zu unterscheiden. Gerade diese Neubewertung kann für langfristige Anleger interessant sein“, sagt Oliver Grass, Portfoliomanager der Fürst Fugger Privatbank. Der Ausbau von KI, Cloud-Infrastruktur und Rechenzentren dürfte den amerikanischen Strombedarf nach seiner Einschätzung über Jahre erhöhen.
Stromnetze als Infrastruktur des KI-Booms
Eine alte Börsenweisheit empfiehlt, bei einem Goldrausch nicht in die Goldgräber, sondern in die Hersteller der Schaufeln zu investieren. Übertragen auf den KI-Boom könnten Elektrizität und Stromnetze diese Rolle übernehmen. Damit bieten Versorger eine Alternative zu direkten Investments in teilweise hoch bewertete Technologiekonzerne.
„Statt darauf wetten zu müssen, welcher Chipproduzent, welches KI-Modell oder welcher Hyperscaler langfristig gewinnt, lässt sich in einen grundlegenden Engpassfaktor der digitalen Wirtschaft investieren: Elektrizität und die Infrastruktur, die sie zu den Rechenzentren transportiert“, sagt Grass.
Die jüngsten Kursrückgänge könnten langfristig orientierten Anlegern Einstiegsmöglichkeiten bieten. „Der Strombedarf der digitalen Wirtschaft wird weiterwachsen. Für ein breit diversifiziertes Aktienportfolio können ausgewählte US-Versorger deshalb eine sinnvolle Beimischung darstellen“, sagt Grass. Allerdings werden einige Versorgeraktien bereits mit einer „KI-Prämie“ gehandelt und könnten entsprechend empfindlich auf enttäuschte Wachstumserwartungen reagieren.















