Deutschlands Vermögensverwalter haben im vergangenen Jahr ihre Portfolios spürbar an das veränderte Marktumfeld angepasst. Das zeigt der Trendmonitor Vermögensverwaltung 2026 (TMVV), den das Wealthtech-Unternehmen QPLIX gemeinsam mit dem Institut für Vermögensaufbau (IVA) veröffentlicht hat. Grundlage der Untersuchung sind mehr als 55.800 reale Kundenportfolios.
Die Auswertung zeigt, dass viele Vermögensverwalter geopolitische Risiken frühzeitig in ihren Anlageentscheidungen berücksichtigten. Gleichzeitig offenbart sie Schwächen beim Umgang mit Kryptowährungen sowie klare Unterschiede zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Anlagestrategien.
Im Mittelpunkt standen 2025 unter anderem die Auswirkungen der US-Handelspolitik, die Entwicklung von KI-Aktien sowie die starke Volatilität am Kryptomarkt.
DAX-Aktien profitieren von Umschichtungen
Als die US-Regierung unter Donald Trump im ersten Halbjahr 2025 weitreichende Importzölle ankündigte, reduzierten viele Vermögensverwalter ihre Engagements in nordamerikanischen Einzelaktien. Der Anteil dieser Titel sank von 41,2 auf 35,5 Prozent.
Ein erheblicher Teil des Kapitals floss zurück nach Europa. Besonders deutsche Aktien profitierten: Ihr Anteil in den Portfolios stieg um 3,3 Prozentpunkte. Nach Einschätzung der Studienautoren spielten günstige Bewertungen und die Hoffnung auf eine Erholung der deutschen Wirtschaft dabei eine wichtige Rolle.
Bei den beliebtesten Einzelaktien behauptete Microsoft den Spitzenplatz. Dahinter folgen Allianz, Novo Nordisk, Nestlé, Berkshire Hathaway, Alphabet, Münchener Rück, Deutsche Telekom, Amazon und Siemens. Insgesamt stammen 14 der 20 am häufigsten vertretenen Einzelaktien inzwischen aus Europa.
„Die Sorge vor Handelsbarrieren führte zu einer temporären Flucht aus US-Werten und bescherte dem europäischen Heimatmarkt ein überraschendes Comeback. Für die Zukunft zeigt dies, dass Flexibilität und die Fähigkeit zur schnellen regionalen Reallokation die entscheidenden Werkzeuge bleiben, um auf geopolitische Verschiebungen zu reagieren“, sagt Kai Linde, Gründer und CEO von QPLIX.
KI-Euphorie weicht einer nüchternen Bewertung
Auch bei Unternehmen mit Bezug zur Künstlichen Intelligenz veränderte sich das Anlageverhalten. Nachdem der Anteil entsprechender Titel Mitte 2024 noch bei 20 Prozent gelegen hatte, sank die Allokation im ersten Quartal 2025 auf 16 Prozent. Anleger verlangten zunehmend sichtbare Erträge aus den hohen Investitionen der Unternehmen.
Im weiteren Jahresverlauf stabilisierte sich der Anteil wieder bei 17,6 Prozent. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass klassische Technologiewerte ohne direkten KI-Bezug seit 2021 kaum noch gewachsen sind. Das Branchenwachstum wurde vor allem von wenigen großen Unternehmen wie Nvidia und Microsoft getragen.
Bitcoin: Profis handeln prozyklisch
Die Untersuchung zeigt zudem, dass auch professionelle Vermögensverwalter bei Kryptowährungen typische Anlegerfehler machten. Während der Bitcoin-Rallye erhöhten viele ihre Positionen kontinuierlich. Im September 2025 erreichten Kryptoanlagen innerhalb des Rohstoffsegments mit 4,4 Prozent einen Höchststand.
Im vierten Quartal folgte jedoch ein Kurseinbruch von rund 26 Prozent. Da viele Portfolios zuvor weder abgesichert noch die Positionen reduziert hatten, belastete der Rückgang die Depots deutlich.
„Die Portfolios wurden hier sprichwörtlich auf dem falschen Fuß erwischt“, sagt Dr. Andreas Ritter, Vorstand des Instituts für Vermögensaufbau. „Die extreme Volatilität von Kryptowährungen erfordert ein hochaktives Risikomanagement, bloßes Buy-and-Hold wird in diesem Segment oft gnadenlos bestraft.“
ETFs und Direktanlagen bringen Vorteile
Für Privatanleger liefert die Studie auch Hinweise zur Portfoliozusammensetzung. Depots mit einem hohen Anteil an Einzelaktien, Direktanleihen und kostengünstigen ETFs erzielten im Durchschnitt eine um 1,74 Prozentpunkte höhere Jahresrendite als Portfolios, die vollständig über aktiv gemanagte Publikumsfonds aufgebaut waren.
Dagegen schmälerten komplexe Produkte wie Zertifikatestrukturen oder Dachfonds die erwartete Rendite im Durchschnitt um 2,01 Prozentpunkte.
Auch die Handelsaktivität spielte eine Rolle. Wer innerhalb eines Jahres mehr als 50 Prozent des Depotvolumens umschichtete, erzielte im Durchschnitt eine um 1,03 Prozentpunkte niedrigere Rendite.
„Maximaler Anlageerfolg wird nicht durch hochkomplexe Produkte oder hektisches Trading erzielt, sondern durch Einfachheit, hohe Kosteneffizienz und eine eiserne Disziplin“, betont Kai Linde. Dr. Andreas Ritter ergänzt: „Für Anleger wird damit besonders sichtbar: Eine gute Portfoliostruktur muss nicht kompliziert sein. Sie muss verständlich und langfristig belastbar sein.“














