Ashok Bhatia, Chief Investment Officer und Global Head of Fixed Income, sowie der beiden Senior Portfolio Manager Robert Dishner und Patrick Barbe von Neuberger, über die Folgen einer falschen EZB-Entscheidung kommende Woche.
„Anders als die übrigen Notenbanken hatte die EZB zuletzt nicht immer richtig gelegen, und auch die jetzige Zinsentscheidung ist nicht einfach. Sie könnte zu früh erhöhen – oder zu spät. Das hat Folgen weit über den Euroraum hinaus. Die Zinsen könnten weltweit steigen, Emerging-Market-Lokalwährungsanleihen könnten unter Druck geraten, und für die Fed und andere Notenbanken könnte es dann noch schwieriger werden.
Und die Unsicherheit über die Wiederöffnung der Straße von Hormus macht es nicht einfacher.
Keine andere große Notenbank ist bei ihren Entscheidungen so stark mit früheren Fehlern belastet, und keine wird sich so sehr darum bemühen, jetzt alles richtig zu machen.
Den Daten zufolge steht der Euroraum zurzeit irgendwo zwischen dem Basis- und dem Negativszenario, allerdings dicht am Basisszenario. Nach den Konsensprognosen wird die Inflation noch vor dem Sommer ihren Höchststand von etwa 3,5 Prozent erreichen. Die Kernrate wird leicht auf etwa 2,5 Prozent steigen.
Notenbankchefin Christine Lagarde hat diese Sicht letzte Woche faktisch bestätigt. Sie verweigerte die Antwort auf die Frage, ob im Basisszenario Zinserhöhungen angemessen seien. Das wurde allgemein als Hinweis auf eine eher lockere Geldpolitik gedeutet. Lagarde wollte noch nicht einmal bestätigen, dass die EZB die Zinsen im Zweifel anhebt.
Wir rechnen damit, dass die EZB ihren Leitzins im April bei 2 Prozent belässt und signalisiert, dass es im Juni auf die Daten aufkommt. Wenn die Kerninflation weiterhin etwa 2,5 Prozent beträgt und das Wachstum unverändert bleibt, ist eine Erhöhung im Juni möglich. Aber wir rechnen nicht mit einem stabilen Wachstum.
Ob die EZB ihre Zinsen am Ende erhöht, wird von den Daten bis Juni abhängen – von Inflation, Löhnen und Rohstoffpreisen. Zurzeit sieht es eher nach unveränderten Leitzinsen aus. Für Erhöhungen musste Europa schon mehr als einmal den Preis zahlen.“












