Zinserhöhungen hatten in der Vergangenheit am Tag ihrer Verkündung kaum Auswirkungen auf die Märkte. Meist waren sie bereits vollständig eingepreist. Im Vorfeld der morgigen Fed-Sitzung sollten sich Anleger auf die geldpolitischen Leitlinien konzentrieren, insbesondere auf das Verhältnis zwischen den Zinsprognosen und den Inflationserwartungen, rät Afonso Borges, Fixed Income Research bei Julius Bär:
Die letzten 20 Zinserhöhungen der Fed (noch unter Yellen und Powell) deuten darauf hin, dass das Ausmaß an sich für die Märkte kaum eine Rolle spielt, auch nicht am kurzen Ende der US-Staatsanleihekurve. Selbst Steigerungen um 75 Basispunkte hinterließen keine erkennbaren Spuren.
Interessanterweise waren die Entscheidungen mit Zinserhöhungen insgesamt eher zurückhaltend geprägt: Die Renditen 2-jähriger und 10-jähriger US-Staatsanleihen sanken über die 20 Sitzungen hinweg um 75 Basispunkte bzw. 82 Basispunkte, während der Dollar-Index um 7,4% fiel und Gold um 10,0% zulegte. Veränderungen des einjährigen Forward-OIS-Satzes (Overnight Index Swap), der als Indikator für Veränderungen in der geldpolitischen Ausrichtung bei jeder Entscheidung dient, lieferten eine bessere Erklärungskraft, insbesondere für die Renditen von 2- und 10-jährigen Anleihen. Der Zusammenhang war für den Dollar und Gold wenig konsistent und für Risikoanlagen sehr schwach.
Wie lassen sich diese Erkenntnisse nun auf morgen übertragen?
Erstens: Ignorieren Sie die erwartete Zinserhöhung um 25 Basispunkte an sich.
Zweitens gehen wir nicht davon aus, dass sich das historisch zurückhaltende Muster unter Kevin Warsh wiederholen wird: Die Renditen 2-jähriger US-Staatsanleihen stiegen während seiner ersten beiden FOMC-Pressekonferenzen und seines Auftritts in Jackson Hole insgesamt um 23 Basispunkte.
Drittens: Konzentrieren Sie sich auf die geldpolitischen Leitlinien: Relevante Signale werden sein, ob Warsh die Forderung, dass sich die Inflation „deutlich und mit ausreichender Geschwindigkeit“ verbessern muss, näher erläutert, sowie der Ausblick auf den Leitzins zum Jahresende und die Übereinstimmung zwischen den Leitzins-Dots und den dazugehörigen Inflationsprognosen. Ein weiterer Anstieg der Dots ohne einen nennenswerten Anstieg der prognostizierten Inflation wäre das deutlichste Zeichen dafür, dass die Reaktionsfunktion restriktiver geworden ist.













