Privatanleger sind nicht naiv: Was Plattformen jetzt leisten müssen

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Aufgaben für Plattformen
Bild: KI-generiert mit ChatGPT / DALL·E
Investmentplattformen müssen Privatanleger besser über Produkte, Risiken und langfristiges Anlageverhalten aufklären.

Immer mehr Menschen investieren in Aktien, Fonds, ETFs und Krypto-Assets. Doch ein einfacher Marktzugang schafft noch keine souveränen Anleger. Investmentplattformen müssen deshalb stärker erklären, Risiken einordnen und langfristiges Handeln fördern. Was die Branche jetzt leisten muss.

4,1 Millionen. So viele Menschen in Deutschland hielten 2025 Aktien, Fonds oder ETFs. Fast jeder Fünfte ab 14 Jahren war investiert. Doch Zugang ist nicht gleich Verständnis und Teilhabe am Kapitalmarkt ist nicht gleich Resilienz. Über genau diese Lücke muss Deutschland dringend sprechen.

Klassische Anlagen wie Aktien und Anleihen, aber auch neue Formen wie Krypto-Assets und KI-gestützte Anlagetools sind heute leichter zugänglich denn je, aber nicht unbedingt leichter verständlich. Das zeigen auch Daten aus unserem vierteljährlichen Retail Investor Beat (RIB), einer Umfrage unter 11.000 Privatanlegern. Darin haben wir deutsche Privatanleger unter anderem gefragt, welche Anlagethemen sie für am schwersten verständlich halten. Mit 31 Prozent am meisten genannt: Krypto und Blockchain. Weitere 23 Prozent nannten KI-gestützte Anlagestrategien.


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Privatanleger wissen sehr wohl, dass neue Anlagemöglichkeiten auch bedeuten, dass sie dazulernen müssen. Das zeigen unsere Daten deutlich. Und sie zeigen auch: Ja, Privatanleger lassen sich von Schlagzeilen beeinflussen. Nein, das heißt nicht, dass sie ihre langfristige Perspektive bei der kleinsten Schwankung über Bord werfen. Ja, sie interessieren sich für Krypto. Nein, sie wollen damit nicht nur das schnelle Geld machen. 

46 Prozent der Anleger, die bei Kursrückgängen zukaufen, wollen vor allem langfristig Vermögen aufbauen. Nur 25 Prozent spekulieren auf eine schnelle Erholung. Die Mehrheit gibt zwar an, sich von Schlagzeilen beeinflussen zu lassen, aber nur 10 Prozent bezeichnen diesen Einfluss als stark. Es sind normale Menschen, die in einem komplexen Anlageumfeld Entscheidungen treffen, mal gelingt das, mal nicht. Ein Markt in Panik sieht anders aus.

Entgegen gängiger Klischees sind Privatanleger also weder besonders impulsiv noch über die Maßen spekulationsgetrieben. Vor allen Dingen sind sie eines nicht: naiv.

Mit dem Zugang beginnt die Verantwortung

Privatanleger überlegen sich gut, in welche Produkte sie ihr Geld stecken. Eine wohlüberlegte Produktauswahl ist aber nur der erste Schritt zu einer erfolgreichen Anlage. Ob aus einer guten Wahl ein gutes Investment wird, hängt auch davon ab, wie man sich nach dem Kauf verhält – zum Beispiel davon, wie man mit Volatilität umgeht. Profis wissen das. Privatanleger nicht unbedingt. Wie bleibt man diszipliniert, wenn rationales Handeln schwerfällt? 

In dieser Hinsicht hat die Branche für Privatanleger bisher zu wenig getan. Ein Risikohinweis, ein Disclaimer oder ein versteckter Link im Hilfebereich ist keine echte Aufklärung. Aufklärung aber gehört fest in den Investmentprozess.

Die Nachfrage ist da: Fast ein Viertel der deutschen Anleger, 23 Prozent, will sich im kommenden Jahr näher mit Krypto beschäftigen. 29 Prozent wollen mehr über KI-gestütztes Investieren erfahren. Ein Viertel sagt zudem, dass mehr Finanzwissen bereits verändert hat, wie sie Risiken einschätzen und steuern.

Aufklärung wirkt also. Und noch wichtiger: Die Menschen wollen sie.

Plattformen dürfen sich nicht nur dafür feiern lassen, dass sie schnell und einfach Zugang zum Kapitalmarkt verschaffen, und sich dann aus der Verantwortung ziehen. Es ist eben auch ihre Aufgabe, Privatanlegern zu erklären, was sie da kaufen, warum es in ihr Portfolio passen könnte, was schiefgehen kann und wie das eigene Verhalten den Erfolg (oder Misserfolg) einer Investition beeinflusst. Sie müssen realistische Erwartungen wecken, statt möglichst häufiges Trading zu belohnen. Und es ist ihre Aufgabe, Komplexität zu reduzieren, ohne so zu tun, als gäbe es kein Risiko.

Technologie ersetzt kein Urteilsvermögen

Mit dem technologischen Fortschritt wird es auch in Zukunft immer leichter werden, zu investieren. Damit werden mehr Menschen schneller zu Anlegern. Der technologische Fortschritt (sprich: die KI) kann auch dabei helfen, Informationen zu analysieren. Ein hinreichender Ersatz für eigenes Urteilsvermögen ist sie nicht.

Deutschland hat beim Zugang zum Kapitalmarkt Fortschritte gemacht. Jetzt muss die Branche daraus echte Teilhabe machen. Dabei sind alle in der Pflicht – auch die Plattformanbieter.

Autor Pascal Nörrenberg ist Geschäftsführer DACH bei eToro.


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