EXKLUSIV Baufinanzierung: „Wer nur finanziert, wird austauschbar“

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Foto: ING Deutschland
Thomas Hein, ING Deutschland: „Die Finanzierung energetischer Modernisierung ist fester Bestandteil des Geschäfts.“

Der Baufinanzierungsmarkt bleibt in Bewegung: Zinsen, Leistbarkeit, energetische Sanierung und KI verändern das Geschäft. Thomas Hein, Leiter Vertrieb Immobilienfinanzierung bei der ING Deutschland, spricht im Interview mit Cash. über Chancen, Kapitalanleger, Modernisierung – und darüber, warum persönliche Beratung in der Baufinanzierung immer wichtiger wird.

Wie hat sich das Neugeschäft der ING Deutschland im ersten Halbjahr 2026 entwickelt, und welche Faktoren waren dafür aus Ihrer Sicht ausschlaggebend?

Hein: Wir sind mit dem ersten Halbjahr sehr zufrieden. Die Baufinanzierung bleibt für viele Menschen ein zentrales Thema – auch bei veränderten Zinsbedingungen. Getragen wurde die Entwicklung von mehreren Faktoren: Baufi Energy passt gut zu den aktuellen Bedürfnissen rund um Sanierung und Modernisierung. Außerdem haben wir neue Zielgruppen erschlossen, etwa Kapitalanlegerinnen und Kapitalanleger. Dafür haben wir unsere Herauslagekriterien sukzessive angepasst. Mit klaren Lösungen, schnellen Abläufen und verlässlicher Beratung konnten wir auch in einem anspruchsvollen Markt wachsen.

Die Finanzierungszinsen haben zuletzt wieder eine leicht steigende Tendenz beziehungsweise Erwartung. Wie wirkt sich dies auf die Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen sowie generell auf die Immobilienpreise und das Transaktionsvolumen aus?

Hein: Das erste Halbjahr verlief weitgehend erwartungsgemäß, wenn auch mit deutlichen Schwankungen. Zu Jahresbeginn war der Markt zurückhaltender, im März sahen wir durch Vorzieheffekte eine starke Nachfrage: Wer steigende Zinsen erwartet, entscheidet oft schneller, um Konditionen zu sichern. Grundsätzlich bleibt Wohneigentum für viele ein wichtiger Baustein der Lebensplanung und Vermögensbildung. Bei den Immobilienpreisen sehen wir insgesamt eine Stabilisierung, regional teils leichte Anstiege. Für das Gesamtjahr rechnen wir mit einem stabilen Verlauf etwa auf Vorjahresniveau.

Welchen Stellenwert haben Kapitalanleger im Neugeschäft der ING Deutschland und wie sprechen Sie speziell diese Zielgruppe an?

Hein: Diese Zielgruppe rückt für uns stärker in den Fokus. Dafür haben wir unsere Herauslagekriterien geöffnet. Nach dem Wegfall der 200-Kilometer-Grenze und der Anpassung der Mindestwohnfläche von 40 auf 30 Quadratmeter haben wir vor Kurzem einen weiteren Schritt getan: Kundinnen und Kunden mit einem Haushaltsnettoeinkommen ab 7.000 Euro und einem Haushaltsüberschuss von mindestens 1.500 Euro können bei der ING Deutschland wieder einen Finanzierungsauslauf von 100 Prozent realisieren. Zudem profitieren sie von einer niedrigeren Mindesttilgung – auch bei anderen Konditionsausläufen. Die ersten Marktreaktionen zeigen: Darauf haben viele kapitalanlegende Kundinnen und Kunden gewartet.

Was war die 200-Kilometer-Grenze?

Hein: Wir hatten früher die Einschränkung, dass Immobilien nur in einem Radius von 200 Kilometern vom Wohnort entfernt finanziert wurden. Diese Grenze haben wir aufgehoben.

Inwieweit unterscheiden sich die Finanzierungskonditionen und -kriterien zwischen selbst genutzten und vermieteten Wohnungen?

Hein: Bei den Konditionen machen wir grundsätzlich keinen Unterschied zwischen selbst genutzten und vermieteten Objekten. Entscheidend sind die Tragfähigkeit der Finanzierung und die Qualität des Objekts. Unterschiede liegen eher in den Kriterien und in der persönlichen Situation. In unseren Herauslagekriterien sind die jeweiligen Angebote klar definiert. Bei Kapitalanlegerinnen und Kapitalanlegern steht häufig die steuerliche Komponente stärker im Vordergrund. Am Ende sollte sich der Investitionsgrund auch in der persönlichen Beratung widerspiegeln.

Bei Bestandsobjekten gewinnt der energetische Status zunehmend an Bedeutung. Welche Rolle spielen entsprechende Modernisierungen inzwischen im Baufinanzierungsgeschäft der ING Deutschland – sowohl bei Immobilienkäufen als auch beim bestehenden Eigentum?

Hein: Die Finanzierung energetischer Modernisierung ist fester Bestandteil des Geschäfts. Eigentümerinnen und Eigentümer fragen früher: Was muss ich am Objekt tun, was ist sinnvoll und wie lässt sich das direkt einplanen? Hier setzen wir mit Baufi Energy an. Mit dem Flexi-Budget können mögliche Kosten großzügiger geplant werden. Fällt später weniger an, kann ein Teil kostenfrei nicht abgenommen werden. Das gibt Sicherheit. Gleichzeitig zeigt der Zins-Aufschlag bei Immobilien mit G- oder H-Label: Es kann sich lohnen, Modernisierung oder Sanierung früh mitzudenken.

Sie haben Ihr Angebot für energetische Modernisierungen zuletzt ausgebaut – unter anderem durch die Vermittlung von Energieberatern und spezielle Finanzierungskonditionen, wenn Effizienzmaßnahmen durchgeführt werden. Welche Resonanz erhalten Sie darauf?

Hein: Die Resonanz ist sehr positiv. Kundinnen und Kunden wünschen nicht nur Finanzierung, sondern auch Orientierung: Welche Maßnahmen sind sinnvoll, wer kann beraten, wer setzt um? Deshalb verbinden wir Kreditangebot, Beratung und passende Services – etwa rund um Photovoltaik, Wärmepumpen, dynamischen Stromeinkauf oder intelligente Steuerung von Stromkosten. Unser Modernisierungs-Partnerangebot wird gut angenommen, auch wegen Sonderkonditionen für ING-Kundinnen und -Kunden. Zudem garantieren die Partner eine schnelle Abwicklung vom kostenlosen Erstgespräch bis zur Umsetzung. Wie wichtig Know-how ist, zeigt auch unsere Webinarreihe zu Sanierungsthemen, die meist schnell ausgebucht ist.

Warum ist energieeffizientes Sanieren aus Sicht der Bank – aber auch für die Kunden – so wichtig? Gibt es dabei Unterschiede zwischen Selbstnutzern und Kapitalanlegern?

Hein: Für die Bank und für Kundinnen und Kunden geht es um den langfristigen Wert der Immobilie. Energieeffizientes Sanieren kann Nebenkosten planbarer machen, Preissteigerungen abfedern und die Attraktivität des Objekts erhalten. Für uns ist ein stabiler Objektwert wichtig, weil die Immobilie die Sicherheit des Darlehens darstellt. Für Eigentümerinnen und Eigentümer zählt der Wert ebenso, weil Wohneigentum oft Teil der Altersvorsorge ist. Selbstnutzerinnen und Selbstnutzer denken stärker an Wohnqualität und laufende Kosten, Kapitalanleger an steuerliche Aspekte, Vermietbarkeit und Rendite. In beiden Fällen wird Energieeffizienz heute mitgedacht.

Wo setzt ING Deutschland bereits künstliche Intelligenz ein und was ist geplant?

Hein: Wir setzen KI dort ein, wo sie Abläufe schneller, effizienter und transparenter macht. Ein Beispiel ist die Instant Baufi: Datenbasierte und KI-gestützte Verfahren erhöhen Geschwindigkeit und Qualität im Antragsprozess. Für uns geht es nicht um Technologie um der Technologie willen, sondern um echten Mehrwert – für Kundinnen und Kunden, Vermittlerinnen und Vermittler und interne Teams. Steigende Kreditvolumina lassen sich nur gut bewältigen, wenn die Bearbeitung intelligent unterstützt wird. Gleichzeitig prüfen wir Schritt für Schritt, wo KI sinnvoll ist und wo menschliche Expertise unverzichtbar bleibt. Perspektivisch werden KI-Agenten im Backoffice der Baufinanzierung eine wichtige Rolle spielen – wie auch in der Beratung im Kundengespräch.

Welche Rolle spielt künftig noch die natürliche Intelligenz, also die Vermittlerinnen und Vermittler?

Hein: Eine sehr große. Künstliche Intelligenz wird vieles verändern und Abläufe effizienter machen. Sie ersetzt aber nicht das persönliche Beratungsgespräch – gerade nicht bei einer weitreichenden Entscheidung wie einer Immobilienfinanzierung. Wer nur finanziert, wird austauschbar. Interessentinnen und Interessenten kommen heute informierter in Gespräche und haben sich oft bereits mit Zinsen, Laufzeiten, Raten und Objektdaten beschäftigt. Daraus entstehen neue Fragen: Passt das Vorhaben zur Lebensplanung? Welche Risiken sind zu berücksichtigen? Welche Sanierung ist sinnvoll? Hier kommt die natürliche Intelligenz der Vermittlerinnen und Vermittler ins Spiel. Sie ordnen ein, erklären und schaffen Vertrauen.

Welche Herausforderungen oder auch Chancen sehen Sie derzeit darüber hinaus für Ihre Vertriebspartnerinnen und Vertriebspartner?

Hein: Die größte Herausforderung ist, Kundinnen und Kunden durch einen komplexeren Markt zu begleiten. Zinsentwicklung, Leistbarkeit, energetische Sanierung, Fördermöglichkeiten, Objektqualität und Lebensplanung müssen zusammengedacht werden. Genau darin liegt die Chance: Wer Kompetenz sichtbar macht, kann sich klar profilieren. Dazu gehört, Risiken und Optionen transparent zu erläutern, Vor- und Nachteile abzuwägen und sicher durch den Prozess zu führen. Vermittlerinnen und Vermittler kennen den Markt, haben Erfahrung, Kontakte und Gespür für individuelle Situationen. Diese Stärke sollten sie aktiv zeigen – auch über digitale Kanäle oder durch klare Positionierung im regionalen Markt. Am Ende macht der Mensch den Unterschied.

Dieser Artikel ist Teil des EXKLUSIV Baufinanzierung in Kooperation mit ING Deutschland. Alle Artikel des EXKLUSIV finden Sie hier.

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