Ein Drittel der Europäer kennt das Konzept Open Finance bereits – nach Einschätzung von PwC „ein überraschend hoher Anteil“. Dennoch überwiegt vielerorts die Skepsis. Vor allem Datenschutzbedenken bremsen die Akzeptanz. Zu diesem Ergebnis kommt die „European Open Finance Consumer Survey“ von PwC Deutschland, für die rund 7.700 Verbraucherinnen und Verbraucher in acht europäischen Ländern befragt wurden.
„Open Finance“ meint den umfangreichen Austausch von Finanzdaten und zu Transaktionen der Kunden zwischen den verschiedenen Finanzinstitutionen. Unabhängig vom Inkrafttreten der betreffenden EU-Verordnung Financial Data Access (FiDA) schreitet die Entwicklung voran. Künstliche Intelligenz und steigende Erwartungen der Kunden treiben Finanzdienstleister bereits heute dazu, neue datenbasierte Angebote zu entwickeln, so PwC.
Für Banken und Versicherer eröffnet sich dadurch eine günstige Ausgangslage. Sie genießen einen deutlichen Vertrauensvorsprung gegenüber FinTechs und US-Technologieunternehmen. Gleichzeitig stehen sie vor der Aufgabe, dieses Vertrauen in digitale Dienstleistungen zu überführen.
Datenschutz und konkreter Nutzen entscheidend
Am bekanntesten ist Open Finance in Spanien mit 40 Prozent, gefolgt von Polen mit 39 Prozent und Italien mit 38 Prozent. In Deutschland kennt jede dritte befragte Person das Konzept. Gleichzeitig sehen 61 Prozent der deutschen Teilnehmer eher Risiken als Chancen. Vor allem der Schutz persönlicher Daten bereitet vielen Sorgen.
Die Studie zeigt zudem, dass Verbraucher sensible Finanzdaten nur dann freigeben, wenn sie einen konkreten Mehrwert erkennen. In Deutschland steht die Schließung der Rentenlücke mit 19 Prozent an erster Stelle. Dahinter folgen günstigere Konditionen sowie ein vollständiger Finanzüberblick mit jeweils zwölf Prozent. Besonders hoch sind die Erwartungen bei Menschen mit hohem Einkommen sowie bei Personen, die bereits einen persönlichen Finanzberater nutzen.
Maximilian Harmsen, Embedded & Open Finance Lead bei PwC Deutschland, sagt: „Die Bereitschaft der Verbraucher, Finanzdaten zu teilen, entsteht nicht durch Regulierung, sondern durch erlebbaren Nutzen – FiDA macht genau diesen Zusammenhang erstmals transparent und strategisch gestaltbar.“
Banken profitieren vom Vertrauensvorsprung
28 Prozent der Befragten nehmen bereits eine Beratung durch ihre Bank in Anspruch, weitere 44 Prozent können sich dies vorstellen. Bei FinTechs liegt der Anteil der aktuellen Nutzer bei acht Prozent, weitere 32 Prozent zeigen sich offen für entsprechende Angebote. US-Technologieunternehmen spielen bislang nur für sechs Prozent eine Rolle, verfügen nach Einschätzung der Studie jedoch ebenfalls über Wachstumspotenzial.
Besonders hoch ist die Bereitschaft zur Datenfreigabe bei Produkten des täglichen Bedarfs. Sie beträgt 71 Prozent bei Haftpflichtversicherungen, 65 Prozent bei Hausratversicherungen, 64 Prozent bei Kfz-Versicherungen und 63 Prozent bei Krankenversicherungen. Auch Girokonten mit 59 Prozent und Spareinlagen mit 57 Prozent erreichen hohe Werte. Deutlich geringer fällt die Bereitschaft bei Wertpapieren mit 47 Prozent, Verbraucherkrediten mit 42 Prozent und Kryptowährungen mit 29 Prozent aus. Nach Einschätzung von PwC stützt dies den geplanten stufenweisen Ansatz der FiDA-Einführung.
Jüngere Verbraucher zeigen größere Offenheit
Vor allem die Altersgruppe zwischen 18 und 35 Jahren steht Open Finance positiv gegenüber. 62 Prozent begrüßen neue digitale Lösungen. Viele nutzen bereits heute KI-gestützte Finanzanalysen. Gleichzeitig zeigen sich innerhalb Europas unterschiedliche Erwartungen. Während in Großbritannien und Schweden vor allem Effizienz im Vordergrund steht, spielen in Deutschland Vertrauen und persönliche Beratung eine größere Rolle.
Aus den Ergebnissen leitet PwC sechs Handlungsfelder für Finanzdienstleister ab. Dazu zählen eine zielgruppengerechte Ansprache, Partnerschaften in Ökosystemen, die technische Umsetzung sowie eine transparente Kommunikation rund um Datenschutz und Datennutzung. Darüber hinaus empfiehlt das Unternehmen einen schrittweisen Ausbau von Open-Finance-Angeboten, beginnend mit alltagsnahen Produkten, sowie den Einsatz KI-gestützter Beratungsprozesse.
Harmsen sagt: „Etablierte Finanzdienstleister haben einen enormen Vertrauensvorsprung. Vertrauen ist eine echte ökonomische Währung. Jetzt kommt es darauf an, dieses Kapital in innovative, datengetriebene Angebote zu übersetzen, bevor neue Marktteilnehmer diese Lücke schließen.“














