EU AI Act erhöht den Druck: KI wird zum Prüfstein bei Unternehmenskäufen

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EU AI Act
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EU AI Act: Warum fehlende KI-Dokumentation Unternehmensbewertungen und M&A-Transaktionen erschweren kann.

Mit dem Inkrafttreten weiterer Vorschriften des EU AI Act ab 2. August 2026 wächst der Handlungsdruck für Unternehmen. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird zunehmend zum Thema bei Unternehmenskäufen und Unternehmensbewertungen. Wer seine KI-Systeme nicht transparent dokumentiert, riskiert Nachteile im Verkaufsprozess.

Ab dem 2. August 2026 gelten weitere zentrale Vorschriften des EU AI Act. Für viele Unternehmen rückt die europäische KI-Verordnung damit von einem regulatorischen Zukunftsthema in die operative Praxis. Neben Transparenz-, Dokumentations- und Kontrollpflichten rückt vor allem ein Bereich stärker in den Fokus: Unternehmenskäufe und -verkäufe.

Je nach Einsatz von Künstlicher Intelligenz müssen Unternehmen künftig nachvollziehbar dokumentieren, welche Systeme sie verwenden, wie diese regulatorisch einzuordnen sind und welche Risiken daraus entstehen. Verstöße gegen die Vorgaben können Bußgelder von bis zu 15 Millionen Euro oder drei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes nach sich ziehen.


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Bereits seit Februar 2025 gelten Verbote bestimmter KI-Praktiken sowie Vorgaben zur KI-Kompetenz. Seit August 2025 bestehen zusätzliche Regeln für Anbieter vielseitig einsetzbarer KI-Modelle. Weitere zentrale Anforderungen treten nun zum 2. August 2026 in Kraft. Für bestimmte Hochrisiko-KI-Systeme gelten spätere Fristen.

KI wird Teil der Due Diligence

Mit den neuen Vorgaben verändert sich auch die Unternehmensprüfung im Rahmen von Fusionen und Übernahmen. Neben finanziellen und rechtlichen Aspekten rückt der Umgang mit KI-Systemen stärker in den Mittelpunkt der Due Diligence.

„Käufer werden künftig genauer wissen wollen, welche KI-Systeme im Unternehmen eingesetzt werden, welche Daten sie nutzen, welche Anbieter beteiligt sind und ob daraus regulatorische oder wirtschaftliche Risiken entstehen“, erklärt Birger Nahs, Gründer und Managing Partner bei ox8 Corporate Finance.

Im Fokus stehen dabei unter anderem Datenflüsse, Zuständigkeiten, Abhängigkeiten von Drittanbietern sowie Eigentums- und Nutzungsrechte. Unklare Verantwortlichkeiten oder fehlende Kontrollprozesse können sich auf Unternehmensbewertungen und Vertragsverhandlungen auswirken.

Besonders betroffen sind Unternehmen, deren Geschäftsmodelle stark auf Daten, Automatisierung oder Entscheidungsunterstützung beruhen. Dazu zählen beispielsweise Softwareunternehmen, FinTechs, HealthTechs oder HR-Tech-Anbieter. „Denn den weitreichenden KI-Versprechen steht in der Praxis häufig keine ausreichende Dokumentation gegenüber“, so Nahs.

Fehlende Transparenz kann den Unternehmenswert belasten

Nach Einschätzung des M&A-Experten verfügen viele Unternehmen bislang nicht über einen vollständigen Überblick über ihren tatsächlichen KI-Einsatz. Mitarbeiter nutzen externe Anwendungen wie ChatGPT oder Claude, während Produkte auf cloudbasierten KI-Modellen oder Programmierschnittstellen aufbauen.

„Viele Unternehmen kommunizieren KI offensiv, haben aber keine vollständige Übersicht darüber, wo sie tatsächlich eingesetzt wird“, sagt Nahs. Fehle die Dokumentation über Datenquellen, Rechte oder technologische Abhängigkeiten, könne dies bei einer Unternehmensprüfung zu Unsicherheiten führen. „Genau das kann dann zu erheblichen Nachteilen in der M&A-Transaktion führen.“

Auch der Einsatz externer KI-Modelle stellt nach Einschätzung von Nahs grundsätzlich kein Problem dar. Entscheidend sei vielmehr, nachvollziehbar darzustellen, welche Bestandteile einer Lösung selbst entwickelt wurden und welche auf externen Modellen oder Infrastrukturen basieren.

„Kann nicht sauber abgegrenzt werden, was selbst entwickelt wurde und was im Kern auf zugekaufter Infrastruktur oder externen Modellen aufsetzt, schwächt das häufig die Verhandlungsposition des Verkäufers. Im Extremfall kann die Transaktion daran sogar scheitern – insbesondere dann, wenn sich im Rahmen der Due Diligence herausstellt, dass die vermeintlich eigene KI-Technologie überwiegend auf externen Modellen basiert und der selbst entwickelte Anteil deutlich geringer ist als ursprünglich angenommen.“

AI-Washing rückt stärker in den Fokus

Mit dem EU AI Act wächst auch die Bedeutung einer belastbaren Darstellung des eigenen KI-Geschäftsmodells. Käufer dürften künftig genauer hinterfragen, welche technologische Substanz tatsächlich vorhanden ist und ob die kommunizierten KI-Fähigkeiten nachvollziehbar belegt werden können.

Lassen sich regulatorische Risiken nicht eindeutig bewerten, können längere Prüfungsphasen sowie zusätzliche Garantien, Kaufpreiseinbehalte oder variable Kaufpreisbestandteile die Folge sein. Damit steigt auch das Risiko des sogenannten AI-Washings, also einer übertriebenen Darstellung der eigenen KI-Kompetenz.

Nahs sieht dennoch keinen Anlass zur Panik. „Die aktuellen Diskussionen erinnern an die Einführung der DSGVO. Auch damals war die Unsicherheit groß und viele Prozesse mussten erst entstehen. Entscheidend ist, dass Unternehmen jetzt nicht abwarten, sondern Struktur schaffen.“

Nach seiner Einschätzung werden sich mit zunehmender regulatorischer Erfahrung auch im M&A-Markt standardisierte Prüfungsprozesse etablieren. Unternehmen, die ihre KI-Systeme, Rechte und Abhängigkeiten frühzeitig dokumentieren, könnten dadurch regulatorische Risiken reduzieren und spätere Verkaufsprozesse effizienter gestalten.


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