US-Schuldenberg wächst: Warum hohe Realzinsen zum Risiko werden

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US-Anleihen unter Druck
Bild: KI-generiert mit ChatGPT / DALL·E
Steigende Realzinsen verteuern die US-Schulden. Welche Risiken und Chancen sich daraus für Anleiheanleger ergeben.

Die US-Staatsverschuldung hat erstmals 40 Billionen Dollar überschritten. Doch nicht ihre absolute Höhe, sondern steigende Realzinsen und der enorme Refinanzierungsbedarf bereiten Investoren Sorgen. Welche Eingriffe den Anleihemarkt stabilisieren könnten.

Die US-Staatsverschuldung hat am 19. August 2026 erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten. Vor zehn Jahren lag sie noch bei 19,4 Billionen Dollar. Allein im laufenden Fiskaljahr kamen nach Angaben von Ethenea Independent Investors 1,8 Billionen Dollar hinzu. Das Haushaltsdefizit erreichte im Juli mit 432,3 Milliarden Dollar den höchsten Monatswert seit März 2021.

Die absolute Höhe der Schulden ist nach Einschätzung von Jörg Held, Head of Portfolio Management bei Ethenea, jedoch nicht das Kernproblem. Die USA verfügen über eine eigene Notenbank und mit dem Dollar über die wichtigste globale Reservewährung. Entscheidend sei vielmehr, zu welchen Konditionen Washington seine fälligen Verbindlichkeiten refinanzieren könne.


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„Entscheidend ist vielmehr, wie Finanzministerium und Notenbank die wirtschaftspolitische Therapie anpassen, bevor die Zinskosten das Budget vollends erdrücken“, sagt Held. Die Zinsausgaben beanspruchen inzwischen rund 14 Prozent des US-Bundeshaushalts und liegen damit über dem Budget des staatlichen Krankenversicherungsprogramms Medicare.

Höhere Realzinsen verteuern die Refinanzierung

Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg am 18. August auf 5,34 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit April 2007. Viele auslaufende Papiere stammen aus der Niedrigzinsphase und müssen nun durch deutlich höher verzinste Neuemissionen ersetzt werden. Dadurch steigen die Ausgaben, das Defizit wächst und der Bedarf an neuen Krediten nimmt weiter zu.

Der Renditeanstieg ist laut Held nicht vor allem auf höhere Inflationserwartungen zurückzuführen. Die Differenz zwischen konventionellen und inflationsgeschützten US-Staatsanleihen mit 30 Jahren Laufzeit liegt seit rund vier Jahren stabil bei 2,2 Prozent. Der Markt erwartet demnach langfristig eine Rückkehr der Inflation zum Zielwert der US-Notenbank.

Deutlich verändert hat sich dagegen der Realzins. Er ist von minus 0,4 Prozent Ende 2021 auf fast drei Prozent gestiegen. Gleichzeitig nimmt Washington bei Vollbeschäftigung jährlich Kredite im Umfang von sechs bis sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf.

US-Staatsanleihen treffen auf stärkere Konkurrenz

Der hohe Kapitalbedarf großer Technologiekonzerne für den Ausbau von Rechenzentren und Dateninfrastruktur verschärft den Wettbewerb um Investoren. Zugleich reduzieren die Federal Reserve und ausländische Währungsbehörden ihre Anleihebestände und stehen als Käufer neuer Staatspapiere weniger stark zur Verfügung.

Finanzministerium und Notenbank haben nach Einschätzung von Held mehrere Möglichkeiten, extreme Renditeausschläge zu begrenzen. Dazu zählen Rückkäufe von Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen zehn und 30 Jahren sowie eine stärkere Verlagerung neuer Emissionen auf kürzere Laufzeiten.

Zusätzliche Nachfrage könnte durch gelockerte Eigenkapitalvorgaben für die acht größten US-Banken entstehen. Auch die gesetzlichen Deckungsvorgaben für Stablecoins im Rahmen des Genius Act könnten Schätzungen zufolge bis zu eine Billion Dollar zusätzliche Nachfrage am Geldmarkt schaffen. Hinzu kommen neue Zolleinnahmen zur Begrenzung des Defizits und mögliche Liquiditätshilfen der Federal Reserve bei Spannungen am kurzen Ende der Zinskurve.

Chancen bei Unternehmensanleihen

Für Anleger eröffnet das gestiegene Zinsniveau nach Einschätzung von Held Chancen bei erstklassigen Unternehmensanleihen. „Investoren können sich heute ein Portfolio erstklassiger Unternehmensanleihen mit attraktiven Renditen über viele Jahre sichern“, erklärt er.

Nach der langen Nullzinsphase erhalten Investoren damit wieder einen höheren Ausgleich für Laufzeitrisiken. Bei US-Staatsanleihen und dem Dollar rät Held wegen möglicher Eingriffe von Finanzministerium und Notenbank dagegen zur Zurückhaltung. Am Aktienmarkt empfiehlt er einen Fokus auf Unternehmen mit starken Bilanzen.


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