Die Festgeldzinsen für langfristige Anlagen haben einen Stand erreicht, den es seit 14 Jahren nicht mehr gab. Zehnjährige Festgelder bringen laut einer aktuellen Auswertung des Vergleichsportals Verivox im Schnitt 3,22 Prozent Zinsen. So viel gab es zuletzt im Juni 2012. Seit der jüngsten Leitzinserhöhung im September sind die Festgeldzinsen damit deutlich schneller gestiegen als in den Monaten zuvor. Verivox hat dafür die Konditionen von mehr als 800 Banken und Sparkassen ausgewertet.
Auch bei kürzeren Laufzeiten und beim Tagesgeld ziehen die Zinsen an. Festgeld mit zwei Jahren Bindung liegt im Mittel bei 2,76 Prozent, Tagesgeld-Bestandskunden erhalten im Schnitt 1,52 Prozent. Bei befristeten Neukundenangeboten sind zeitweise sogar bis zu 4,5 Prozent drin. Sparer, die ihre Konditionen vergleichen, können deshalb vom Wettbewerb zwischen den Banken profitieren.
| Anlageform | Zins Anfang September | Zins aktuell (26. Oktober 2026) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Festgeld, zwei Jahre Laufzeit | 2,55 Prozent | 2,76 Prozent | +0,21 Prozentpunkte |
| Festgeld, zehn Jahre Laufzeit | 2,97 Prozent | 3,22 Prozent | +0,25 Prozentpunkte |
| Tagesgeld, Bestandskunden | 1,40 Prozent | 1,52 Prozent | +0,12 Prozentpunkte |
Festgeldzinsen erreichen höchsten Stand seit 14 Jahren
Bei Festgeldangeboten mit zwei Jahren Laufzeit kletterte der Durchschnittszins binnen zwei Monaten von 2,55 auf 2,76 Prozent. Noch stärker zogen die Festgeldzinsen für eine Laufzeit von zehn Jahren an. Damit kletterte der Zins von 2,97 auf 3,22 Prozent - ein Niveau, das zuletzt im Juni 2012 erreicht wurde.
Unter den deutschen Instituten liegt die Badenia Bausparkasse mit 3,96 Prozent vorn. Banken mit Sitz im europäischen Ausland bieten teils noch mehr: Die niederländische Achmea Bank kommt auf 4,25 Prozent. „Zehnjährige Festgelder sind nicht für jeden geeignet, denn während der gesamten Laufzeit können Anleger nicht auf ihr Erspartes zugreifen“, erklärt Oliver Maier, der die Verivox Finanzvergleich GmbH leitet. „Doch für Gelder, die vor allem sicher angelegt sein sollen und zwischenzeitlich definitiv nicht benötigt werden, können sich Sparer aktuell langfristig sehr hohe Zinsen sichern.“ Maier weist zudem auf den Zinseszinseffekt hin. Er greift, wenn ein Anbieter die Zinsen nicht auszahlt, sondern automatisch weiter mitverzinst.
EZB-Leitzinsen und hohe Anleiherenditen treiben die Festgeldzinsen
Als Treiber der Festgeldzinsen nennt Verivox neben den beiden EZB-Leitzinsschritten des laufenden Jahres vor allem die gestiegenen Anleiherenditen. Banken können sich die Mittel für ihre vergebenen Kredite am Kapitalmarkt derzeit nur zu hohen Renditen beschaffen. Deshalb werden Spareinlagen als alternative Finanzierungsquelle attraktiver. Entsprechend groß ist der Wettbewerb der Institute um Einlagen, und das treibt die Sparzinsen zusätzlich nach oben.
Tagesgeld: Neukundenangebote knacken die Vier-Prozent-Marke
Während die Festgeldzinsen vor allem bei langen Laufzeiten deutlich zulegen, konzentriert sich der Wettbewerb beim Tagesgeld derzeit auf neue Kunden. Der aktuell höchste Zinssatz unter den befristeten Neukundenangeboten liegt bei 4,5 Prozent. Anfang September erreichten lediglich zwei Banken einen Zinssatz von vier Prozent oder mehr - inzwischen sind es acht. Die DKB, Deutschlands zweitgrößte Direktbank, hat ihre Aktion mit vier Prozent zum 20. Oktober beendet.
Laut Maier entwickelt sich die Schwelle von vier Prozent zunehmend zum Marktstandard für befristete Aktionsangebote. Damit werben Banken um neue Kunden und frisches Spargeld. Allerdings laufen die beworbenen Zinsen meist nur wenige Monate, danach sinkt der reguläre Zins spürbar. Manche Angebote setzen zudem ein zusätzliches Girokonto oder Wertpapierdepot voraus. Ohne solche Zusatzbedingungen bringt ein Tagesgeldangebot aktuell höchstens 4,1 Prozent Neukundenzins. Maier zufolge lohnen sich hohe Neukundenzinsen besonders für Sparer, die auch künftig bereit sind, für bessere Konditionen die Bank zu wechseln.
Bestandskundenzinsen beim Tagesgeld ziehen an
Beim Tagesgeld für Bestandskunden liegt das Zinsniveau bundesweit bei durchschnittlich 1,52 Prozent. Innerhalb von zwei Monaten kletterte dieser Wert um 0,12 Prozentpunkte. Einen derart kräftigen Sprung gab es in den vergangenen drei Jahren nicht. Dennoch reichen längst nicht alle Institute die gestiegenen Leitzinsen an ihre Tagesgeldkunden weiter. 283 der 816 von Verivox erfassten Banken und Sparkassen haben ihre Bestandskundenzinsen seit der ersten Leitzinserhöhung im Juni angehoben. 197 davon reagierten erst, als die EZB im September zum zweiten Mal an der Zinsschraube drehte.
„Viele Banken lassen sich eine Menge Zeit damit, steigende Marktzinsen beim Tagesgeld an die Sparer weiterzugeben“, sagt Maier. „Wer mit den Konditionen der Hausbank nicht mehr zufrieden ist, sollte sich nach Alternativen mit attraktiveren Zinsen umschauen und wechseln.“ Beim unbefristeten Tagesgeld, das für alle Kunden gleichermaßen gilt, zahlen deutsche Banken mit hiesigem Einlagenschutz aktuell maximal 2,75 Prozent.













