Wenn Bestnoten das Bild verzerren: Fünf Ratingagenturen distanzieren sich vom Metzler Meta-Rating

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Foto: AdobeStock/Rajiv
Einmalig für den Ratingmarkt: Fünf Wettbewerber sprechen mit einer Stimme gegen ein Produkt, das ihre eigenen Bewertungen als Datenbasis nutzt

Fünf große Rating- und Analysehäuser haben sich gemeinsam und öffentlich gegen das Meta-Rating der Metzler Ratings GmbH gestellt. Ihre Kritik trifft die Methodik im Kern: Nur Bestnoten fließen ein, der Produktbezug geht verloren. Und die Agenturen wurden nie gefragt.

Die fünf bekannten Analysehäuser Ascore, Assekurata, Franke und Bornberg, das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) sowie Morgen & Morgen haben eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht, in der sie sich ausdrücklich vom Meta-Rating der Metzler Ratings GmbH für Lebens- und Krankenversicherungen distanzieren. Der Schritt ist in der Ratingbranche ungewöhnlich und bislang einmalig: Fünf Wettbewerber sprechen mit einer Stimme gegen ein Produkt, das ihre eigenen Bewertungen als Datenbasis nutzt und die fünf Häuser namentlich als Quellen aufführt.


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Ausgangspunkt der Kritik: Metzler Ratings aggregiert öffentlich verfügbare Ratingergebnisse der Agenturen, ohne diese zuvor einzubeziehen. „Die Meta-Ratings sind von uns weder geprüft noch autorisiert oder freigegeben“, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme. Die Nutzung der Ergebnisse erfolge ohne vorherige Abstimmung und ohne angemessene Berücksichtigung des jeweiligen fachlichen, methodischen und produktbezogenen Kontexts.

Besonderes Gewicht legen die Unterzeichner auf einen methodischen Einwand mit unmittelbaren Folgen für Verbraucher: Metzler Ratings zieht zur Aggregation jeweils nur die Bestwertungen eines Anbieters heran. Nahezu alle Versicherer hätten aber auch deutlich schwächere Produkte im Angebot. Eine Aggregation allein der Spitzenbewertungen führe deshalb zu einem verzerrten Bild, das die tatsächliche Produktpalette eines Hauses nicht abbildet.

Anbieterurteil statt Produktbewertung

Das Problem hat eine strukturelle Dimension: Das Meta-Rating zeichnet Anbieter aus, Verbraucher schließen aber Produkte ab. Wer aufgrund einer Spitzenplatzierung auf einen Versicherer zugeht, erhält dort nicht automatisch dessen bestbewertetes Produkt. Welche Produkte dem Gesamturteil tatsächlich zugrunde liegen, lässt sich dem Meta-Rating nach Einschätzung der Agenturen nicht mehr entnehmen, weil genau diese Information im Aggregationsprozess verloren geht.

Jedes der beteiligten Häuser weist zu seinen Bewertungen Produktbezeichnung und Tarifstand aus. Im Metzler-Ansatz sei das nicht mehr nachvollziehbar. Die Agenturen beanstanden zudem, dass moderne Produktratings neben den Versicherungsbedingungen zunehmend auch Kriterien wie Leistungspraxis, Stabilität und Finanzstärke berücksichtigen.

Wenn Metzler Ratings zusätzlich Bonitätsratings in das Meta-Rating einbezieht, entstehen nach Ansicht der Unterzeichner Mehrfachbewertungen einzelner Qualitätsdimensionen. Das laufe dem erklärten Ziel des Ansatzes zuwider, einzelne Teilaspekte nicht überzugewichten.

Bonitätsratings und Scores nicht gleichrangig

Ähnliche Vorbehalte äußern die Unterzeichner zur Kategorie Finanzstärke. Dort werden zwei grundlegend verschiedene Bewertungsformen zusammengeführt: Bonitätsratings von unter der europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA registrierten Credit Rating Agencies einerseits und von Metzler Ratings selbst entwickelte Kennzahlenbewertungen andererseits. Bonitätsratings unterliegen den Vorgaben der EU-Ratingverordnung und werden von der ESMA beaufsichtigt; kennzahlenbasierte Bewertungen oder Scores grundsätzlich nicht. Beide Bewertungsarten gleichrangig nebeneinanderzustellen, sei methodisch kritisch und nach Rechtsauffassung der Unterzeichner nur unter den Voraussetzungen der EU-Ratingverordnung zulässig.

In ihrer gemeinsamen Stellungnahme formulieren die fünf Häuser eine grundsätzliche Position: Ein Meta-Rating könne originäre Ratings nicht ersetzen. Seine Aussagekraft hänge unmittelbar von der Qualität, Aktualität und dem fachlichen Kontext der zugrunde liegenden Bewertungen ab. Das Versprechen, durch Aggregation die besten Anbieter zu identifizieren, lasse sich ohne diesen Kontext nicht einlösen.

Die Agenturen wenden sich ausdrücklich an die Fachpresse und bitten darum, bei künftiger Berichterstattung über das Metzler Meta-Rating kenntlich zu machen, dass die genannten Häuser ihre Ergebnisse dafür weder bereitgestellt noch geprüft oder freigegeben haben. Als koordinierender Ansprechpartner für Hintergrundgespräche steht Michael Franke von Franke und Bornberg zur Verfügung.

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