Morgen & Morgen hat das M&M Rating KV-Unternehmen 2026 veröffentlicht. Für die Analyse wurden 30 private Krankenversicherer anhand ihrer Unternehmenskennzahlen aus den Bilanzjahrgängen 2021 bis 2025 bewertet. Das Ergebnis zeigt ein differenziertes Bild: Die Branche bleibt insgesamt solide aufgestellt. Allerdings hinterlassen die steigenden Leistungsausgaben zunehmend Spuren in den Kennzahlen.
Alles in allem erreichten sieben der 30 untersuchten Unternehmen m Gesamtrating die Höchstnote von fünf Sternen: Allianz, Alte Oldenburger, R+V, LVM, Signal Iduna, Universa und VGH Provinzial. Weitere 15 werden mit vier Sternen bewertet. Sechs Gesellschaften erhalten drei Sterne, zwei weitere PKV-Anbieter – Concordia und Nürnberger – erhielten zwei Sterne. Ein-Stern-Bewertungen hat das Analysehaus für diesen Rating-Jahrgang nicht vergeben. Insgesamt erzielen damit 22 von 30 Unternehmen eine sehr gute oder ausgezeichnete Bewertung.

Im Jahresvergleich verschiebt sich die Verteilung leicht: Die Zahl der Fünf-Sterne-Unternehmen sinkt von neun auf sieben, während die Zahl der Vier-Sterne-Gesellschaften von zwölf auf 15 steigt. Das Qualitätsniveau insgesamt bleibt damit hoch.
Solvabilität hoch – RfB-Quoten weiter rückläufig
Am stärksten schneidet die Branche im Teilrating Sicherheit ab. 16 der 30 Unternehmen erreichen hier die volle Sternzahl. Die Solvency-II-Quoten liegen bei allen betrachteten Versicherern deutlich über den regulatorisch erforderlichen 100 Prozent und bleiben auf vergleichbarem Niveau wie im Vorjahr. Die finanzielle Stabilität bleibt damit eine besondere Stärke der PKV-Branche.
Gleichzeitig zeigen einzelne HGB-Kennzahlen eine rückläufige Entwicklung. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote sinkt erneut leicht von 14,9 auf 13,9 Prozent. Stärker ins Gewicht fällt der weitere Rückgang bei der Rückstellung für Beitragsrückerstattung: Die RfB-Quote fällt von 31,1 auf 28 Prozent, die RfB-Zuführungsquote von 7,5 auf sieben Prozent. Hintergrund sind die gestiegenen Leistungsausgaben, die zu geringeren Zuführungen führen – und höhere Entnahmen aus der RfB nötig machen, um Beitragsanpassungen abzumildern.
Bei den Bewertungsreserven setzt sich nach einer kurzen Erholung in den Vorjahren wieder eine schwächere Entwicklung durch. Die durchschnittliche Bewertungsreservequote verschlechtert sich von -2,4 auf -4,1 Prozent. Im Marktdurchschnitt überwiegen damit weiterhin stille Lasten, einzelne Versicherer verfügen jedoch über positive Reserven.
Versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote stabilisiert sich leicht
Im Teilrating Erfolg fällt das Bild gemischter aus. Die Nettoverzinsung liegt mit durchschnittlich 2,7 Prozent stabil auf Vorjahresniveau, die Überzinsquote verharrt bei durchschnittlich 0,7 Prozent. Damit gelingt es der Mehrheit der Versicherer weiterhin, ihre Rechnungszinsanforderungen aus den Kapitalerträgen zu finanzieren. Der durchschnittliche Rechnungszins in den Beständen steigt nach mehreren Jahren mit fallender Tendenz erstmals wieder leicht auf rund 2,1 Prozent; Abschluss- und Verwaltungskostenquote gehen minimal zurück.

Die versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote erholt sich leicht von sieben auf 7,6 Prozent, bewegt sich aber laut Morgen und Morgen weiterhin auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Nach den starken Rückgängen der vergangenen Jahre deutet das auf eine gewisse Stabilisierung hin – der Druck aus den steigenden Leistungsausgaben bleibt jedoch bestehen. Im Teilrating Erfolg erreichen sieben Unternehmen die Höchstnote, zehn erhalten vier Sterne.
PKV gewinnt im Bestand wieder an Dynamik
Die Bestandsentwicklung fällt insgesamt positiv aus. Die durchschnittliche Wachstumsrate der natürlichen Personen in der Vollversicherung steigt von 0,3 auf 0,5 Prozent. Das Wachstum entsteht dabei nicht nur über Beitragsanpassungen, sondern auch durch eine steigende Zahl versicherter Personen. Auch die Ergänzungsversicherung bleibt mit durchschnittlich 2,2 Prozent auf Expansionskurs, wenn auch etwas unterhalb des Vorjahreswerts von 2,7 Prozent. Zehn Unternehmen erhalten im Teilrating Bestand die Höchstnote.
In die Bewertung fließt die Vollversicherung mit 60 Prozent, die Ergänzungsversicherung mit 40 Prozent ein. Einzelne Versicherer erzielen der Analyse zufolge sowohl in der Voll- als auch in der Zusatzversicherung deutlich überdurchschnittliche Wachstumsraten.
Insgesamt gut aufgestellt
„Das Rating zeigt sehr gut die unterschiedlichen Kräfte, die derzeit auf die PKV-Unternehmen wirken: Die Bestände entwickeln sich positiv und die Solvabilität bleibt hoch. Gleichzeitig hinterlassen die gestiegenen Leistungsausgaben deutliche Spuren in den Unternehmenskennzahlen. Insgesamt zeigt sich die Branche diesen Herausforderungen gegenüber aber weiterhin solide aufgestellt“, resümiert Thorsten Saal, Bereichsleiter Mathematik und Rating bei Morgen & Morgen.
Mit Blick auf die kommenden Jahre verweist Saal auf anhaltende Belastungsfaktoren wie medizinischen Fortschritt, allgemeine Kostensteigerungen im Gesundheitswesen und die geplante GOÄ-Novellierung: „Sollte sich der Trend steigender Leistungsausgaben fortsetzen, wird sich das auch künftig in den Unternehmenskennzahlen widerspiegeln und weitere Beitragsanpassungen wahrscheinlicher machen. Gleichzeitig zeigt das Rating, dass die Branche insgesamt gut aufgestellt ist. Unsere Aufgabe ist es, diese Entwicklungen frühzeitig auf Basis objektiver Daten sichtbar und vergleichbar zu machen.“
Die Ergebnisse hat Morgen und Morgen auf seiner Webseite veröffentlicht.













