Map-Report 945: Inter, Signal Iduna und Allianz führen das PKV-Bilanzrating an

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Michael Franke
Foto: Franke und Bornberg
Michael Franke, Geschäftsführer von Franke und Bornberg: "Ein Rating ist kein starres Gebilde. Märkte verändern sich, Geschäftsmodelle entwickeln sich weiter, und auch die Aussagekraft einzelner Kennzahlen muss regelmäßig hinterfragt werden."

Franke und Bornberg hat das Map-Report Bilanzrating Private Krankenversicherung 2025 neu ausgerichtet und die Methodik an mehreren Stellen angepasst. Nur drei von 30 bewerteten Versicherern schaffen die Bestnote „mmm+". Die Branche zeigt sich wirtschaftlich robust, unter der Oberfläche offenbart die Analyse aber ein deutlich differenzierteres Bild.

Im neu justierten Bilanzrating Private Krankenversicherung 2025 des Map-Report von Franke und Bornberg schaffen nur drei von 30 bewerteten Versicherern die Höchstnote „mmm+“: die Inter Krankenversicherung (259,5 Punkte, 86,5 Prozent), die Signal Iduna Krankenversicherung (258,0 Punkte, 86,0 Prozent) und die Allianz Private Krankenversicherungs (255,5 Punkte, 85,2 Prozent). Grundlage ist eine überarbeitete Methodik mit neu gewichteten Bilanzkennzahlen, die maximal 300 Punkte ergeben können.


Das könnte Sie auch interessieren:

„Ein Rating ist kein starres Gebilde. Märkte verändern sich, Geschäftsmodelle entwickeln sich weiter, und auch die Aussagekraft einzelner Kennzahlen muss regelmäßig hinterfragt werden“, sagt Michael Franke, geschäftsführender Gesellschafter von Franke und Bornberg und Herausgeber des map-report.

In der überarbeiteten Methodik ersetzt die Überschussleistungsquote die bisherige RfB-Zuführungsquote und bezieht nun auch Mittel nach Paragraf 150 VAG ein. Hinzu kommt die RfB-Einsatzquote, die misst, in welchem Umfang Versicherer RfB-Mittel tatsächlich für Beitragsentlastungen und Barausschüttungen einsetzen. Die Vorsorgequote wird nicht mehr eigenständig bewertet, da ihre Höhe stark vom Alter des Versichertenbestands abhängt.

Das Wachstum der Vollversicherten erhält ein höheres Gewicht, erstmals fließt auch das Wachstum der Zusatzversicherten in die Bewertung ein. Die Nettorendite wird stärker gewichtet, die Überschussverwendungsquote und die Abschlusskostenquote geringfügig weniger. Da private Krankenversicherungsverträge in der Regel über Jahrzehnte laufen, werden alle zwölf Kennzahlen als Fünfjahresdurchschnitte der Jahre 2021 bis 2025 berechnet. Das glättet kurzfristige Ausschläge, ohne sie vollständig auszublenden.

Notenspiegel: Breites Mittelfeld, wenige Spitzenreiter

Der Map-Report vergibt fünf Bewertungsstufen von „mmm+“ (hervorragend, ab 85 Prozent) bis „m-“ (ausreichend, unter 55 Prozent). 13 der 30 bewerteten Versicherer kommen nicht über „m“ hinaus. Drei erhalten „mmm“, elf „mm“, neun „m“ und vier „m-„.

Knapp am Sprung ins Spitzenfeld vorbei schrammt die Universa Krankenversicherung mit 254,0 Punkten (84,7 Prozent), gerade einen Punkt unter der Schwelle zu „mmm+“. Zusammen mit der LVM Krankenversicherung (240,5 Punkte, 80,2 Prozent) und der Alte Oldenburger Krankenversicherung (238,0 Punkte, 79,3 Prozent) bildet sie die Gruppe der mit „mmm“ bewerteten Versicherer. LVM und Alte Oldenburger werden durch deutlich gesunkene Bewertungsreserven belastet: Die LVM weist für 2025 eine Bewertungsreservequote von minus 5,16 Prozent aus, die Alte Oldenburger minus 5,22 Prozent.

Für die Inter Krankenversicherung ist der Sprung an die Spitze besonders bemerkenswert. Im Vorjahr kam sie unter der alten Methodik auf 238,0 Punkte und damit auf die Bewertung „mmm“. Wegen der überarbeiteten Bewertungsmethodik sind die Ergebnisse allerdings nicht direkt mit denen des Vorjahres vergleichbar.

Wirtschaftlich zeigt sich die PKV-Branche insgesamt robust, so der neue Report. Die verdienten Bruttobeiträge stiegen 2025 um 8,36 Prozent auf 54,63 Milliarden Euro, nach einem Zuwachs von rund 4,27 Prozent im Vorjahr. Die Zahl der Vollversicherten wuchs zum dritten Mal in Folge auf 8.788.880 Personen, ein Plus von 46.860 Personen (0,54 Prozent). Marktweit stieg die Zahl der Zusatzversicherten, ohne Auslandsreisekranken- und Beihilfeablöseversicherungen, um 2,79 Prozent. 25 Versicherer mit verfügbaren Werten verzeichneten hier ein Plus.

RfB-Puffer und Bewertungsreserven im Minus

Auf der Kostenseite entspannt sich die Lage leicht. Die Verwaltungskostenquote sank im Marktdurchschnitt von 2,23 auf 2,11 Prozent, die Abschlusskostenquote von 7,21 auf 7,03 Prozent, obwohl die absoluten Aufwendungen in beiden Positionen weiter stiegen. Die Schadenquote sank von 83,40 auf 82,90 Prozent, da die Beiträge kräftiger wuchsen als die Leistungsausgaben. Der Druck auf der Leistungsseite bleibt damit hoch. Die versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote verbesserte sich von 7,10 auf 7,80 Prozent.

Der RfB-Puffer schmilzt weiter. Die RfB-Quote, die den Bestand an Rückstellung für Beitragsrückerstattung in Prozent der verdienten Bruttobeiträge misst, sank von 30,67 auf 27,53 Prozent, obwohl der erfolgsabhängigen RfB 2025 mit rund 3,77 Milliarden Euro gut zwei Prozent mehr zugeführt wurden als im Vorjahr. Die Überschussverwendungsquote blieb mit 88,23 Prozent nahezu unverändert.

Die marktweite Bewertungsreservequote sank von minus 1,96 auf minus 3,62 Prozent. Im für das Rating relevanten Fünfjahresdurchschnitt liegt sie inzwischen bei minus 0,23 Prozent. 20 der 30 gerateten Versicherer erhalten in dieser mit bis zu 30 Punkten gewichteten Kennzahl keine Punkte mehr — in früheren Jahrgängen war sie noch ein bedeutender Beitrag zur Gesamtbewertung.

Kapitalerträge steigen, Wechselgeschäft im Blick

Gegenläufig entwickeln sich die Kapitalerträge. Die Nettorendite stieg im Marktdurchschnitt von 2,70 auf 2,76 Prozent, die laufende Durchschnittsverzinsung von 2,78 auf 3,04 Prozent. Die Allianz erzielte 2025 die höchste Nettorendite mit 3,91 Prozent. Im für das Rating maßgeblichen Fünfjahreszeitraum liegt die Inter mit 3,87 Prozent vorn, vor der Allianz mit 3,51 Prozent.

Die Alterungsrückstellungen der Branche wuchsen 2025 um 4,10 Prozent auf 355,97 Milliarden Euro und entsprechen damit rund 92 Prozent der gesamten Kapitalanlagen von 386,83 Milliarden Euro. Die größte Alterungsrückstellung weist weiterhin die Debeka Krankenversicherungsverein a.G. mit 57,22 Milliarden Euro aus, vor der DKV Deutsche Krankenversicherung AG mit 47,99 Milliarden Euro und der Allianz mit 34,19 Milliarden Euro.

Nicht das gesamte Bestandswachstum in der Vollversicherung ist echtes Neugeschäft. Ein Teil davon ist reines Wechselgeschäft zwischen Versicherern. Seit der Gesundheitsreform 2009 dürfen Versicherte, sofern ihr Vertrag ab dem 1. Januar 2009 abgeschlossen wurde, bei einem Tarif- oder Anbieterwechsel einen gesetzlich definierten Teil ihrer Alterungsrückstellungen mitnehmen.

2025 erzielte die HanseMerkur mit einem Saldo aus erhaltenen und abgeführten Alterungsrückstellungen von 63,05 Millionen Euro den höchsten Nettozugewinn im Markt, vor der Arag mit 21,95 Millionen Euro. Kritisch wird dieses Wechselgeschäft dann, wenn vor allem gute Risiken den Versicherer verlassen und weniger attraktive Risiken im Bestand zurückbleiben, mit der möglichen Folge steigender Beiträge für die verbleibenden Versicherten.

„Gerade die Bewertungsreserven zeigen, wie stark das Zinsumfeld auf die Bilanzen wirkt. Die jüngste Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) um 25 Basispunkte kann den Druck zusätzlich erhöhen. Steigende Marktzinsen drücken die Kurse älterer Anleihen und erschweren damit eine Erholung der Reserven“, meint Reinhard Klages, Leitung Ratings Unternehmenskennzahlen bei Franke und Bornberg. Medizinische Innovationen und neue Technologien schlagen sich wegen ihrer hohen Preise direkt in den Bilanzen nieder. Gemeinsam mit vermeidbaren Eingriffen und überdurchschnittlich teuren Arzneimitteln gehören sie zu den dauerhaften Kostentreibern.

Das Wichtigste im Überblick

KategorieKennzahl / Befund
Analysierte Versicherer30
Bewertungsmethodik12 Bilanzkennzahlen, max. 300 Punkte, Fünfjahresdurchschnitt 2021–2025
Topnote „mmm+“Inter (259,5 Pkt. / 86,5 %), Signal Iduna (258,0 Pkt. / 86,0 %), Allianz (255,5 Pkt. / 85,2 %)
Note „mmm“Universa (254,0 Pkt.), LVM (240,5 Pkt.), Alte Oldenburger (238,0 Pkt.)
Notenverteilung gesamt3× mmm+, 3× mmm, 11× mm, 9× m, 4× m-
Bruttobeiträge 202554,63 Mrd. Euro (+8,36 % gegenüber Vorjahr)
Vollversicherte8.788.880 Personen (+0,54 % / drittes Plus in Folge)
Zusatzversicherte+2,79 % marktweit
VerwaltungskostenquoteGesunken von 2,23 auf 2,11 %
AbschlusskostenquoteGesunken von 7,21 auf 7,03 %
SchadenquoteGesunken von 83,40 auf 82,90 %
Vers.geschäftl. ErgebnisquoteVerbessert von 7,10 auf 7,80 %
RfB-QuoteGesunken von 30,67 auf 27,53 %
Bewertungsreservequote (2025)–3,62 % (Vorjahr: –1,96 %)
Versicherer ohne Punkte in Bewertungsreserve20 von 30
Nettorendite (Markt)Gestiegen von 2,70 auf 2,76 %
Höchste Nettorendite 2025Allianz (3,91 %)
Höchste Nettorendite 5-JahresInter (3,87 %), Allianz (3,51 %)
Alterungsrückstellungen355,97 Mrd. Euro (+4,10 %)
Höchster Nettozugewinn WechselgeschäftHanseMerkur (63,05 Mio. Euro), Arag (21,95 Mio. Euro)


Top-Ergebnisse bei Markt-Mediastudien


Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments