Die Auswirkungen des Iran-Krieges werden in der Eurozone immer sichtbarer und die jüngsten Konjunkturdaten sollten der Europäischen Zentralbank klar zeigen, dass der Energiepreisschock bereits ohne Zinserhöhung die Binnennachfrage dämpft und damit perspektivisch auch die Inflation. Der Service-PMI ist im freien Fall und im April auf 47,4 Punkte deutlich in den Kontraktionsbereich gefallen. Zudem zeigt die größte Volkswirtschaft der Eurozone, Deutschland, zunehmend Auflösungserscheinungen. Die Wachstumsprognose wurde von der Bundesregierung einmal mehr reduziert und auf 0,5 Prozent für dieses Jahr trotz Sondervermögen halbiert, ebenso zeichnen die Ifo-Geschäftserwartungen von heute ein düsteres Bild.
Für jeden klar denkenden Volkswirt dürfte mit diesen Zahlen auch die Frage nach einer möglichen Zinserhöhung beantwortet sein: Die Krise schafft bereits einen dauerhaften Nachfragerückgang („Demand Destruction“), dazu braucht es keine EZB-Zinserhöhung. Deshalb wird die Notenbank in der kommenden Woche weitere Zeit gewinnen wollen und auch für den Juni noch keine Zinserhöhung offen ankündigen. Sie wird diese Option aber andiskutieren, denn einige Ratsmitglieder wollen in jedem Fall vermeiden, sich wie 2022 vorwerfen lassen zu müssen, zu spät auf die Inflationsentwicklung reagiert zu haben. Ob die EZB die Geldpolitik im Juni dann wirklich strafft, ist offener denn je.
Für die US-Notenbank mit einer starken, ölunabhängigen Ökonomie im Hintergrund ist die Situation einfacher. Auch hier erwarten wir ein „on hold“ mit Betonung der Tatsache, dass die Fed derzeit gut positioniert ist. Wir erwarten, dass wie immer lediglich der „Trump-Vertreter“ Stephen Miran für eine Zinssenkung votieren wird. Das zeigt, dass sich das Board äußerst einig sein dürfte.
Autor Dr. Eckhard Schulte ist Vorstandsvorsitzender MainSky Asset Management.













