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23. November 2010, 10:31
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Stabilitätspakt stand drauf, Transferunion wird drin sein

Die Halver-Kolumne

Sicherlich hat Deutschland mit Stabilitätspolitik in Theorie und Praxis gute Erfahrungen gemacht. Heute ist Deutschland Bestandteil der großen eurozonalen Familie. Diese macht im Moment allerdings weniger durch Stabilitätsverhalten von sich reden.

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Cash.-Kolumnist Robert Halver

Im Gegenteil, Tante Olympia aus Griechenland, Onkel Luis aus Portugal und vor allem unser enfant terrible Onkel Patrick aus Irland haben sich vom einst tugendhaften Chorgeist verabschiedet und zertrümmern das feine stabilitätspolitische Familiengeschirr mit Inbrunst.

Was ist die Rolle des stabilitätsmoralischen Übervaters Otto aus Deutschland?

Welche Rolle kommt jetzt dem stabilitätsmoralischen Übervater Otto aus Deutschland zu? Eigentlich hat er nur die Wahl zwischen zwei Übeln. Zunächst kann er auf die Einhaltung der reinen Stabilitätslehre pochen: Jedes Familienmitglied soll selbst harte Maßnahmen ergreifen, um sich aus den instabilen Verhältnissen zu befreien. Dieses Ansinnen führt allerdings zunehmend zu Widerständen bei Onkel und Tanten, die es jetzt schon kaum mehr schaffen, ihren darbenden Angehörigen das Rezessionssparen zu verkaufen. Ein gewisser Euro-Skeptizismus ist bereits heute zu spüren.

Die Finanzmärkte als böse Nachbarn haben im Übrigen nichts Besseres zu tun, als auf die stabilitätspolitische Uneinigkeit innerhalb der Großfamilie hinzuweisen und so mit verschärften Kreditbedingungen den Familienkonflikt weiter zu schüren. Unterstützt werden sie dabei von Vater Otto selbst, der den moralischen Zeigefinger an den falschen, politisch sehr unglücklichen Stellen hebt. Insgesamt riskiert man damit ein endgültiges Familienzerwürfnis und im Extremfall sogar Austritte aus der Euro-Sippe.

Und da die Mitgliedschaft in der Eurozone wie eine Ehe ohne Ehevertrag ausgestaltet ist, täte Scheiden auch dem deutschen Familienstrang finanziell weh. Denn wir würden nicht nur als Bürge der Großfamilie gewürgt. Wer von der buckligen Verwandtschaft hätte dann Euros übrig, um in Vater Ottos Exportladen einzukaufen?

Auf dem stabilen Weg in die Transferunion

Vater Otto bleibt am Ende des Tages nur die Option, die euroländische Familienstimmung zu heben. Und das geht immer noch am besten, indem man Gnade vor Stabilitätsrecht gelten lässt und das dicke Portemonnaie zückt.

So oder so kommen wir also um Apanagen nicht herum. Aber Hand aufs Herz: Es ist besser, dies über Export-Entwicklungshilfe zu tun als in Form kostspieliger Aufräumarbeiten nach einem handfesten Familieneklat. Man mag einwenden, dass damit die ehemaligen eisernen Stabilitätsgrundsätze – den Älteren unter uns sind die Maastricht-Kriterien noch ein Begriff – wachsweich werden. Deren Einhaltung ist aber aus Gründen des süßen Familienfriedens ein unbezahlbarer Luxus geworden.

Aber grämen wir uns nicht: Denn ist die Familie gesund, freut sich auch der deutsche Export.

Robert Halver leitet die Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Mit Wertpapieranalyse und Anlagestrategien beschäftigt er sich seit Abschluss seines betriebswirtschaftlichen Studiums 1990. Halver verfügt über langjährige Erfahrung als Kapitalmarkt- und Börsenkommentator und ist durch regelmäßige Medienauftritte bei Fernseh- und Radiostationen, auf Fachveranstaltungen und Anlegermessen sowie durch Fachpublikationen präsent.

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Foto: Baader Bank

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