7. November 2014, 08:14
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Bewertungsreserven: Arme, reiche Lebensversicherer?

Im kommenden Jahr werden die Weichen in der Assekuranz durch die Reform der Lebensversicherung komplett neu gestellt. Im Zuge der Neuregelung der Bewertungsreserven ist eine Debatte darum entbrannt, wie die tatsächliche finanzielle Lage der Lebensversicherer zu beurteilen ist.

Bewertungsreserven

Verfügen die Lebensversicherer über hohe Reserven oder nicht? Daran scheiden sich die Geister.

Was die Politiker mit der deutschen Versicherungswirtschaft und ihren Kunden in diesem Sommer angestellt haben, lässt sich unterschiedlich deuten. So hat die Verabschiedung des Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) ein geteiltes Echo hervorgerufen.

Verbraucherschützer entsetzt

Dies gilt insbesondere für die im LVRG verankerte Neuregelung der Beteiligung der Kunden an den Bewertungsreserven auf festverzinsliche Wertpapiere: Während es die Assekuranz einhellig begrüßte, dass die Besitzer von Lebensversicherungen künftig deutlich weniger Anteile an den stillen Reserven der Versicherer erhalten, zeigten sich die Verbraucherschützer entsetzt.

Der Bund der Versicherten (BdV) schrieb sogar einen Brief an den Bundespräsidenten, verbunden mit der Bitte, das LVRG aufgrund “verfassungsrechtlicher Bedenken” tunlichst nicht zu unterschreiben.

Joachim Gauck tat es trotzdem und somit ist das Gesetz am 7. August 2014 in Kraft getreten. Und es ist auch nicht zu erwarten, dass die vom BdV unterstützte Online-Petition “Kunden von Kapitallebensversicherungen müssen weiterhin an stillen Reserven beteiligt werden” daran etwas ändern könnte.

Die Übergabe des 168-seitenstarke Dokuments an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages im September hatte eher symbolischen Charakter, denn tatsächlich folgten dem Aufruf nur 8.864 Bundesbürger – das entspricht weniger als 0,01 Prozent der mehr als 80 Millionen Menschen, die in Deutschland eine Lebensversicherungspolice in der Schublade liegen haben.

Kritik an Gesetzgebungsverfahren

Sei es drum: BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein ließ sich die gute Stimmung nicht verhageln: “Es freut mich, dass so viele Menschen diese Möglichkeit der Teilhabe und Mitbestimmung genutzt haben. So ein lebendiges Demokratieverständnis hätte ich mir auch von der Bundesregierung gewünscht.”

Damit spielt Kleinlein auf das hohe Tempo des Gesetzgebungsverfahren an. So wurde den Interessengruppen nur wenige Tage Zeit eingeräumt, um sich zum geplanten Reformwerk zu äußern. Vor allem das Kernstück des LVRG, die Neuregelung der Bewertungsreserven, ist alles andere als trivial.

Sie sieht vor, dass die Versicherer künftig nur noch jene Reserven zur Hälfte an ausscheidende Kunden ausschütten müssen, die den sogenannten Sicherungsbedarf übersteigen. Das ist der Betrag, der im jeweils aktuellen Zinsumfeld erforderlich ist, um die zugesagten Leistungen und Garantien zu sichern.

Was viele nicht wissen: An den Bewertungsreserven von Aktien oder Immobilien bleiben ausscheidende Kunden wie bisher auch zur Hälfte beteiligt. Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sind etwa 62 der knapp 88 Millionen Lebens- und Rentenversicherungspolicen von der Neuregelung betroffen.

Buchgewinne deutlich gestiegen

Bewertungsreserven entstehen immer dann, wenn der aktuelle Marktwert eines Wertpapiers oberhalb des ursprünglichen Kaufpreises liegt. Bei festverzinslichen Wertpapieren sind diese sogenannten Buchgewinne aufgrund des Zinsrückgangs an den Kapitalmärkten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Die Versicherungswirtschaft spricht deshalb gerne von “Scheingewinnen“, denn der Wertzuwachs jedes festverzinslichen Papiers sei – anders als bei Aktien oder Immobilien – nur vorübergehend.

Je näher der Zeitpunkt rücke, zu dem ein festverzinsliches Papier fällig werde, desto stärker gehe sein Wert auf das Ausgangsniveau zurück, erklärt der GDV. “Die Bewertungsreserven sind am Ende der Laufzeit immer gleich Null.”

Versicherer lösen Wertpapiere auf

Doch bei manchen Lebensversicherern liegt der Ablaufzeitpunkt der festverzinslichen Anlagen noch so weit in der Zukunft, dass sie offenbar die Gelegenheit genutzt haben, Kasse zu machen.

Nach einer aktuellen Untersuchung des Ludwigshafener Betriebswirtschaftsprofessors Hermann Weinmann konnten die meisten der zwölf größten deutschen Lebensversicherer durch den Verkauf hochverzinslicher Wertpapiere hohe Gewinne einstreichen.

Seite zwei: “Reiche Lebensversicherer”?

Weiter lesen: 1 2

Sorry, the comment form is closed at this time.



 

Versicherungen

Allianz: Dental-Zusatzversicherungen ohne Wartezeit überzeugen im Vertrieb

Die zum 1. Januar 2020 eingeführten Allianz Dental-Zusatztarife ohne Wartezeiten kommen beim Vertrieb und Kunden gut an. Das zeigen die Halbjahreszahlen, die die Allianz Private Krankenversicherungen jetzt veröffentlicht hat.

mehr ...

Immobilien

Urteil: Hausverkäufer haftet nicht für investierte Kosten von Kaufinteressenten

Kaufinteressenten, die bereits vor Abschluss eines notariellen Kaufvertrags Ausgaben tätigen, um den Wert der Immobilie zu prüfen, tun dies auf eigenes Risiko. Sie bekommen die Kosten beim Scheitern der Kaufverhandlungen im Normalfall nicht vom Eigentümer ersetzt. Die W&W-Tochter Wüstenrot Immobilien weist auf ein Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf (24 U 21/19) hin.

mehr ...

Investmentfonds

Bafin verdächtigt Wirecard-Ex-Chef Braun des Insiderhandels

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin verdächtigt Ex-Wirecard-Chef Markus Braun des unerlaubten Insiderhandels angesichts eines millionenschweren Aktienverkaufs kurz vor dem Insolvenzantrag. Diesen Verdacht habe die Behörde der Staatsanwaltschaft München angezeigt, bestätigte eine Bafin-Sprecherin am Mittwoch auf Anfrage entsprechende Berichte.

mehr ...

Berater

Vermittler erwarten Rückgang des Provisionsumsatzes um 14 Prozent

Der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung hat Ende Juni eine zweite “Corona-Umfrage” durchgeführt, an der 461 Mitglieder teilgenommen haben. Das Ergebnis: Offenbar werden die Makler wieder optimistischer.

mehr ...

Sachwertanlagen

Lloyd Fonds besorgt sich fünf Millionen Euro am Kapitalmarkt

Der Asset Manager Lloyd Fonds AG hat heute die Wandelschuldverschreibung 2020/24 im Nennbetrag von fünf Millionen Euro erfolgreich am Kapitalmarkt platziert. Die Emission stieß insbesondere bei den neuen Investoren auf positive Resonanz.

mehr ...

Recht

“Mein Name ist Hufeld”: BaFin warnt vor Fake-Anrufen und -E-Mails

In Deutschland und der Schweiz gibt es einen besonders dreisten Fall des so genannten Enkel-Tricks.  So geben sich Cyber-Betrüger als Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) oder seine Pressesprecherin aus. Die BaFin warnt deutlich vor falschen Anrufen und Fake-E-Mails.

mehr ...