19. Februar 2016, 16:00

Bundestag verabschiedet Wohnimmobilienkreditrichtlinie

Am 18. Februar verabschiedete der Bundestag die Wohnimmobilienkreditrichtlinie, die am 21. März 2016 in Kraft treten wird. Obwohl die Richtlinie den Verbraucherschutz stärken soll, begrüßen Verbraucherschützer die Änderungen nicht.

Pflegestarkungsgesetz in Bundestag verabschiedet Wohnimmobilienkreditrichtlinie

Die Wohnimmobilienkreditrichtlinie soll vor falscher Beratung schützen, gleichzeitig wird die Widerrufsfrist für Kreditverträge verkürzt.

Ab dem 21. März verschärfen sich die Beratungspflichten für Darlehensgeber, insbesondere im Rahmen der Immobiliar-Verbraucherdarlehensverträge. Die Möglichkeit der Fernberatung wird ausgeschlossen, Beratungsgespräche müssen persönlich erfolgen. Der Kunde muss auf ein eventuelles Entgelt für die Beratungsleistung hingewiesen werden. Zudem muss der Berater die Geeignetheit der zur Verfügung stehenden Produkte prüfen. Zusätzlich benötigt der Vermittler einen Sachkundenachweis und eine Berufshaftpflichtversicherung.

Übergangsfrist für Darlehensvermittler

Die örtlichen Industrie- und Handelskammern werden mit der Erlaubniserteilung und Abnahme der Sachkundeprüfungen beauftragt. Für Darlehensvermittler, die bereits im Besitz einer Erlaubnis nach Paragraf
34 c Gewerbeordnung (GewO) sind, gilt jedoch für die Beantragung eine einjährige Übergangsfrist bis zum 21. März 2017. “Mit diesen Regelungen haben wir unser Ziel erreicht, den Bestandsschutz für langjährige Bausparkaufleute zu erhalten”, so Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute.

Auch bei Dispositionskrediten wird eine Beratungspflicht bei dauerhaften und erheblichen Kontoüberziehungen eingeführt. Die Vorgabe für Produktbündelungen bei Krediten ändert sich ebenfalls, Paketabschlüsse gemeinsam mit anderen Finanzprodukten und -dienstleistungen werden verboten. Verbraucher müssen künftig mit einer verschärften Kreditwürdigkeitsprüfung rechnen. Die Umsetzung der neuen Richtlinie erfolgt im Wesentlichen im BGB.

Verkürztes Widerrufsrecht

Die von Verbraucherschützern am stärksten kritisierte Änderung betrifft das Widerrufsrecht. Verträge, die nach Inkrafttreten des Gesetzes im März abgeschlossen werden, können während einer Frist von einem Jahr und 14 Tagen widerrufen werden, danach erlischt das Widerrufsrecht auch wenn die entsprechenden Angaben im Vertrag fehlerhaft sein sollten. Bei fehlerhafter Belehrung konnte bisher unbegrenzt widerrufen werden.

Meistgelesen im Ressort Berater

Verträge, die zwischen 2002 und 2010 abgeschlossen wurden, können noch bis zum 21. Juni widerrufen werden. Einerseits können Verbraucher durch einen Widerruf die derzeit niedrigen Zinsen nutzen, andererseits muss die damals erfolgte Belehrung anwaltlich geprüft werden und eine Anschlussfinanzierung organisiert werden.

Kritik von Verbraucherschützern

Nach Angaben des Bundesjustizministeriums soll hierdurch mehr Planungssicherheit für die Banken erreicht werden. Die Verbraucherzentrale Bundesverband hält die Regelung allerdings für nicht notwendig, da Banken jederzeit mit einer Frist von einem Monat nachbelehren könnten. Die Verbraucherschützer kritisieren den einseitigen Schutz von Banken. (kl)

Foto: Shutterstock

 

 


Aktuelle Beiträge
Folgen Sie uns:
Aktuelle Beiträge aus dem Ressort Immobilien


Topaktuelle Themen auf der Startseite


Cash.Aktuell

Cash. 07/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Income-Fonds  – Mr. Dax im Fonds-Gespräch – PKV - Ferienimmobilien - Recruiting

Ab dem 16. Juni im Handel.

Cash. 06/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Aktiv versus passiv  –Versicherungen für Immobilien –Luftfahrtmarkt – Marktreport Anlageimmobilien

1 Kommentar

  1. “Mit diesen Regelungen haben wir unser Ziel erreicht, den Bestandsschutz für langjährige Bausparkaufleute zu erhalten”, so Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute.

    Deutschland – das Land der digitalen Penner. Rückwärts immer, vorwärts nimmer – oder ging das umgekehrt?
    Als nächstes kommt ein Gesetz zum Bestandsschutz für Taxifahrer.

    Kommentar von rb — 19. Februar 2016 @ 17:02

Ihre Meinung

Mehr Cash.

Versicherungen

Die Betriebsrenten sind sicher – oder?

Betriebsrenten sind zwar grundsätzlich sehr sicher: Doch viele Sparer fragen sich, wie es mit ihrer Betriebsrentenanwartschaft im weiteren Verlauf der Niedrigzinsphase weitergehen soll. Altersvorsorgespezialist und bAV-Experte Detlef Pohl über ein erklärungsbedürftiges Thema.

mehr ...

Immobilien

“Großbritannien bleibt wichtiger Standort für Immobilien”

Die Entscheidung der Briten für den Austritt aus der EU betrifft auch die Immobilienbranche, Überreaktionen auf den Märkten sind nicht auszuschließen – so die Einschätzung von Dr. Frank Pörschke, CEO von Jones Lang LaSalle (JLL) Deutschland.

mehr ...

Investmentfonds

No Exit after Brexit – nicht in die Panik verkaufen

Nachdem kurz vor dem Referendum der Verbleib Großbritanniens in der EU wahrscheinlicher als der Brexit erschien, war die Erschütterung der Finanzmärkte über die knappe Austrittsentscheidung extrem heftig.

mehr ...

Berater

Brexit: Blau direkt rechnet mit großen Folgen bei angelsächsischen Versicherern

Der Brexit wird auch für die Versicherungswirtschaft weitreichende Konsequenzen haben. Nicht nur, dass zahlreiche Versicherer wie Standard Life oder Clerical Medical in Frage gestellt sind, auch zahlreiche deutsche Fondspolicenanbieter haben Ihr Fondsmanagement teils über London durchführen lassen, so der Lübecker Maklerpool Blau direkt. 

mehr ...

Sachwertanlagen

Ein Nachrang kann auch ein Vorzug sein

Nachrangdarlehen gewinnen an Marktbedeutung. Sie haben ein schlechtes Image. Doch das ist nicht in jedem Fall gerechtfertigt. Der Löwer-Kommentar

mehr ...

Recht

BVG billigt EZB-Krisenkurs unter Auflagen

Mitten in der Eurokrise beruhigte die EZB mit einem weitreichenden Versprechen die Märkte. Nach jahrelangem Streit billigt Karlsruhe den riskanten Alleingang der Notenbank – aber nicht bedingungslos.

mehr ...