22. Februar 2016, 17:55

Digitalisierung ist (noch) das geringste Problem der Lebensversicherung

Die Versicherungsbranche wird gerade von der Digitalisierung umgekrempelt. Versicherer als auch Politik sind mehr denn je gefragt, Konzepte für die Zukunft zu entwickeln – die Digitalisierung ist dabei aber nur einer von mehreren Bausteinen.

Die Haff-Kolumne

Digitalisierung ist (noch) das geringste Problem der Lebensversicherung

Tobias Haff, Procheck24: “Die Verbindung von Sicherheit und Rendite ist nur mit komplexen Anlagemodellen umsetzbar. Wer hier nicht die höhere Finanzmathematik beherrscht, versteht kaum, was mit dem Geld seiner Kunden passiert.”

Täglich verkünden neue InsurTechs ihre revolutionären Ansätze. Ziel der neuen Marktteilnehmer sind meist die Sachversicherungsbestände der Kunden und die daraus erzielbare, laufende Provision: Mit neuen Prozessen und dem Bedarf an digitalem Datenaustausch müssen sich vor allem die Kompositversicherer auseinandersetzen. Die Lebensversicherung bietet noch wenig Ansatzpunkte. Laufende Vergütung gibt es genauso selten wie Vertragswechsel. Kunde und Vermittler legen Wert auf die gewohnten Abwicklungswege: Online-Underwriting – obwohl durchaus marktreif – verbreitet sich nur zäh.

Lebensversicherung leidet unter Niedrigzinsen und fehlender Innovation

Dennoch steht die Lebensversicherung großen Herausforderungen gegenüber: Sie leidet unter Niedrigzinsen und fehlender Innovation. Nicht nur die Altersvorsorge sondern auch biometrische Produkte wie die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) sind zunehmend betroffen. Die jüngst von der WWK vorgenommene Anpassung der BU-Nettobeiträge hängt zu einem guten Stück auch damit zusammen, dass sich Zinserträge nur noch schwer erwirtschaften lassen.

Der Blick auf die Ablaufrenditen zeigt zwar ein im Vergleich zum Zinsumfeld auskömmliches Niveau, der Trend zeigt aber seit Jahren nach unten und der Garantiezins ist kaum noch wahrnehmbar. Wie man auch rechnet, schöne Ablaufleistungen kommen für neue Verträge nirgendwo heraus.

Dazu kommt eine von geringer Innovation geprägte Produktwelt. Die Politik hat mit der Drei-Schichten-Architektur ein Umfeld geschaffen, das mit Garantien, Zertifizierungen und umständlichen Steuerregelungen nur verwirrt. Wer für sein Alter vorsorgen will, verirrt sich schnell im Dickicht der zahlreichen Vorschriften und Möglichkeiten. Einfache Anlagekonzepte fehlen. Die Verbindung von Sicherheit und Rendite ist nur mit komplexen Anlagemodellen umsetzbar. Wer hier nicht die höhere Finanzmathematik beherrscht, versteht kaum, was mit dem Geld seiner Kunden passiert.

Am Ende wird dann doch noch die Digitalisierung zuschlagen

Am Ende wird dann doch noch die Digitalisierung zuschlagen und die Vergangenheit bremst auf dem Weg in die Zukunft: Alte IT-Systeme können nicht einfach ersetzt werden. Wer als Versicherer dem Kunden zusichert, lebenslange Renten zu zahlen oder Vertragsverpflichtungen über Jahrzehnte eingeht, muss auch die Daten dafür pflegen.

Tarifgenerationen aus vielen Jahren mit jeweils eigenen Rahmenbedingungen, wie unterschiedlichen Garantiezinsen oder Steuervorschriften, vereinen sich in der bestehenden IT-Landschaft. Sie schränken die Entwicklung neuer Angebote ein, da ein Alles-neu-machen oder ein einfacher Neustart nicht möglich ist.

Seite zwei: Digitalisierung nur einer von mehreren Bausteinen

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