Allianz-Studie: Krieg ist für mehr als die Hälfte der Unternehmen weltweit das größte Risiko

Globale Konflikte, Kriege, Wirtschaftsfolge
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Rund 60 Prozent der Befragten aus Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum nennen Krieg als größtes Risiko.

Krieg, Sabotage, zivile Unruhen – politische Risiken haben sich laut einer neuen Allianz-Studie zu einem der zentralen Geschäftsrisiken weltweit entwickelt. Für deutsche Unternehmen gilt das in besonderem Maß. Was die Zahlen bedeuten und warum Versicherer nun umdenken müssen.

Politische Risiken und Gewalt sind im Allianz Risk Barometer 2026 global auf Platz sieben vorgerückt – die bisher höchste Platzierung in diesem Ranking. Das geht aus einer neuen Studie von Allianz Commercial hervor, die Trends zu politischer Gewalt und zivilen Unruhen analysiert. Demnach stufen mehr als die Hälfte der weltweit befragten Unternehmen Krieg als das gefährlichste Risiko in diesem Bereich ein. Konflikte in Europa und im Nahen Osten stören den globalen Handelsfluss, belasten politische Allianzen und erhöhen die Risikoexposition von Unternehmen in nahezu allen Branchen.

Rund 60 Prozent der Befragten aus Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum nennen Krieg als größtes Risiko. Zivile Unruhen folgen weltweit auf Platz zwei mit 49 Prozent, Terrorismus und Sabotage auf Platz drei mit 46 Prozent. Deutsche Unternehmen bewerten die Lage noch pessimistischer: Knapp zwei Drittel – 63 Prozent – stufen Krieg als Hauptrisiko ein. Terrorismus und Sabotage landen mit 54 Prozent auf Rang zwei, gefolgt von der Sorge vor Desinformationskampagnen mit 46 Prozent.

Verunsicherte Weltwirtschaft: Mehr als die Hälfte der Unternehmen sieht in den Konflikten eine Gefahr

Der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran belastet die Weltwirtschaft bereits erheblich. Unternehmen sehen sich mit Lieferkettenstörungen, dem Verlust von Marktzugängen sowie einem erhöhten Cyberrisiko konfrontiert. Schätzungen zufolge ist das Konfliktrisiko für Unternehmensvermögen bereits vor Ausbruch des Iran-Krieges in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 20 Prozent gestiegen.

Nahost-Konflikt könnte Ukraine-Schäden übertreffen

Für die Versicherungsbranche zeichnen sich erhebliche Konsequenzen ab. Im Bereich Politische Gewalt und Terrorismus könnten die finanziellen Verluste durch den Nahost-Konflikt nach Einschätzung von Allianz Commercial die PVT-Schäden infolge des Ukraine-Krieges übertreffen. Das stellt Versicherer vor neue Bewertungsfragen – insbesondere bei spezifischen Branchen und Regionen mit erhöhter Exposition.

Thomas Lillelund, CEO von Allianz Commercial, sagt: „Kriege, die Gefahr künftiger Konflikte und andere politische Gewalt dürften die geopolitische und wirtschaftliche Stabilität 2026 und darüber hinaus untergraben. Viele Unternehmen haben weiterhin Probleme derartige Risiken in ihren physischen und digitalen Lieferketten zu identifizieren. Dabei ist gerade diese Fähigkeit von entscheidender Bedeutung. Risikomanager müssen bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Resilienzstrategien vorausschauend handeln und diese ständig weiterentwickeln. Nur so können sie mit neuen Bedrohungen, jetzt und in Zukunft, Schritt halten.“

Allianz Research hat in den vergangenen fünf Jahren rund 250 gemeldete Ereignisse im Zusammenhang mit Streiks, Aufständen und zivilen Unruhen analysiert, bei denen jeweils mehr als 1.000 Personen aktiv beteiligt waren und die länger als einen Tag andauerten. Pakistan verzeichnete mit elf solcher Ereignisse die meisten, gefolgt von Indonesien. Auch die USA, Griechenland, Tunesien, Ungarn, Iran und Indien weisen hohe Fallzahlen auf. In Deutschland gelten die Anti-Regierungs-Proteste vom Januar 2025 mit über 150.000 Teilnehmern als Referenzereignis.

Sabotage und Unruhen verursachen Milliardenschäden

Die finanziellen Folgen ziviler Unruhen sind erheblich: Die Ausschreitungen in Indonesien im August 2025 verursachten versicherte Schäden von über 50 Millionen US-Dollar. Die Proteste in Nepal im September 2025 könnten laut Allianz die Schäden des Erdbebens von 2015 übersteigen – damals beliefen sie sich auf mehr als 200 Millionen US-Dollar. Hinzu kommt ein deutlicher Anstieg von Sabotageakten auf kritische Infrastrukturen, darunter Unterseekabel. Diese Angriffe werden häufig staatlich unterstützt und lassen sich teils Russland zurechnen. Sie richten zwar nicht zwingend großflächige Schäden an, binden aber erhebliche Ressourcen für Schutz und Überwachung.

Über 70 Prozent der befragten Unternehmen sehen Betriebsunterbrechungen oder Lieferkettenstörungen als kritischste Auswirkung politischer Gewalt auf ihr Geschäftsmodell. Bereits vor Ausbruch des Iran-Krieges prüfte mehr als ein Drittel der Unternehmen Nearshoring-Ansätze und inländische Produktionsoptionen. 32 Prozent wollten ihr Bestandsmanagement verbessern, fast die Hälfte beschäftigte sich mit der Diversifizierung von Lieferketten. Diese Entwicklungen dürften sich durch den laufenden Konflikt weiter beschleunigen.

Versicherungsnachfrage erreicht neues Niveau

Srdjan Todorovic, Global Head of Political Violence and Hostile Environment Solutions bei Allianz Commercial, sagt: „In einer Phase erhöhter Unsicherheit war es noch nie so wichtig, die Auswirkungen dieser Risiken zu verstehen und sie in unseren vernetzten Geschäftsökosystemen zu begrenzen. Versicherungen spielen dabei eine zentrale Rolle und wir sehen ein deutlich gesteigertes Interesse und mehr Käufer als je zuvor in diesem Marktsegment. Das stellt einen deutlichen Wandel gegenüber dem Markt- und Käuferverhalten vor dem Krieg in der Ukraine dar, der durch die nachfolgenden Ereignisse zusätzlich verstärkt wurde.“

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